Panamericana 2012: Unterwegs von Alaska nach Feuerland Frühstück auf dem Salzsee

Die Straßen sind leer, genauso wie die Landschaft rundherum. Verdorrt, kaum Grün, lediglich hin und wieder flache Büsche. Utah unterscheidet sich deutlich von Montana oder Wyoming – es ist flacher, weniger grün und bewachsen, und deutlich wärmer.

Foto: Heerwagen

„Etwa zwei Stunden brauchst du bis dahin“, sagt der Mitarbeiter des Campingplatzes, als ich ihn frage, wie lange ich zum Bonneville Salzsee brauche. Ich habe eher zufällig auf der Karte gesehen, dass er gar nicht so weit von Salt Lake City bzw. Provo entfernt liegt. Schon 6.30 Uhr sitze ich auf dem Motorrad, heute geht es schnell, denn ich muss nichts abbauen – ich bleibe noch eine weitere Nacht hier. Um diese Zeit ist es noch angenehm kühl, ich will möglichst vor der Mittagshitze wieder vom Salzsee verschwunden sein. Schon eine Stunde später zeigt das Thermometer 25 Grad, dann 28.

Ich fahre zügig, erreiche dennoch erst nach anderthalb Stunden den Highway Richtung Westen. Jetzt geht’s nochmal 160 Kilometer geradeaus. In zwei Stunden schafft man die gesamte Strecke niemals. Bei Tempo 130 ist der Fahrtwind erträglich, die Jacke bleibt offen. Nach einer Weile tauchen unmittelbar rechts und links neben der Fahrbahn die ersten Salzbecken auf. Hin und wieder enden tiefe Reifenspuren nach etwa zehn Metern im Schlamm. Da ist wohl jemand eingeschlafen oder hat sonst irgendwie nicht aufgepasst. Der Schlamm ist feucht, in manchen Becken steht flaches Wasser – hier fährt man besser nicht rein.

Dann endlich ein Schild: Links abbiegen zum Bonneville Speedway. Ein paar Kilometer führt eine schmale Straße schnurgeradeaus und endet plötzlich mit einem Wendehammer. Dahinter: Eine weiße, ebene Fläche – der Salzsee. Es ist halb zehn Morgens und außer mir steht nur noch ein Auto da, ein älteres Ehepaar macht Fotos. „Sieht verlockend aus, oder?“, ruft der Alte zu mir rüber. Allerdings! Ich hatte ja gedacht, hier ist alles voll mit Renn-Freaks, heißen Öfen und dergleichen – leider Fehlanzeige. Vielleicht an den Wochenenden.

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Foto: Heerwagen

Gleich am Anfang der Piste stehen ein paar Pfützen auf dem Salz, besonders vertrauenserweckend sieht das nicht aus. Ich gehe zu Fuß vor, doch, das passt schon. Zunächst fahre ich etwa einen Kilometer weit raus, halte an und mache Fotos. Die Sonne steht steil am Himmel, brennt erbarmungslos herab – das Sonnenvisier vom Helm reicht nicht mehr, ich setze zusätzlich meine Sonnenbrille auf. So geht’s.

Das Stativ aufbauen, Fernauslöser ranbasteln, und dann fahre ich immer im Kreis um das Stativ herum. Nah dran, etwas weiter weg, drauf zu fahren, davon weg fahren, von rechts nach links und umgekehrt. Das Bewegungsprofil auf dem Navi spricht Bände.

Eigentlich ist schon fast Mittagszeit, ich hatte kein Frühstück und muss dringend was essen. Mitten auf dem geschichtsträchtigen Bonneville Speedway – ein tolles Gefühl!

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Foto: Heerwagen

Schon 1896 erkannte W.D. Rishel das Potential des Salzsees für Rennen und bereits 1914 fuhr Teddy Tetzlaff mit seinem „Blitzen Benz“ 141 Meilen pro Stunde – Wahnsinn in einer Zeit, als fast jedermann noch mit Pferdewagen unterwegs war. In den 60er-Jahren kamen die ersten Raketenfahrzeuge und fuhren hier schneller als 500 bzw. 600 Meilen pro Stunde! Wo der aktuelle Geschwindigkeitsrekord auf dem See liegt, weiß ich leider nicht.

Die etwa 30 Meter breite und 10 Meilen lange Strecke wird im Frühsommer einmal präpariert und steht dann jedem offen. Rennen finden den ganzen Sommer über statt und enden im Herbst, wenn Regen die Strecke weich und unbefahrbar macht. Ein Schild warnt sogar jetzt vor dem weichen Untergrund, und tatsächlich steht an manchen Stellen noch (oder schon wieder) etwas Wasser.

Gut, jetzt wo ich schon mal hier bin… Ich ziehe trotz der Hitze meine Jacke an, klicke die GoPro an den Helm und fahre einmal ein paar Kilometer die Strecke ab. Weiter hinten ist es relativ eben, hier kann man richtig Gas geben. Das Problem: Zweimal wird die Strecke von weichen Querrinnen durchzogen, mit Vollgas durch? Unmöglich. Nur zum Spaß drehe ich kurz auf; wie schnell die XT rennt, habe ich schon in Deutschland ausprobiert. Außerdem sind die Koffer dran und die Offroad-Reifen verbieten hohe Geschwindigkeiten von sich aus. Das Gefühl für das Tempo geht tatsächlich verloren, wenn ein paar hundert Meter rechts und links neben dir absolut gar nichts ist, und erst irgendwo am Horizont ein Gebirge das Ende der Strecke markiert. Ich weiß nur nicht mehr genau, welchen Kurs ich halte – wo genau es hier geradeaus geht. Im Fernsehen habe ich mal gesehen, dass bei richtigen Rennen die Piste mit schwarzer Farbe rechts und links markiert bzw. begrenzt wird. Das macht die Sache deutlich einfacher. Ich fahre ein paar Mal auf und ab, klemme die Kamera ans Heck, halte sie in der Hand, montiere sie neben die Scheibe.

Foto: Heerwagen

Als ich sie an den Motorschutz klemme und nach ein paar hundert Metern wieder abnehme, ist das Gehäuse mit nassem Salz überzogen. Wie übrigens das ganze Motorrad…  Schwinge, Motor, Gabel, Auspuff – alles was nicht mindestens 70 Zentimeter hoch liegt, ist komplett eingesalzen. Das muss schnellstens wieder runter, und zwar gründlich!

Foto: Heerwagen

Mittlerweile ist es verdammt heiß hier, Zeit, zurück zu fahren. In einem kleinen Ort fahre ich zur Waschanlage, nehme die Koffer ab und brauche bestimmt zehn Minuten mit dem Hochdruckreiniger, um das Salz ordentlich abzuspülen. Stiefel, Hose und Koffer gleich mit.

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