Panamericana 2012: Unterwegs von Alaska nach Feuerland Ankunft in Anchorage

„Soll ich’s wirklich machen, oder lass ich’s lieber sein“ – die Textzeile geht mir immer wieder durch den Kopf, als ich mich dem Einreisebeamten auf dem Flughafen nähere. Soll ich beim Start meiner Tour gleich einen Grenzbeamten anlügen? Nun, in diesem Fall könnte das tatsächlich besser sein, also riskiere ich es.

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Foto: Heerwagen

Er fragt, wohin ich will. Florida, lüge ich und erkläre ihm, dass ich eine Motorradtour durch Kanada und die USA mache und von Florida aus zurückfliege. So steht es zumindest auf meinem Rückflugticket – welches ich aber verfallen lasse, denn ich will nicht an die Ost- sondern an die Westküste. Ich hatte Bedenken, dass unangenehme Fragen kommen würden, wenn ich sagte, dass ich eigentlich nach Argentinien will, das Rückflugticket aber nur gekauft habe, um überhaupt ins Land gelassen zu werden.

Bei einer Gepäckkontrolle könnte ich auffliegen: Eine Landkarte von Mexiko, eine Garmin-Speicherkarte mit Daten von Südamerika und die mit meiner Route von Alaska nach Feuerland bedruckten T-Shirts sehen nicht gerade nach Abflughafen Fort Lauderdale aus. Aber ich habe Glück. Nachdem meine Fingerabdrücke gescannt worden sind, sagt mir der Beamte, dass er letzten Juli den Dalton-Highway mit dem Motorrad gefahren ist. Perfekt, der Mann macht mir keine Probleme mehr. Er stempelt den Pass und wünscht mir eine gute Fahrt.

Tja, mein Zimmer im Alaska Backpackers Inn ist erst ab 16 Uhr zu beziehen – als ich ankomme ist es 11. Ich schließe mein Zeug in einen Spind, gehe in die Stadt und freue mich über das herrliche Wetter. Strahlend blauer Himmel, die Sonne brennt, trotzdem ist es kühl genug, dass ich nicht mit der Motorradjacke und dem Rucksack anfange zu schwitzen.

Downtown Anchorage ist nicht besonders groß und zu Fuß gut zu erlaufen. Ich tausche ein paar Travellerchecks in Bares und sehe, wie ein Mann zwei Schalter weiter ein großes Bündel Banknoten in einen kleinen Sack steckt. Vielleicht waren es nur Ein-Dollar-Scheine zum Wechseln…  An einer Kreuzung höre ich jemanden Brüllen, und als ich um die Ecke komme, hocken drei Polizisten auf einem am Boden liegenden Mann, drei weitere Beamte stehen drum herum, viele Passanten lassen sich das Schauspiel nicht entgehen.

80 $ vom gerade geholten Bargeld investiere ich sofort wieder in einen Nationalpark-Pass, der ein Jahr lang gültig ist und Eintritt in alle amerikanischen Nationalparks ermöglicht. Gut ein halbes Dutzend Nationalparks möchte ich mir ansehen – der Pass sollte sich locker lohnen, zumal er für ein Fahrzeug mit bis zu drei Insassen gilt.

Apropos Fahrzeug. Amerika ist ja bekannt für seine großen Autos und Pick-up-Trucks, aber hier oben sieht selbst ein Hummer H3 klein aus. Kaum ein Auto scheint weniger als fünf Liter Hubraum zu haben; „6,6 Liter“ prangt an der Seite eines gewaltigen Pick-ups, auf dessen Ladefläche ein Smart parken könnte. Der Hubraum multipliziert mit fünf dürfte den Verbrauch ergeben.

Verbrauchen werde ich in den nächsten Tagen höchstens Bier, denn das Motorrad lässt noch etwas auf sich warten – der deutsche Zoll hatte noch irgendwas zu meckern, die Spedition kümmert sich drum. Vielleicht gibt’s morgen schon gute Nachrichten, ansonsten werde ich mir Anchorage noch ein paar Tage länger anschauen. Und das ist bei diesem Wetter in dieser Stadt sicher nicht das schlechteste.

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