Rumänien (2)

Foto: Fischer
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Als wir die Klamm wieder hinunterfahren, öffnet sich der Himmel, und ein heftiger Regenguss prasselt nieder. Die unzähligen Souvenirhändler unterhalb der Felswände schützen panikartig ihre Schätze mit Planen oder Schirmen. Wanderer zwängen sich unter vorspringendes Gestein. Wir pflügen dagegen recht gelassen durch die Pfützen, genießen die Dusche von oben. Nass wie wir sind, checken wir ins nahe gelegene „Castel Dracula“ ein, ein komfortables Hotel mitten im Gebirge. Nicht gerade billig, aber das gute Essen, die Badewanne und die wunderbare Aussicht über das Reich des berüchtigten Grafen rechtfertigt den Preis.

Nach dieser Luxusübernachtung schlagen wir den Weg in die Tiefen der Maramures ein, das hügelige, stark bewaldete Gebiet an der Grenze zur Ukraine – und erleben einer Zeitreise in die Vergangenheit. Noch heute werden die Häuser und gehöfte wie seit Generationen aus Holz gebaut und mit kunstvollen Schnitzerin verziert. Pferdefuhrwerke sind das vorherrschende Verkehrsmittel, zumeist beladen mit Holz aus den dichten Wäldern. In einem der Dörfer in der Nähe von Viseu de Sus halten wir schließlich auf einem großen Hof, der von zwei alten Frauen bewirtschaftet wird, die uns gleich mit allerlei Spezialitäten versorgen. Eingelegte Gurken für Rita, sehr lecker, für mich einen selbst gebrannten Þuika, ebenfalls sehr lecker. Wir beschließen, bei den freundlichen Damen die Nacht zu verbringen.
Anzeige
Foto: Fischer
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Unser nächstes Ziel ist Siebenbürgen, sozusagen das Herz des Landes. Eine weite, aber traumhaft schöne Etappe. Endlose Wälder und Kurven ohne Ende. Gegen Nachmittag erreichen wir Sighişoara, ein mittelalterliches Kleinod mit verblichenen Fassaden, unzähligen Türmen und kopfsteingepflasterten Gassen. Rita und ich erklimmen den berühmten Stundenturm, von dem man einen tollen Blick über die verwinkelten Häuser der Altstadt und hinüber zur orthodoxen Kathedrale hat.

Drei Tage erkunden wir die Stadt, dann zieht uns die Neugier weiter. Und zwar weiter südwärts, wo sich nach kurzer Zeit durch den flimmernden Dunst vage die Konturen des Făgăraş-Gebirges am Horizont abzeichnen, bis wir Sibiu, die ehemalige Hauptstadt Siebenbürgens, erreichen. Doch uns steht der Sinn nicht nach großstädtischem Gewühl, wir peilen lieber die Karpaten an und halten uns von nun an nur noch auf Nebenstrecken auf. Zum Beispiel die Nr. 76c. Der letzte größere Ort an dieser Straße heißt Şugag, dann folgen 60 Kilometer unbefestigter Weg. Absolute Einsamkeit. Abgesehen von der relativ großen Chance, hier einem Bär zu begegnen. Die Nacht verbringen wir in völliger Abgeschiedenheit in einer Holzhütte, die einzigen Menschen, die wir treffen, sind Waldarbeiter.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote