Panamericana 2012: Unterwegs von Alaska nach Feuerland Boxenstopp in Calgary

Wie beim Boxenstopp arbeiten wir vorne und hinten gleichzeitig: Während Kenny das Öl ablässt, baue ich das Hinterrad aus, gleichzeitig geht Carey mit einer Dose Sprühöl um das Bike und schmiert die Stellen nach Wartungsplan.

Foto: Heerwagen

Kennys Werkstatt in Calgary

Carey aus Calgary hat mir die Adresse seines Wochenendhauses gegeben, es liegt nur etwa eine Stunde von Banff entfernt. Nach kurzem Suchen finde ich es, Carey zeigt mir das Haus, stellt mich seiner Familie vor und zeigt mir mein Zimmer für die Nacht, oder zwei. Er hat seinem befreundeten Mechaniker versprochen, dass wir zwischen  10.30 Uhr und 12 Uhr bei ihm sind – also quatschen wir nicht lange, sondern fahren los. Ich folge ihm, 30 Minuten später sind wir in Calgary und halten vor einer unscheinbaren Garage.

Carey aus Calgary hat mir die Adresse seines Wochenendhauses gegeben, es liegt nur etwa eine Stunde von Banff entfernt. Nach kurzem Suchen finde ich es, Carey zeigt mir das Haus, stellt mich seiner Familie vor und zeigt mir mein Zimmer für die Nacht, oder zwei. Er hat seinem befreundeten Mechaniker versprochen, dass wir zwischen  10.30 Uhr und 12 Uhr bei ihm sind – also quatschen wir nicht lange, sondern fahren los. Ich folge ihm, 30 Minuten später sind wir in Calgary und halten vor einer unscheinbaren Garage.

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Foto: Heerwagen

Wie beim Boxenstopp arbeiten wir vorne und hinten gleichzeitig: Während Kenny das Öl ablässt, baue ich das Hinterrad aus, gleichzeitig geht Carey mit einer Dose Sprühöl um das Bike und schmiert die Stellen nach Wartungsplan. Nach dem Trip auf dem staubigen Dalton-Highway kontrolliere ich den Luftfilter, obwohl es eigentlich nicht nötig ist. Sieht noch gut aus, beim nächsten Service ist er dann aber fällig. Wir laden das Hinterrad in Careys Truck (7,4 Liter-Diesel-V8) und fahren zum Ducati-Händler, bei dem Kenny damals gearbeitet hat – er ist noch immer gerne gesehen und hat quasi freien Zugang zur Werkstatt. Nebenbei gibt er einem Mechaniker noch Tipps zur Reparatur einer Ducati Desmosedici RR, die sich nicht sehr gesund anhört. Er zieht meinen völlig abgefahrenen Reifen ab, einen gebrauchten von Carey auf. Es ist auch ein TKC80 und Carey ist damit auf dem Rückweg von Inuvik/Dawson nur 3500 Kilometer gefahren. Da er in Calgary keine Geländereifen braucht, gibt er mir seinen – ausgezeichnet!

Wir treffen uns mit einem 85-jährigen Kumpel von Carey zum verspäteten Mittagessen, dann geht’s zurück zum Wochenendhaus. Die kleine Siedlung besteht aus etwa 30 Häusern – einige davon sehen sehr teuer aus – und liegt direkt an einem See. Carey wohnt in zweiter Reihe, sagt, dass die Häuser und Grundstücke vor ihm zwischen 1,4 und 2 Millionen Dollar kosten. Wir drehen eine Runde am Wasser entlang, grüßen jeden und ich bin erstaunt, dass die wenigsten hier Vollzeit wohnen. Es sind wirklich nur Wochenendhäuser. Ein Bekannter baut gerade ein Sonnendeck an Careys Terrasse, wir trinken ein Bier, unterhalten uns ein wenig und werfen später den Grill an. Ich verputze das wohl bisher größte Steak, das ich jemals hatte und wir schauen uns später die Aufzeichnung des MotoGP-Rennens in Assen an. Seine drei Töchter haben mittlerweile im Garten ein Lagerfeuer gemacht, rösten Marshmallows. Carey zeigt mir etwas: Man nehme einen Keks, lege darauf zwischen zwei und vier Stücke Schokolade, den leicht gebräunten Marshmallow und obendrauf wieder einen Keks. Kalorien ohne Ende und der pure Zucker, aber es schmeckt wirklich ausgezeichnet. Ob wir noch ein Bad im beheizten Outdoor-Whirlpool nehmen wollen? Heute nicht mehr, vielleicht morgen. Manchmal ist das Leben eines Motorrad-Reisenden aber auch wirklich hart! :-) Thank you very much, Carey!

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Foto: Heerwagen

Immer noch bzw. schon wieder in Calgary

Etwa drei Stunden südlich von Calgary, kurz vor der US-Amerikanischen Grenze liegt der kleine Nationalpark „Waterton Park“. Carey sagte mir, dass es sich wirklich lohnt, außerdem hat er mir eine schöne Nebenstrecke dorthin gezeigt. Die Landstraße führt durch typisches Farmland – überall weiden Rinder, hin und wieder führt die Straße durch große Rapsfelder, am Ende staubiger Feldwege stehen die Häuser der Farmer. 23 Grad, Sonnenschein, nur ganz selten sind kleine Wolken am Himmel. Herrlich.

Kurz vor dem Waterton Park weist ein Schild zu einem Bison-Freigehege. Ich folge dem Weg und stehe plötzlich vor einem Texas-Gate (quer in den Boden eingelassene Metallrohre mit jeweils etwas Abstand dazwischen – Rinder/Bisons gehen da nicht rüber) und einem Warnschild. Unter anderem dürfen auch Motorräder nicht ins Gehege, aus nachvollziehbaren Gründen.

Ich fahre trotzdem rein – im Zweifelsfall ist die Yamaha zwar nicht stärker als ein Bison, beschleunigt aber garantiert schneller… Ein paar Kilometer weit zieht sich das schmale, löchrige Asphaltband durch das eingezäunte weitläufige Gelände. Hinter einem Hügel kann ich links neben mir die Bison-Herde sehen, vielleicht 100 Meter entfernt, also relativ weit weg. Wenig spektakulär. Ich verlasse das Gehege und fahre nach Waterton Park. Bergpanorama mit teilweise noch schneebedeckten Gipfeln, dazu ein Bergsee, grüne hügelige Wiesen, toll.

Foto: Heerwagen

Auf dem Campingplatz leben nicht nur Urlauber, sondern auch jede Menge Streifenhörnchen – allerdings ohne Streifen, sondern mit Punkten. Ich kenne aber den korrekten Namen nicht, sorry. Jedenfalls haben die Tiere den kompletten Platz unterhöhlt, ständig taucht irgendwo ein Kopf mitten aus dem Rasen auf. Zudem sind die kleinen Racker relativ zutraulich, bestimmt lässt der eine oder andere Camper mal was zu essen fallen. Wie in Jasper sind auch hier viele Hirsche unterwegs, streifen durch die Vorgärten der Stadt und ruhen sich gerne mal vor einer Veranda aus, ein paar Meter neben dem Gehweg.

Mit dem Telefon in der Hand laufe ich langsam durch die Straßen, da ist wieder eins! Irgendein WLAN-Netz ist immer offen. Bevor ich Calgary verlassen habe, habe ich Dave eine Nachricht geschickt. Ihr erinnert euch bestimmt noch an den Kanadier, den ich bereits in Fairbanks im McDonald’s, dann oben in Deadhorse und schließlich nochmal in Tok getroffen habe? Das ist Dave. Jedenfalls habe ich seine Mail drei Stunden zu spät bekommen, aber er hätte heute Karten für ein richtig tolles Queen-Cover-Konzert für mich gehabt – Mist! Dazu muss ich sagen, dass Dave Tontechniker ist und leicht an Karten kommt. Er hatte auch angeboten, noch ein Bier mit ihm zu trinken und dass ich ein paar Tage bei ihm oder seinen Eltern übernachten kann. Mmh, was also tun. In Calgary startet am 6. Juni das „Calgary Stampede“, das größte Outdoor-Spektakel und Rodeo der Welt, mit den besten Reitern und dem höchsten Preisgeld (zwei Millionen Dollar, wenn ich mich recht erinnere). Und: Es ist das einhundertste Jubiläum. Klarer Fall, ich muss zurück. Selbst wenn ich irgendwann nochmal nach Calgary kommen sollte, dann wahrscheinlich nicht zur Zeit des Stampede. Gut, ich fahre morgen also wieder nach Calgary – was sind hier schon 300 Kilometer?

In kräftigem Regen baue ich am nächsten Morgen mein Zelt ab, das erste Mal überhaupt, dass ich es nass einpacken muss. Der Teufel ist… naja, das hatte ich erst vor kurzen, auf jeden Fall hört es ziemlich genau dann zu regnen auf, als ich alles fertig gepackt habe. Immerhin. Ich fahre die gleiche Strecke zurück nach Calgary, quartiere mich für eine Nacht im Hostel ein und schreibe Dave, wo ich bin. Gegen 23 Uhr kommt er zum Hostel und holt mich ab, wir fahren zu seinem Apartment. Er auf seiner BMW F 650 GS Dakar zügig vorneweg, ich hinterher durch die bunte Nacht in Calgary – geil. Im Apartment sehen wir uns Fotos unserer Tour an, wir unterhalten uns, seine Freundin macht überbackene Nachos, so lässt es sich wirklich aushalten in einer fremden Stadt. Die beiden müssen morgen arbeiten, trotzdem sitzen wir bis halb zwei zusammen.

Foto: Heerwagen

Mittwoch, 4. Juli

11 Uhr muss das Zimmer im Hostel geräumt sein, mein Gepäck kann ich aber noch den ganzen Tag stehenlassen, außerdem im Gemeinschaftsraum das WLAN nutzen. Später suche ich in einem riesigen Einkaufszentrum nach einem kleinen Teil für meine GoPro-Kamera, kann es aber nicht finden. In einem Elektronikladen will mir ein Inder ein Kartenlesegerät für 30 Dollar verkaufen – das muss billiger gehen. Schließlich finde ich eins im Walmart; die haben aber auch wirklich alles. In den USA sogar Waffen.

Downtown-Calgary ist nicht besonders groß, ich spaziere ein bisschen durch die Stadt und muss sagen, dass es mir wirklich gut gefällt. Schon als ich mit Carey hier durchgefahren bin, ist mir aufgefallen, wie sauber und gepflegt alles ist. Dagegen ist Berlin, sorry, ein Drecksloch. Überall ist der Rasen kurz, die Grünanlagen sehen tiptop aus, die Straßen sind sauber, nur ganz selten sehe ich Graffiti. Und das was ich mit Carey gesehen habe war noch nicht mal das Stadt-Zentrum! Dort sieht es ähnlich aus. Wirklich schön und für einen kurzen Städtetrip absolut zu empfehlen – falls jemand mal in der Nähe ist :-)

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