Reisen mit der Tricker

Foto: Schulz
Eins vorneweg: Yamaha hätte ja sehr gern, dass wir „der“ und nicht „die Tricker“ sagen. Das machen wir aber nicht. Schließlich sagt ja auch kein Mensch der Suzuki Bandit oder das KTM Adventure – weil es nun mal die (!) Motorrad heißt. So einfach ist das. Und damit zu Yamahas eigentlichem Problem mit der (!) Tricker: Man weiß nämlich nicht recht, wohin damit. Wie anbieten? Und vor allem: wem? Selten taten sich Marketingstrategen so schwer, ein Motorrad zu promoten. Zwei Räder, ein Motor, fertig. Keine 190, sondern 19 PS, keine 1000 Kubik, sondern 250. Kein Titan, kein ABS, kein schrilles Layout – noch nicht mal schwarze Blinkergläser oder so. Und damit fehlen die Schlagworte, um das Volk vom Tricker-Konzept zu überzeugen.

Komisch eigentlich: Bei einem sündteuren Hypersportler – die Knie des Piloten in die Achselhöhlen zwängend, seine Nase zwischen die Instrumente, um ihn alsdann fröhlich in die Umlaufbahn zu schnipsen – da bleiben keine Fragen offen. Wenngleich so ’ne Rennfeile im echten Leben garantiert nicht viel mehr Sinn macht wie eine Tricker: Man sitzt ähnlich unbequem, kann ebenso schlecht damit verreisen und findet nur selten artgerechte Lebensbedingungen, den Hobel von der Leine zu lassen. Dennoch wird beispielsweise eine YZF-R1 als Vollwert-Moped gehandelt, während sich die Tricker zum „Einkaufsflitzer für Wohnmobilfahrer“ oder „mobilen Infotainment-System“ (O-Ton Yamaha) stempeln lassen muss. Tolle Idee! Klingt echt nach prickelndem Fahrspaß.
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Foto: Johann
Wahr ist, dass die kleine, leichte Trial-Enduro in jeden einigermaßen ausgewachsenen Kombi passt und auch in der Stadt überzeugt. Was Yamaha hingegen verschweigt, ist die Tatsache, dass die Tricker ganz normal fährt. Und ganz normal bremst und blinkt und hupt. Und federt und dämpft und spurt. Topstabil bis 120 km/h, extrem handlich in Kurven, zu Hause auf jedwedem Straßenbelag. Okay, an der Sitzposition – Hintern knapp überm Boden, Hände recht weit oben – gilt’s zu feilen, um in der B-Note gut rüberzukommen. Ansonsten jedoch läuft alles wie von selbst.

Warum wir die Tricker fürs Piemont gewählt haben? Sie kommt überall hin, hoch und durch, ohne ihre Umwelt über Gebühr zu beanspruchen. Sensible Landschaften verlangen nach sensiblen Motorrädern, die weder zu dick noch zu laut auftragen. Darin liegt die Stärke des ausreichend druck- und drehfreudigen Einzylinders – und in seiner fröhlichen Art, dich immer weiter zu treiben. Immer höher hinauf, immer tiefer in die Zeitvergessenheit. Ernüchternd wirkt nur grobes Geröll, von dem das 19-Zoll-Vorderrad in alle Richtungen abspringt.

Wegwerfen wird man die Tricker dennoch selten, und wenn, dann ungestraft, weil eigentlich nichts dran ist, was kaputt gehen kann. Aufreibend sind der Leistungsverlust in dünner Höhenluft und die minimale Reichweite von durchschnittlich 130 Kilometern, was nicht etwa auf rüde Trinksitten, sondern auf den Bonsai-Tank zurückzuführen ist: Sechs Liter sind ziemlich genau sechs zu wenig für einigermaßen sorglose Hochgebirgstouren.

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