Panamericana 2012: Unterwegs von Alaska nach Feuerland Unterwegs

Ich wache kurz vor 10 im Hostel auf, greife zum Laptop, um den Status der Fracht zu checken und kann es kaum glauben: Die Kiste soll seit 2 Stunden hier in Anchorage sein! Schnell anziehen, Taxi rufen, raus zum Flughafen – zu FedEx.

Foto: Heerwagen

Ich melde mich bei Lisa, die für mich zuständig ist. Sie kassiert zehn Dollar, eine Unterschrift und bringt mich dann zur Kiste, in der das Bike steckt. Erstaunlich, sie sieht genauso aus, wie ich es sie abgegeben habe – keine Schäden, alles Bestens. Lisa schwingt sich auf einen Stapler, nimmt die Box auf die Gabeln und fährt aus der Halle, im Regen trotte ich neben ihr her. Ein paar hundert Meter weiter verlassen wir das FedEx-Gelände und gelangen auf den Mitarbeiter-Parkplatz. Als sie Anstalten macht, die Kiste in einer entlegenen Ecke abzustellen, frage ich, ob ich das Motorrad hier draußen im strömenden Regen zusammenbauen muss. Ihr könnt euch die Antwort denken….

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Foto: Heerwagen

In weniger als 45 Minuten habe ich die Kiste auseinander gebaut und Scheibe, Spiegel, Lenker und Seitenverkleidungen montiert. Aber wie kriege ich bloß das Vorderrad rein? In Deutschland hatte ich damit gerechnet, in der Halle ein paar starke Männer zu finden, die kurz die Front anheben würden. Aber hier draußen? Es nützt nichts, ich muss nochmal rein, Lisa mit dem Stapler holen. In einer abenteuerlichen Aktion (von der es zum Glück keine Fotos gibt…) heben wir mit Hilfe eines einzelnen dünnen Spanngurtes die Front hoch, ich setze das Rad ein und irgendwie hieven wir das Motorrad bei der Gelegenheit auch gleich aus dem Gestell – Lisa schaut nicht glücklich, macht aber, was ich sage. Zum Glück nimmt sie gleich das Gestell, die Pappe und die Folie mit. Ich hatte schon Angst, dass ich mich selbst um die Entsorgung kümmern muss.

Ich drehe den Zündschlüssel, drücke den Starterknopf und mit Erwachen des Twins verschwinden all die Sorgen der letzten Tage. Vergessen der Ärger über die Zollämter in Stuttgart und Düsseldorf, die das Motorrad mit den vorhandenen Dokumenten nicht abfertigen wollten, was schließlich das Zollamt in Neuss erledigt hat. Vergessen der Ärger über FedEx, die das Motorrad einfach tagelang in Frankfurt haben stehenlassen. Alles egal.

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Foto: Heerwagen

Schnell zur Tankstelle, zurück zum Hostel, das ganze Zeug aufladen. Irgendwie ist es doch recht viel Gepäck, dabei habe ich doch nur das nötigste mitgenommen! Mit der Zeit werde ich sicher einiges aussortieren.

Raus aus Anchorage, wo ich sieben Tage lang festgesessen habe. Die Temperaturanzeige im Cockpit meldet 12 Grad Celsius, es regnet noch immer – und dennoch hat Motorrad fahren bislang nie mehr Spaß gemacht als in diesem Moment. Ich verlasse Anchorage Richtung Norden, will es noch bis zum Denali Nationalpark schaffen. Rund 360 Kilometer sind es bis dort. Die Temperatur sinkt stetig, als ich ankomme sind es noch acht Grad, stellenweise hat es aufgehört zu regnen.

Am Eingang des Nationalparks bezahle ich den Campingplatz und werde eindringlich gewarnt, keine Lebensmittel draußen oder im Zelt zu lagern. Die Metallboxen am Motorrad wären okay, die seien sicher… Ich schlage den Bären allerdings ein Schnippchen und esse einfach alles selber auf. Ha! So gibt es am Abend also Pringles, einen Snickers, eine Dose Thunfisch (obwohl ich mir sicher bin, dass die Viecher den nicht gerochen hätten) und zwei Bananen – ich ernähre mich durchaus abwechslungsreich. Die vielen Spanngurte, mit denen das Bike in der Kiste verzurrt war, nehmen einiges an Platz weg. Zwei Gurte zurre ich um den Gepäckträger, drei verschenke ich  an ein älteres Ehepaar mit Wohnmobil und Anhänger, sie haben dafür bestimmt Verwendung. Ziemlich fertig falle ich ins Bett bzw. den Schlafsack.

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