Rumänien In aller Stille

Ruhig und gelassen geht’s her zwischen Karpaten und Schwarzmeer-Küste. Draculas Heimat besticht mit faszinierenden Berg- und Flusslandschaften.

Foto: Fischer
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Äußerst gründlich werden unsere Pässe von den rumänischen Grenzposten kontrolliert. Rita und ich reisen aus Bulgarien ein, wo wir die vergangenen drei Wochen verbracht haben – anscheinend Grund genug, um uns auf der beladenen Honda als Schmuggler für Waffen, Zigaretten, Kokain und Alkohol zu verdächtigen. Wir schütteln die Köpfe, nein, mit so was können wir nicht dienen. Der offensichtlich ranghöchste Beamte gibt sich mit dieser Antwort zufrieden, händigt uns schließlich die Pässe aus.

Der Weg nach Constanta führt direkt am Schwarzen Meer entlang. Aber es hält uns nicht lange an der Küste, der Urlaubstrubel läuft auf Hochtouren. Nach zwei Tagen lassen wir die ganze Hektik hinter uns, werfen einen letzten Blick auf die teuren Hotels und gepflegten Strände von Mamaia und biegen hinter Năvodari auf kleinere Sträßchen ab. Plötzlich kaum noch Verkehr, und die Entfernungen zwischen den Orten werden größer. Die Hitze, die über dem Land liegt, ist in Motorradklamotten kaum noch zu ertragen – wir messen 40 Grad. Und weit und breit kein Schatten. In Babadag peilen wir das erstbeste Hotel an. Wir haben Durst, brauchen eine Dusche und sind nur noch müde.
Anzeige
Foto: Fischer
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Rumänien-Tour, MOTORRAD 18/2003
Zwei Tage später flüchten wir vor der glühenden Hitze in die Berge weiter nördlich. Dabei halten wir uns dicht an der moldawischen Grenze und streifen die ärmste Gegend Rumäniens, den stets vernachlässigten Osten. Stundenlang fahren wir vorbei an dürren Feldern, passieren gelegentlich triste Dörfer. Irgendwann tauchen die ersten, noch niedrigen Berge auf, es kühlt auf erträgliche 32 Grad ab. Und unser Stimmungsbarometer steigt wieder erheblich. Lediglich die Zimmersuche gestaltet sich in diesem touristisch kaum erschlossenen Landstrich recht schwierig.
Eine herrliche Bergstraße führt zum Lacul Izvoru Muntelui, dem „Bicazer Meer“, wie dieser Stausee auch genannt wird. Die etwa 40 Kilometer weite Strecke um den See schweift in jedes Seitental ab und bietet stets aufs Neue traumhafte Ausblicke auf die türkisfarbene Wasserfläche und die umliegenden Berge, deren Gipfel sich in den Wolken verstecken. Ein kurzer Abstecher bringt uns durch die Bicaz-Klamm hinauf zum Lacul Roşu. Dieser kleine See entstand aufgrund eines Unwetters, das eine Bergspitze abrutschen ließ und so den Bach anstaute. Äste abgestorbener Bäume ragen gespenstisch aus dem Wasser.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote