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Motorradtour durch die Region Hegau/Bodensee Motorrad-Achterbahn zwischen Vulkanschloten und Bodensee

Zwischen Donau und Rhein zieht der Frühling ein paar Tage eher ins Land. Grund genug, den verträumten Hegau, die Motorrad-Achterbahn zwischen Vulkanschloten und Bodensee, unter die Räder zu nehmen.

Unterwegs im Hegau

Graue Suppe, Frost und Schnee? Damit ist jetzt Schluss. Wenn selbst Wettergöttin Claudia Kleinert ihre dunklen Pullis und Röcke gegen bunte Stoffe tauscht, gestenreich Hochdruckgebiete und Warmfronten ankündigt, wird es höchste Zeit, in die Stiefel zu springen. Wir im Süden dürfen das noch ein paar Tage früher, weil es der Herrgott gut mit uns meint und uns ein paar ganz sonnige Flecken spendiert hat. Den Hegau zum Beispiel. Umzingelt von der klirrend kalten Schwäbischen Alb im Norden und dem schneereichen Schwarzwald im Westen, sind die markanten Hegauberge Botschafter eines milden, sonnigen Klimas. „Die deutsche Toskana“ preisen dann auch schon mal schwer bemühte Reiseprospekte den etwas vergessenen Streifen entlang der Schweizer Grenze.

Für die MOTORRAD-Redaktion hingegen ist der Hegau oft Retter in der Not. Spätestens am „Rasthof Hegaublick“ atmen Fotograf und Testfahrer erleichtert auf: endlich Sonne. Also, nicht lange fackeln, runter von der Autobahn, rein ins Vergnügen. Wir stehen auf dem 867 Meter hohen Neuhewen, dem höchsten aller Hegauberge, einem populären Motorradtreffpunkt. Nach einer rasanten Talfahrt schweben wir bereits wieder über dem Höhenzug des alten Postwegs, den wir von Leipferdingen aus erreichen und der uns dann hinab nach Tengen bringt. Hinter Büßlingen heißt es dann „Grüezi“: Wir sind in der Schweiz, schwingen uns hinauf nach Opfertshofen und nehmen Kurs auf Stein am Rhein, im Schwyzerdütsch-Dialekt kurz „Stih am Rih“ genannt.

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Mit Geduld und freier Sicht auf den Bodensee, der dort in den Rhein übergeht, zuckeln wir ein paar Kilometer im meist dichten Ausflugsverkehr nach Wangen. Dort links ab, dann kurven wir über windige, enge Sträßchen auf den Schiener Berg, den wir auf einer ebenso kurvigen Abfahrt nach Bankholzen wieder verlassen. Eine Ehrenrunde durch üppige Gemüsefelder auf der Halbinsel Höri bringt uns an den Hafen von Horn und zu einem idyllischen Biergarten direkt am Wasser.

Nach einer kniffligen, aber landschaftlich sehr reizvollen Umfahrung von Radolfzell über die Homburg und Ludwigshafen nach Bonndorf stehen wir 200 Meter über dem Bodensee am Haldenhof. Ein Traum. Der danach gleich weitergeht. Wir schwenken nach Norden, um die Hegauberge von den Höhenzügen der oberen Donau aus zu betrachten, und finden uns nach einer amüsanten Berg-und-Tal-Fahrt durchs Wasserburgertal am Ausgangspunkt unserer Reise wieder.

Wenn wir jetzt scharf geschnitten und in voller Pracht die Schweizer Alpen sehen, haben wir Glück - oder Pech. Denn nach dem milden Föhn, der die Luft klargespült hat, kann es selbst im sonnigen Hegau zwischendurch mal kräftig regnen.

Durch den Hegau mit Werner "Mini" Koch.
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Foto: Archiv

Tour-Infos

Wer die genussvolle Schleife durch den Hegau drehen möchte, sollte sich Zeit lassen, weil man die schönsten Flecken nur im Zickzack erreicht.

Anreise: Aus dem Norden über Tübingen, Schwäbische Alb, Laucherttal, Donautal bis Immendingen. Im Frühjahr zum Teil noch sehr kalt, eventuell noch Schnee in den Höhenlagen. Oder auf der A 81 Stuttgart-Singen. Aus dem Osten über Memmingen, Bad Schussenried, Saulgau, Mengen, Messkirch, Tuttlingen. Aus dem Westen über Freiburg, Furtwangen, Donaueschingen. Im Frühjahr zum Teil noch sehr kalt. Oder über die A 5 bis Bad Säckingen, Waldshut, Schaffhausen/CH.

Lohnenswerte Ziele: Der Motorradtreffpunkt „Hegaublick“ nördlich von Engen mit Gasthof und Terrasse mit Fernsicht ist Pflicht.

Die Altstädte von Tengen und Blumenfeld sind eine Rast mit kleinem Spaziergang wert. Auch die Altstadt von Stein am Rhein und die darüberliegende Burg Hohenklingen sollte man nicht auslassen. Wer noch einen kurzen Haken nach Sigmaringen an der Donau schlagen möchte, dem sei das reichlich bestückte Zündapp-Museum in der Zollerhof-Brauerei empfohlen. Bodenständiges und preiswertes Essen gibt es gleich nebenan im Brauerei-Gasthof. Es sind nur ein paar Schritte vom Parkplatz am Knopfmacherfels zum Aussichtsfels über der Jungen Donau zwischen Beuron und Fridingen. Auch das gehört zum Pflichtprogramm. Vom Aussichtspunkt Windegg/Witthoh bei Tuttlingen lässt sich fast die gesamte Tour überblicken. Bei klarem Wetter ein Berg mit fantastischer Aussicht. Bitte unbedingt Pause machen.

Übernachten/Gasthöfe: Mitten im „Flecken“ von Fridingen/Donau findet man eines der ältesten Wirtshäuser in Süddeutschland, das „Scharf Eck“. Krumm und schief, mit bodenständiger Küche und definitiv sehr zu empfehlen.
Der Gasthof „Sternen“ in Bankholzen gehört zur gehobeneren Klasse der Übernachtungsmöglichkeiten. Was der Familienbetrieb auf die Teller bringt, kann sich sehen und vor allem genießen lassen. Etwas einfacher, doch günstiger kommt man im Gasthof „Schienerberg“ in Schienen unter. Eine feine badische Küche mit strammen Portionen rundet den Tag im Hegau ab. Wer ein überdurchschnittlich ruhiges Quartier beziehen möchte, muss sich mutig über eine kleine Schotterstraße von Buchheim aus zum „Jägerhaus“ ins Donautal aufmachen. Idyllischer geht es nicht. Im Hafen von Horn ist der Biergarten „Schlössli“ direkt am See Pflicht. Wenn man die Seele baumeln lassen kann, dann hier.

Foto: fact
Orientierungslos im Schweizer Grenzland? Nicht mit einer genauen Landkarte im Maßstab 1:50000. Oder man navigiert sich elektronisch durch die unzähligen Grenzübergänge.
Orientierungslos im Schweizer Grenzland? Nicht mit einer genauen Landkarte im Maßstab 1:50000. Oder man navigiert sich elektronisch durch die unzähligen Grenzübergänge.

MOTORRAD-Roadbook

Startpunkt A 81 Stuttgart-Singen, Ausfahrt Geisingen/Fürstenberg. Richtung Engen bis Hegaublick, Stetten, Leipferdingen, über Bol zum alten Postweg, Tengen Büßlingen (Grenze CH), Hofen, Opfertshofen, Lohn, Thayngen, Dörflingen, Randegg (Grenze D), Gailingen, Ramsen, Hemishofen, Stein am Rhein, Burg Hohenklingen, Öhningen, Wangen, Schienen/Gasthof „Schienerberg“, Bankholzen/Gasthof „Sternen“, Weiler, Gaienhofen, Horn/Seerestaurant Schlössli am Hafen, Gundholzen, Iznang, Moss, Radolfzell, Böhringen, über Reutenhöfe, Stahringen zur Homburg, Hinterhomburg, Wahlwies, Stahringen, Bodman/Gasthof „Torkel“, Ludwigshafen am Bodensee, Bonndorf, zum Aussichtspunkt Haldenhof, zurück nach Bonndorf, Winterspüren, Mahlspüren im Tal, Kalkofen, Deutwang, Richtung Zoznegg, vorher links kleine Straße nach Hoppetenzell, Mühlingen, Mainwangen, Holzach, Boll, Krumbach, Bietingen, Altheim, Tahlheim, Leibertingen, Lengenfeld, Hausen im Tal, Donautal über Beuron zum Aussichtspunkt Knopfmacherfelsen nach Fridingen, Bergsteig, Buchheim, Worndorf, Oberschwandorf, Ederstetten, geradeaus kleine Straße nach Liptingen, Rorgenwies, Reute im Hegau, Honstetten, Wasserburgerhof, Schenkenberg, B 491 Richtung Engen, Biesendorf, Aussichtspunkt Windegg, Hattingen, Mauenheim, Hegaublick.

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