Piemont und Hautes-Alpes mit Yamaha Tricker (3)

Foto: Schulz
Die neben uns in Stellung gegangene BMW-Gore-Tex-Combo knallt souverän die Klapphelme zu und donnert ins Gewitter. Kein Weg für uns. Es muss eine Alternative geben. Fieberhaft scannen wir Landkarten und Umfeld ab. Da! Da unten, vielleicht 200 Meter senkrecht zu unseren Füßen, eine fadendünne Piste. Mit etwas Glück mündet sie auf die D 64, im ungünstigeren Fall landen wir irgendwo in der Provence. Egal, den Mutigen gehört die Welt. Wir finden den Einstieg – und einen Heidenspaß daran, dem Prior der Alpen per Notausgang legal zu entwischen. Ein paar Kehren, ein paar Kilometer Staub, dann die fast lautlose Landung zwischen farbenprächtigen Wäldern, Wiesen und Wasserfällen inmitten des Nationalparks Mercantour.

Es wird Abend, bis wir am Col de la Lombarde zum Rückflug nach Italien einsteigen. Überbreite Kehren katapultieren uns in die hoch gelegenen Abgründe der Ski-Retorte Isola 2000. Von Bulldozern umgekrempelte Berge, reißende Gewässer – braun und schwarz von mitgeschwemmtem Erdreich. Endzeit. Dahinter der klitzekleine Anstieg zum Col, und auf italienischer Seite erst mal wieder Idyll. Stunden scheinen wir von 2351 Metern ins Valle Stura hinabzusegeln. Demonte fängt uns schließlich bei 780 Metern auf. Eine ehemals hübsche Kleinstadt mit alten Arkadengängen, unter denen die Männer in der Bar sitzen und die Frauen auf der anderen Straßenseite, strickend, vor der Bonboniere. Nach einem Bier bei „Herren“ quartieren wir uns im Hotel „Moderna“ ein. Zustand und Kosten egal, Hauptsache heiße Dusche und Seife.
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Foto: Johann
Morgens brandet der Verkehr, mächtige Lkw bahnen sich den Weg durch die eng stehenden Häuser. Schicksal der Anrainerschaft am provinzweit einzigen schwerlasttauglichen Übergang nach Frankreich. In vollem Kontrast dazu die fast parallel verlaufende Traumstrecke durchs Vallone dell’Arma, die in eine Art Hochkessel zwischen Stura- und Mairatal führt, aus dem sich schroffe, stark erodierte Bergspitzen erheben. Monte Omo, Rocca la Meia, Becco Grande, 2615, 2831 und 2775 Meter über null. Zusammen mit ein paar Rennradlern klettern wir hinauf. Rund herum eigenwillige Kargheit, kaum ein Strauch, der hier noch leben könnte. Aber jede Menge Erholung suchende Italiener, die hier oben Wochenende feiern. Campingtische und ein paar Zelte unweit der Wege, auf denen sich Mountainbiker, ein paar Motorrad- und versprengte Autofahrer vergnügen. Die Spielregeln sind klar: keine Fahrzeuge auf Wanderwegen! Kein Herumgebolze, kein Krawall.

Wir probieren ein paar Wege und finden schließlich eine teerschwarze Piste runter nach Acceglio – ebenfalls in Wochenendstimmung. Schade, dass der charmante Dorfladen zu ist. Heute gingen bestimmt auch Barbiepuppen.

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