10-teilige Dokumentation einer Weltumrundung auf Motorrädern.

Neue Bücher Lustmacher

»Long way round« nannten Hollywoodstar Ewan McGregor und Schauspielerkollege Charley Boorman ihren Film über eine viermonatige Weltreise. Jetzt ist das Buch zum Trip auf Deutsch erschienen.

Einmal rund um die Welt – die Schauspieler und Freunde Ewan McGregor (Star Wars, Moulin Rouge, Trainspotting) und Charley Boorman (Der Bunker, Der Smaragdwald) sind zwar nicht die ersten, die auf Motorrädern den Globus umrundet haben. Aber die Art und Weise, wie die beiden kameraerprobten Promis sich ihren Trip »Long way round« vergolden ließen, dürfte in der Zweirad-Reiseszene einmalig sein. Die Liste der Sponsoren ist so lang wie die Route selbst, und ein Kamerateam (ein weiterer Motorradfahrer sowie zwei Begleitfahrzeuge) lieferte den Stoff für eine hervorragend gemachte TV-Serie, die zudem als DVD bisher 420000 Mal verkauft wurde. Die englische Buchausgabe ging rund eine Millionen Mal über die Theke. Noch Fragen?

Gut zwei Jahre nach dem Trip ist nun das Buch auf Deutsch erschienen. Unweigerlich stellt man sich beim Lesen (wie beim Betrachten des Films) die Frage: Ist das noch eine echte Reise? Oder handelt es sich letztlich um einen gigantischen PR-Akt? Beides stimmt, irgendwie zumindest. Tatsächlich fällt es schwer, den Schmöker aus der Hand zu legen, wenn Ewan oder Charley abwechselnd vom »long way round« berichten, der sie von London aus über Osteuropa, Asien und durch Nordamerika bis New York geführt hat. Warum? Weil die beiden überaus sympathischen Protagonisten Spaß und Frust eines solchen Abenteuers gnadenlos gut und überaus glaubhaft vermitteln.

Ewan und Charley sind alles – nur keine erfahrenen Reisenden. Man leidet mit ihnen, wenn sie trotz monatelanger intensiver Vorbereitung mal wieder stundenlang an diversen osteuropäischen Grenzen warten müssen, weil sie nur nutzlose Kopien statt der echten Fahrzeugpapiere dabei haben. Oder sich seitenlang vom schlechten Straßenzustand in Ländern wie Kasachstan oder der Mongolei überrascht zeigen. Solche Basics stehen in jedem Reiseführer, möchte man ihnen am liebsten zurufen. Oft helfen nur ihre Beziehungen weiter. Oder ihr Dolmetscher und Organisator, der im Auto im gebührenden Abstand mitreist, wird mal eben per Satellitentelefon herbeizitiert. Mindestens ebenso oft sind die beiden genervt von ihrem Mega-Film-Buch-Projekt, weil der erforderliche Aufwand und die Verpflichtungen im krassen Widerspruch zu ihrer Vorstellung der großen Freiheit stehen. Am Promifaktor droht das ganze Unternehmen zwischenzeitlich sogar fast zu scheitern. Charley: »Teilweise wurden wir wie Medienstars umhergereicht, der Trubel um uns war besonders in Kasachstan einfach zu heftig.« Charley und Ewan beißen sich durch, und vermutlich liegt’s am britischen Humor, der dieses Werk lesenswert macht. Bemerkenswerter Nebeneffekt: Die Hochachtung vor jedem Reisenden, der sich ohne vergleichbare Unterstützung und Budget allein in so ein Abenteuer stürzt, wächst ins Unermessliche.

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