Provinz Luberon Ricard on the rocks

Tief unten im französischen Süden lockt die kleine Provinz Luberon. Daß man dort nicht nur phantastisch Motorradfahren, sondern auch klettern kann, entdeckten zwei deutsche Big Bike-Pilotinnnen.

Sie ist unverwechselbar provenzalisch, diese karge Landschaft mit den hohen Zypressen in den weiten Ebenen, von hügeligen Gebirgsketten umsäumt. Dunkel zeichnen sich die spitzen Silhouetten vor dem tiefblauen Himmel ab. Sie stehen niemals in legerer Gruppengemeinschaft - zum Beispiel in einem kleinen Wald wie andere Bäume auch - nein, Zypressen sind geradezu starrsinnig individualistisch. Allenfalls wird noch eine Alleen-Aufreihung akzeptiert, aber das ist dann auch das Äußerste. «600 Francs pro Nacht und Person«, unterbricht Ruth meine Landschaftsbetrachtung und setzt entnervt ihren Helm wieder auf. Ich habe meinen erst gar nicht abgenommen. Es sah zu unrealistisch aus. Ein schneeweißes Haus am Ende einer Allee mit einem neben einem Parkplatz voller Nobelkarossen kann einfach kein erschwingliches Quartier für uns sein. »Aber es war noch was frei.« Das ist das Problem. Müde halten wir Kriegsrat. Es gibt hier in den kleinen Städtchen im Luberon anscheinend nur teure und freie Betten. Die nicht ganz so teuren sind bereits belegt. Die Kombination preiswert und frei gibt es zwar auch. Allerdings sind diese Hotels geschlossen. Es ist keine Reisesaison. Wir sind ratlos und von der langen Fahrt eigentlich zu müde für strapaziöse Zimmersuche. Aber 600 Francs für eine Nacht, runde 200 Mark, sprengen unsere Reisekasse. Den ganzen sonnigen Tag über sind wir abseits der Rhonetal-Autobahn auf kurvigen, kaum befahrenen Landstraßen genußvoll unserem Ziel, dem Luberon, einem kleinen Gebirge östlich von Avignon, entgegengetrödelt. Jetzt sind wir endlich da - und die Provence gibt sich so zugeknöpft. Also weitersuchen, beschließen wir und rauschen durch die inzwischen pechschwarze Nacht. Aber immer wieder treffen wir nur auf Häuser mit zugeklappten Rolläden oder bedauernd abwinkenden Bewohnern. In Cavaillon, dem »Tor zum Luberon«, sieht es endlich besser aus. Auf unser beharrliches Klingeln hin an einem stockdunklen Haus mit der schon etwas verblaßten Aufschrift »Hotel Fabien«, geht das Licht im Hausflur an, und geraume Zeit später öffnet sich die Tür einen Spaltbreit. Braune, freundliche Knopfaugen mustern uns. Oui, es sei noch was frei. 130 Francs koste das Zimmer. Perfekt. Die Motorräder sollen wir um die Ecke in einer dunklen Einfahrt parken, bedeutet uns der nun gänzlich aus seinem Haus tretende Wirt. Wir können es noch gar nicht glauben. Wir sind endlich angekommen.Es ist Montag morgen und Markttag in Cavaillon. Bunte Stände verstopfen die Straßen, an einen Aufbruch ist noch nicht zu denken. Verführerische Düfte lassen uns die Weiterfahrt ohnehin erstmal vergessen und locken uns an die Stände: Der Geruch von Oregano, Thymian, einem Fischgewürz mit Anis und getrocknetem Fenchel steigt uns in die Nase. Nur an einem langen Tisch riecht es anders. Olivgrüne Würfel sind dort zu Pyramiden gestapelt. Das sei kein Gewürz, sondern »Savon de Marseille«, belehrt ein Pappschild. Seife aus Oliven, verdeutlicht der quirlige Mann hinter dem Tisch mit lautmalenden Gesten. Zurück in unserem Hotel wird aus dem Aufbruch wieder nichts. Fabien hat Gäste zum Mittagessen und bittet uns dazu. Eine fünfköpfige Männerrunde, die schon seit Jahren zu ihm komme, wie er erklärt. Auf den dunkelbraunen, mit Kreppapier belegten Holztischen wird essigsaurer Fisch serviert, danach Linsen mit Schweinefleisch, Salat, Baguette und zum Nachtisch wahlweise Käse oder Weintrauben. Dazu Rotwein. Ich vermute allmählich, daß Motorradfahren heute ganz ausfällt. Die Männerrunde schwärmt währenddessen vom traditionellen Trüffelessen im Winter in Apt, keine dreißig Kilometer von hier entfernt. »Schmeckt wie Schwein«, wirft einer der Männer ein. »Die Chinesen kommen, und die Amerikaner ...« »Jaja, um den Unterschied zwischen McDonalds und den Trüffeln zu finden.« Alles lacht. Daniel, der Grauhaarige mit dem dichten Schnurrbart, beugt sich aufmerksamkeitsheischend zu uns herüber: »Neulich war sogar das Fernsehen da, das japanische. Die zeigen ihren Leuten unsere Eßkultur. Wir essen alles, was hier so wächst.« Beim Dessert schwenkt die Unterhaltung vom Fernsehen zu den ehemaligen Berühmtheiten über. So soll der Schriftsteller Alexander Dumas vom Geschmack einer süßen Melone aus Cavaillon so entzückt gewesen sein, daß er der Stadt einige Manuskripte geschenkt habe. Irgendwann ist es genug des süßen Ruhms, und wir sind froh, der Tischrunde zu entkommen. Wir fahren also doch noch. Kaum gestartet, verlassen wir strenggenommen den Luberon allerdings schon wieder. Denn als wir südlich die träge dahinplätschernden Fluten der Durance in Richtung Eygalieres überqueren, empfängt uns bereits die Nachbarregion Alpilles. Schroff, einsam und schön ragen karge Felswände vor uns auf. Der Nachmittag ist angenehm sonnig, und noch herrscht frühlingshafte Milde, die Gegend ist still und menschenleer. Entsprechend erschrecke ich zu Tode, als ich im Gestrüpp einen Mann mit einer Flinte kauern sehe. Gleich darauf kommen uns zwei weitere Männer mit Gewehren auf der Straße entgegen. Sie stoppen uns, legen den Finger an die Lippen. Ich stelle den Motor ab. Die beiden Männer nicken bedeutungsvoll in die Gegend vor uns. Ich kann nichts Besonderes erkennen. Es sei Jagdzeit, wird uns im durchdringenden Flüsterton erklärt, und man sei gerade auf der Pirsch. Nach Feldhühnern, Fasanen, Schnepfen, Kaninchen, Hasen, Wildschweinen. Offenbar wird auf alles angelegt, was aufflattert oder wegrennt. Ich beginne mich schutzlos zu fühlen auf meiner Yamaha. Wir müssen ohnehin umkehren, der Weg nach Mouriers, wo wir ein paar alten Olivenmühlen einen Besuch abstatten wollen, verlaufe ganz anders, erklären uns die Jäger. Wir finden die Mühlen dann zwar, aber sie sind nicht in Betrieb. Die ältere Frau, die gerade aus ihrem roten Renault gestiegen ist, zuckt bedauernd mit den Schultern. Wir sollen zur Erntezeit im Spätherbst wiederkommen.Auf dem Rückweg treffen wir ein junges Pärchen. Die beiden sitzen in der Wildnis, rauchen und schauen ins Gebirge. Vor ihnen stehen zwei liebevoll restaurierte Zweiräder, eines davon ist eine Peugeot von 1952. Das Mädchen mit dem wasserstoffblonden, frechen Kurzhaarschopf erzählt von einem Harley-Treffen in Cavaillon Ende August, wo die absolute Sause abgehen soll. Wir setzen uns dazu, radebrechen ein wenig miteinander, übersetzen mit lautmalenden Gesten. Es macht Spaß. Doch der Tag neigt sich dem Ende zu und wenn wir noch im Hellen zurück sein wollen, müssen wir jetzt aufbrechen.Angesichts der schwierigen Zimmersituation haben wir beschlossen, das nette Hotel Fabien als festen Standort zu nutzen und von dort aus zu Tagestouren in den Luberon zu starten. Das Gebirge besteht aus zwei Teilen. Im Westen aus dem Petit Luberon mit den malerischen Bergdörfern Oppede-le-Vieux, Menerbes, Lacoste und Bonnieux und den zauberhaften Städtchen Gordes und Roussillon. Jenseits der Schlucht bei Lourmarin beginnt der andere Teil, der höhere Grand Luberon. Er reizt uns am meisten. Bis kurz vor Apt fahren wir auf der breiten Rue National N 100 gen Osten und biegen dann rechts auf die D 943 in Richtung Cadenet nach Süden ab. Herrlich schlängelt sich die von Zedern gesäumte schmale Straße in unzähligen Kurven über die Berggipfel. Der Grand Luberon selbst ist ein Naturschutzpark und praktisch straßenfrei. Nur Wanderwege führen hindurch. Über die kleine D 113 fahren wir bis Buoux, den letzten per Achse erreichbaren Punkt. Die Gegend wird immer rauher, fast schon unwirtlich. Am Ende der Straße lassen wir die Yamaha auf einem Parkplatz stehen, tauschen die Motorradklamotten gegen leichtere Kleidung und machen uns auf den Weg. Bald darauf begegnen wir etlichen mit Seilen bepackten Leuten. Wir sind neugierig. Stephane und Christophe heißen die beiden Männer, die wir schließlich ansprechen. Mit einem knappen Kopfnicken lenkt der eine von ihnen unseren Blick auf die steilen Felswände zur Linken. Tatsächlich, bei genauerem Hinsehen erwacht der Berg zum Leben. Kleine, bunte Tupfer bewegen sich wie Ameisen im Schneckentempo an der Felswand. Da, eine Ameise schnellt wie ein Jojo auf und nieder. Ja natürlich, das sind Kletterer. Ob wir mitkommen wollen, fragen die beiden. Aber klar. Schließlich haben wir Urlaub. Bisher sind wir es gewohnt, Strecken nur in horizontaler Weise zu bewältigen. Den Kopf im Nacken, betrachten wir den hohen Felsen, der sich senkrecht und schier unendlich gen Himmel zu recken scheint. Mann oh Mann, da rauf? Wir hocken bereits auf einem Felsvorsprung in Baumwipfelhöhe. Von nahem betrachtet, erweist sich der Felsen eher als ein Schweizer Käse. Überall sind Löcher im beigefarbenen Kalksandstein, und weiße Magnesiumspuren von früheren Kletterhänden schimmern an der Wand.Ich zwänge meine armen Füße in die verflucht engen Kletterschuhe. Die müssen so eng sein, damit man das direkte Gefühl zum Fels in den Zehen kriegt, versichert mir Ruth. Stephane und Christophe leihen uns für unseren Erstversuch ihre Ausrüstung: Schuhe, Seil, Gurt. Ruth wird mich sichern. Stephane drückt mir Magnesium in die Hand. Es soll das Abrutschen der Finger verhindern. Es wird ernst. Ich witzele: »Ich muß noch mein Testament machen.« Stephane witzelt zurück: »Gut, ich nehm` dein Motorrad.« Und dann hänge ich in der Wand. Meine Hände werden zu Krallen, die Finger bohren sich in den warmen Kalksandstein. Meine Fußballen und Zehen signalisieren nur punktförmigen Kontakt zum Felsen. Lange kann ich so nicht verharren. Also weiter. Mit der rechten Hand suche ich die Felswand nach einem noch so kleinen, greifbaren und erreichbaren Vorsprung ab, versuche die Balance zu halten. Und bloß nicht nach unten schauen, immer nur nach oben, hämmere ich mir ein. Leichtes Muskelzittern stellt sich ein. Ich fühle mich sehr allein.«Mehr nach oben links«, tönt es hilfreich von unten. Der Tip ist gut. Kraftvoll stoße ich mich mit den Beinen ab. Das Strecken ist eine Wohltat. Und schon hat der Ehrgeiz mich gepackt: Ich will da rauf. Ein paarmal schaffe ich es noch, diesen Wechsel von Anklammern und Loslassen und ich bewältige noch ein ordentliches Stück Strecke. Doch kurz vor dem ersten Ausstiegspunkt läßt die Kondition nach. Die Muskeln schmerzen von den ungewohnten Bewegungen, das Zittern wird zu stark.«Ich kann nicht mehr. Hältst du mich, Ruth?« rufe ich runter. Sie signalisiert okay, und ich lasse mich fallen. Scharf schneidet der Gurt ein. Aber Ruth hält mich. Langsam baumele ich herab und werde mit großem Trara empfangen. »Das war schon ganz ordentlich. Immerhin ist das 6 b+«, meint einer der neu Hinzugekommenen fachmännisch. 6 b+ bezeichnet den Schwierigkeitsgrad einer Route. Offensichtlich nix für Anfänger. Eine belgische Klettergruppe hat sich zu uns gesellt, und eine junge Frau erzählt von der Faszination des Bergkletterns: »Wenn man gut drauf ist und den Berg beherrscht, dann ist das Klettern wie ein Tanz entlang der Wand.« Und hier ganz besonders, eine schönere Klettergegend gebe es in ganz Frankreich nicht. Aber: Ein bißchen Erfahrung und Kondition müsse man mitbringen, um Spaß an den anspruchsvollen Wänden zu haben. Stimmt.«Motorradfahren ist gefährlicher als Klettern«, meint prompt einer der Belgier in der Runde. Wie könnte es anders sein... Der Protest folgt allerdings auf dem Fuße. In glühenden Farben ergehen sich die Kletterer sogleich in den Gefahren ihres Sports. Den einen habe in der Nähe des Mont Blanc mal ein Steinschlag den Helm zertrümmert. Er hing halb bewußtlos im Seil, und ein Helikopter mußte ihn retten. Wir sind sehr beeindruckt.Fürs erste haben wir genug und fahren zurück in den Petit Luberon. In einem Schlenker über die winzige D 109 geht es durch die Bergdörfer Bonnieux, Lacoste und Menerbes. Malerischen schmiegen sich die Orte terrassenartig um die Berge. Die grauen Häuser wirken irgendwie schief und wie schutzsuchend an ihren Berg geklammert. Während der Religionskriege und Pestepidemien boten die Orte durch ihren festungsähnlichen Charakter früher tatsächlich Schutz vor Eindringlingen. Laut dröhnt der große Vierzylinder zwischen den hohen Wänden der »Calades«, wie die Provenzalen die engen Pflastersträßchen nennen. Von Lacoste, wo übrigens einst der berühmte Marquis de Sade in der nun öden Burgruine ausschweifende Orgien gefeiert haben soll, fällt der Blick über die Ebene und die anschließenden Ockerbrüche von Roussillon im Norden auf die leuchtend weiße, baumlose Kuppe des 1909 Meter hohen Mont Ventoux. Was auf die Entfernung wie ewiges Eis aussieht, ist in Wahrheit nur der blendend weiße Kalk der Bergspitze.Es ist bereits dunkel, als wir quer durch die Ebene die kurze Strecke hinüber nach Gordes fahren. Auch dieses Städtchen klebt am Berg, gekrönt von einem mächtigen Schloß und von Straßenlaternen, die wie kleine, gelbe Lampions zwischen den alten rechteckigen Gemäuern hängen, sanft illuminiert. Hinter dem Berg zittert plötzlich das weiße Licht eines Wetterleuchtens den Himmel entlang. Gebannt starren wir auf die geheimnisvolle Stadt. Begleitet von der surrealen Musik der zirpenden Zikaden, wird alles immer wieder in seltenes, unwirkliches Licht getaucht. Eine faszinierende Szene, von der uns schließlich erst der einsetzende Regen vertreibt und in unser Hotel zurückscheucht. Am nächsten Morgen liegt Gordes friedlich in der Sonne. Ein gemächliches Leben hat sich breitgemacht. Die wenigen Touristen im Ort drängen zum Schloß, in dem die farbenkräftigen Bilder des Künstlers Victor Vasarely ausgestellt sind. Wir bevorzugen eher architektonische Kunst und fahren in das nur wenige Kilometer entfernte Museumsdorf der Bories. Jahrhundertealte Steinhütten in der Form von Bienenkörben, die als Unterstände für Schäfer und ihre Herden oder als bescheidene Behausungen dienten, sind hier zu sehen. Unbearbeitete, weißgraue Flachsteine, die ohne jeden Mörtel zu stabilen Kuppelbauten aufgeschichtet worden sind. Die unbekannten Baumeister haben mit dieser Bauweise anscheinend eine Konstruktion für die Ewigkeit ersonnen.Kaum wieder auf der Straße, leuchten uns in leidenschaftlicher Farbintensität die orangen Ockerfelsen von Roussillon entgegen. Bereits die Römer brachen hier den orangen Stein, schafften ihn auf Eseln nach Marseille und exportierten ihn von dort in alle Teile des Reichs. Bis zur Erfindung von synthetischen Pigmenten war Ocker ein wichtiger Rohstoff in der Farb- und Textilindustrie und bis in die 40er Jahre eine wichtige Erwebsquelle für die Einwohner von Roussillon. Heute überläßt man die beeindruckenden Krater der Abbaugruben den wildwachsenden Pinien und den Touristenhorden.Gar nicht zur Freude von Helene, der resoluten, weißhaarigen Besitzerin eines Lebensmittelladens unweit der Ockerfelsen. Am schlimmsten seien »die Auguster«, die August-Touristen, die wirklich übel drauf sein müssen. »Von Gordes nehmen sie die Steine mit und von hier die rote Erde, notre terre!« Um sie dann in Paris oder Lyon in den Abfalleimer zu schmeißen, wie die patriotische Roussillionaise zutiefst empört vermutet. Die Kletterer sind die einzigen Touristen, die Helene mag. »Ja, die respektieren die Natur, die leben mit ihr.« Wir machen eine Spritztour nach Aix-en-Provence. Nur knapp siebzig Kilometer gen Süden, und wir befinden uns in einer lärmenden, staubigen und stinkenden Stadt. Nach einer Alibi-Runde flüchten wir wieder. Apt, das wir auf dem Rückweg über Pertuis und durch die Schlucht von Lourmarin erreichen, stillt die Bedürfnisse nach urbanem Leben besser. Diese geschäftige Stadt mit ihren einladenden Straßencafés und geschmackvollen Schaufensterauslagen bietet eine angenehme Mischung aus Betriebsamkeit und Beschaulichkeit. Nach einer Kaffeepause geht es über die breite N 100 in Richtung Cereste und nach einem Abzweig auf die D 907. Eine genußvolle, einsame Fahrt auf den Höhen des Luberon mit herrlichen, weiten Ausblicken beschließt den Tag. Der letzte Abend unserer Reise ist der Weltliteratur gewidmet. In Roussillon schrieb der jüdische Dichter Samuel Beckett während seines Exils von 1943 bis 1946 das berühmte Theaterstück »Warten auf Godot«. Dreimal in der Woche stapfte der große, schlaksige Mann in diesen Notzeiten über die Felder zum Weingut Bonnelly, um sich dort zwei Flaschen Wein, manchmal auch Äpfel und Kartoffeln, immer aber frisches Gras für seine Hasen zu holen. Der damals zwölfjährige Aime Bonnelly erinnert sich noch daran, wie er uns bei einem Glas Wein erzählt. Stolz funkeln seine Augen, als er das französische Exemplar »En attendant Godot« hervorzieht. »Hier steht Bonnelly.« Ein Blick ins Büchlein bestätigt es uns. Beckett hat tatsächlich eine Figur Bonnelly genannt. Da sage noch einer, der Luberon sei ein weltentlegenes Fleckchen. Klingend stossen wir darauf an.

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