Panamericana 2012: Unterwegs von Alaska nach Feuerland Drive-in-Geysire

Anfangs bin ich noch überwältigt wegen der schönen Natur, durch die die sogenannte Loop Road – eine achterförmige Ringstraße durch den Nationalpark – hindurchführt. Zwar kommt keine Langeweile zwischen den Sehenswürdigkeiten auf, aber nach ewigen Kilometern durch Wald und Wiesen dürfte es auch mal ein Wildtier sein.

Foto: Heerwagen

Ojo Hot Springs

Ziemlich früh bin ich am Parkeingang und freue mich, dass ich mit meinem Jahrespass reinkomme. Mir war nämlich, als wenn der Yellowstone Nationalpark ausgeschlossen wäre. Die Straße windet sich durch den Park, rechts daneben fließt ein breiter aber flacher Fluss, Morgennebel schwebt über dem Wasser.

Ein paar Angler stehen an ihrem Auto, machen sich fertig, um ein paar fette Forellen zu fangen. Angeln ist erlaubt, obwohl es ein Nationalpark ist – bestimmt gibt’s Fangbeschränkungen. Hunderte Meter entfernt kann ich schon hohe Dampfwolken erkennen, die ersten Zeichen für die vulkanischen Aktivitäten im Park. Vor 2,1 Millionen Jahren war das heutige Gebiet ein Supervulkan, und noch immer steigen vielerorts Gase und Dämpfe an die Erdoberfläche.

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Foto: Heerwagen

Bei den Ojo Hot Springs biege ich ab, und weil es so früh ist, steht auf dem Parkplatz nur ein einziges Auto. 500 Meter sind es zu Fuß bis zur heißen Quelle, und ich bin erstaunt, dass sie lediglich von wenigen Holzbalken am Boden „eingezäunt“ ist. Hier ist Vorsicht geboten, lieber nicht zu ran gehen, denn die Oberflächen hier können teilweise sehr dünn sein und einbrechen. Dampf steigt auf, und dank nahezu Windstille hält er sich recht lange in der Luft, wird von der Morgensonne durchleuchtet. Toll. Das Wasser der Quelle fließt in einen kleinen Bach, ich tauche die Hand ein – ganz schön warm! Ich fahre weiter, sehe ein Bison, leider etwas weit weg. Ziemlich nah dran sind die nächsten Quellen, bzw. diesmal ein echter Geysir, etwas daneben ein Schlammgeysir.

Holzplanken führen um die schönsten Plätze herum, man kommt relativ nah heran. Staunen, Fotos machen, weiter. Anfangs bin ich noch überwältigt wegen der schönen Natur, durch die die sogenannte Loop Road – eine achterförmige Ringstraße durch den Nationalpark – hindurchführt. Zwar kommt keine Langeweile zwischen den Sehenswürdigkeiten auf, aber nach ewigen Kilometern durch Wald und Wiesen dürfte es auch mal ein Wildtier sein. Ich nähere mich dem wohl berühmtesten Geysir der Welt: dem Old Faithful. Ein teures, trockenes Sandwich ist mein Frühstück, denn bis zum nächsten Ausbruch habe ich gut 30 Minuten Zeit. Und damit habe ich Glück, manchmal dauert es von einem Ausbruch zum nächsten bis zu anderthalb Stunden.

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Foto: Heerwagen

Der Alte ist zwar noch treu, nimmt’s aber mit der Zeit nicht mehr ganz so genau. Und mit der Höhe auch nicht. Um den Geysir sind kreisförmig und in recht großem Abstand Sitzbänke aufgestellt, kurz vor dem Höhepunkt sind fast alle besetzt. Es geht los, und was soll ich sagen, etwas höher und spektakulärer habe ich mir das schon vorgestellt. Das sollen 30 Meter sein? Naja, es war trotzdem nett.

Kurz darauf halte ich bei einem anderen, kleineren Geysir, der fast interessanter als der Old Faithful ist. Ständig sprudelt heißes Wasser an die Oberfläche, schießt manchmal meterhoch in die Luft. Auf einem Schild lese ich, dass das Wasser nur selten kocht, sondern immer mit Gasen an die Oberfläche kommt und deshalb sprudelt. Aha.

Foto: Heerwagen

Bisons

Der Boden um die Quelle ist rötlich verfärbt, der innere Rand des Geysirs selbst leuchtet blau. Inzwischen nieselt es. Immer wieder zweigen Wege von der Loop Road zu Sehenswürdigkeiten ab, ich halte oft an und gehe die paar hundert Meter. Neben einem Schlammloch liegt ein Bison faul herum und lässt sich ordentlich eindampfen. Etwas weiter weg liegt ein anderes direkt neben dem Holzweg, auf dem ich mich hier befinde – was für ein Wortspiel.

Auch hier ist nichts eingezäunt, wenn er wollte, könnte der Bison auch den Weg nehmen. Ich habe gelesen, dass die Viecher im Winter gerne auf den von Schnee geräumten Straßen laufen, um Energie zu sparen. Im Winter ist allerdings sowieso nur eine Straße im Park offen.

Wieder mal stehen die Autos am Straßenrand Schlange, aufgeregte Touris laufen über die Straße ohne zu gucken. Diesmal sind es besonders viele und sogar ein Ranger ist dabei. Es muss etwas interessantes sein. Ich parke, geselle mich zur Masse und schaue die Böschung hinab in den Fluss. Schwer zu schätzen wie weit es weg ist, aber auf der anderen Seite des Ufers liegt halb im Wasser der frische Kadaver eines Hirschs oder Elchs. Viel fehlt nicht, der Bär hatte anscheinend keinen Bärenhunger, hat lediglich den Bauch aufgeschlitzt und ein bisschen was weg geknabbert – soweit ich das von oben sehen kann.

Foto: Heerwagen

In den letzten 20 Jahren wurden im Yellowstone Nationalpark lediglich zwei Menschen von Bären getötet. Und das, obwohl allein im letzten Jahr mehr als drei Millionen Besucher hier waren! Ich mache mir keine Sorgen, und finde es etwas albern, wenn ein Typ auf dem Campingplatz mit seiner Dose Anti-Bären-Spray aufs Klo geht (Die Dosen sehen aus wie kleine Feuerlöscher fürs Auto, gefüllt sind sie mit Pfefferspray).

Ziemlich beeindruckend sind die Mammoth Hot Springs. Heißes Wasser fließt über terrassenförmige Abstufungen, hat im Laufe der vielen Jahre richtige Becken entstehen lassen. Auch hier leuchtet es rot im Wasser, die Terrassen selbst sind weiß – es sieht aus wie Salz, könnte aber auch Kalk sein. Ich weiß es nicht.

Irgendwann dachte ich mir so, komisch dass die Amis keine Drive-in-Geysire haben, die erledigen doch sonst alles nur mit dem Auto. Ihr ahnt es schon – sowas gibt’s tatsächlich. Natürlich fährt man nicht rein, aber das macht man ja bei McDonald’s auch nicht. Ich weiß nicht mehr, wie es hieß, aber irgendwo führt eine alte Straße mit kaputtem Asphalt direkt um einen fünf Meter hohen Hügel herum, aus dem oben das Wasser sprudelt. Man muss nicht mal aussteigen. Fenster runter, Kamera raus, weiter geht’s. Natur pur.

Ich fahre zurück zum Campingplatz, will morgen noch einmal in den Park – es kostet mich ja nichts.

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