Panamericana 2012: Unterwegs von Alaska nach Feuerland XT660Z rettet XT1200Z

Diese Überschrift hatte ich im Kopf, als ich überlegte, wie Wing mich abschleppen könnte. Das kam so...

Foto: Heerwagen

Gegen 9.30 Uhr bin ich losgefahren und habe wie immer an der nächsten Tanke aufgefüllt. Gute Straßen, wenig Verkehr und kaum Aussicht auf Cops haben es mich etwas zügiger angehen lassen. Mit rund 120 Sachen (also gar nicht so schnell) ging es recht lange weiter, bis zum Schild, das die nächste Tankstelle in 160 Kilometern ankündigte. Grob überschlagen, noch drei Striche auf der Anzeige – passt. Der Teufel ist ein Eichhörnchen und der dritte Strich verschwindet bald nachdem ich die Tanke passiert habe. Ich lasse es langsamer angehen, wird schon klappen. Kurz danach bin ich mir doch nicht mehr sicher.

Ich fahre deutlich langsamer, als plötzlich im Spiegel eine Yamaha XT660Z auftaucht! Quasi der kleine Bruder meiner XT1200Z, und auch die kleine XT gibt’s hier nicht zu kaufen. Ich halte an und Weng, ein 33 Jahre alter Belgier, bestaunt mein Motorrad. Er hat zwar keinen Reservekanister dabei, wir fahren aber zusammen weiter. Er sagt: „Im Notfall kann ich vorfahren und mit einem Kanister wiederkommen.“ Ich sage: „Jaja, genauso machen wir das.“ Ich denke: „Im Notfall werde ich meine zwei langen Spanngurte zusammenknoten,  bei mir um die untere Gabelbrücke und bei dir um den Gepäckträger schlingen und mich von dir abschleppen lassen!“

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Foto: Heerwagen

Wir zuckeln also weiter, meine Reserve blinkt seit 40 Kilometern. 50. 60. 70 hatte ich schon mal. 80, verdammt, jetzt wird’s aber ganz knapp. Mit weniger als einem Liter Sprit im Tank rolle ich kurz darauf an die Zapfsäule, bereits bei Erreichen des Ortseingangsschildes heben Wing und ich jubelnd den Arm – geschafft! Wie den ganzen Tag regnet es noch immer bei kühlen zehn Grad, keiner von uns hat Bock zu zelten. Also teilen wir uns ein Hotel-Zimmer (100 Mäuse, ohne Frühstück), waschen bei der Gelegenheit mal wieder Wäsche und nutzen das langsamste Internet Nordamerikas. That’s it, die Überschrift lasse ich trotzdem stehen.

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Foto: Heerwagen

Die Lottozahlen des Tages:

550 ungefähr gefahrene Kilometer

400 Kilometer mit einer Tankfüllung

135 km/h fuhr der LKW vor mir…

94 Kilometer auf Reserve

24 Dollar fürs Abendessen

21,8 Liter Sprit in Stewart getankt

5 Dollar für zwei Dosen Bier

3 Elche

2 Bären

1 Gletscher

½  totes irgendwas auf der Straße

Hier noch ein Bild aus der Nähe von Hyder;

Der Ort liegt in Alaska, unmittelbar hinter der kanadischen Grenze.

Zeitreise zwei Tage zurück.

Für 16 Dollar übernachte ich auf einem sehr schönen Campingplatz, direkt am See, Blick auf die Berge.

Foto: Heerwagen

In Watson Lake steht der berühmte “Signpost-forest”, in dem derzeit mehr als 71.000! Schilder, Plaketten, Holzbrettchen und Sticker aus aller Welt bestaunt werden können. Urlauber bringen die Schilder mit und befestigen sie an einem Pfahl – wenn denn noch Platz ist. An den mehrere Meter hohen Pfosten hängen erstaunlich viele Schilder aus Deutschland. Mainz, Erfurt, Storkow, Magdeburg, sogar Suhl und natürlich auch Stuttgart. Ich erfülle meine “Pflicht” und verewige MOTORRAD mit zwei Stickern.

Foto: Heerwagen

Einen pappe ich auf das Stuttgart-Schild, den anderen in einen Zwischenraum auf einem Pfeiler. Am Eingang des “Waldes” treffe ich Robert wieder, ich habe ihn bereits in Dawson kennengelernt. Sein Hinterreifen ist völlig abgefahren und nun wartet er auf den Bus, der ihm einen neuen Reifen bringt – er hatte ihn in der nächsten Stadt bestellt. Die ist aber 500 Kilometer weit weg und er hat noch weitere 1000 Kilometer vor sich, um nach Hause zu kommen. Wie ich fährt auch er den Conti TKC80, und mit knapp unter 6000 Kilometern – bestimmt 2000 davon auf Schotterpisten, der Rest auf rauem Asphalt – ist der Reifen fertig.

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