Sächsisches Vogtland Immer weiter ostwärts

Auf Einladung eines alten Kumpels aus Plauen machte sich MOTORRAD-Redakteur Markus Biebricher auf gen Osten. Im Vogtland erwarteten ihn abenteuerliche DDR-Geschichten, grüne Hügel, kurvige Pisten und aufrechte Menschen - eine wilde, farbige Mischung.

Foto: Biebricher

Sein Motorrad ist für Uwe, Landvermesser im sächsischen Plauen, Universalmobil. Es transportiert Menschen, Bierkisten, Kleinmöbel, Ersatzteile. Im Moment ist es Sportgerät. Der Typ fährt, als gäbe es kein Morgen. Im Schnelldurchgang durchfliegt er die Kurven, man spürt seine innige Verbindung zu dieser Gegend, die intime Kenntnis der Straßen. Wie ein Blutkörperchen durch das Gefäßsystem jagt Uwe über das verzweigte Asphaltader-Netz, das sich durch die Kuppenlandschaft des Vogtlandes zieht. Er ist mit diesen Strecken aufgewachsen, hat sie so lange trainiert, bis er ihnen mit seinen Fußrasten einen Scheitel ziehen konnte.

 

Als bei uns im Westen die Mädels ihre Gunst schon hubraumorientiert verteilten und den Soziusplatz der 550er verschmähten, sobald ein Kerl auf einer 750er winkte, eierten Uwe und seine Kumpels im Vogtland noch auf Simson-Mopeds verschwiegene Waldwege entlang. Zu der Zeit waren graue Plattenbauten begehrter als romantische Altbauwohnungen, weil letztere keine Zentralheizung und oft nur ein Plumpsklo im Treppenhaus hatten.  
Irgendwann rollte Uwes Vater die silberne MZ ETZ 150 in der "De Luxe"-Ausführung auf den Hof.

 

Spätestens da infizierte sich der Zwölfjährige unheilbar mit dem Virus. Er setzte sich auf die Einzylinder-Maschine, sah die Scheibenbremse, die hellen Kontrollleuchten im Cockpit, sein erster Kontakt mit einem 12-Volt-Bordnetz. Schauer jagten über seinen Rücken, und er dachte: "Was für ein Motorrad!" Der Vater war mit der Vorgängerin ES 150 Tag für Tag von Weischlitz nach Plauen in die Plamag-Druckmaschinenfabrik geknattert. 25 Jahre und 150000 Kilometer lang, Sommer wie Winter. Uwe wusste, er wollte ein richtiges Motorrad, sobald er erwachsen war.

Die Chancen standen nicht schlecht, denn an Motorrädern herrschte in der DDR nicht der gleiche Mangel wie an Autos. Auf PKW wartete man locker 14 Jahre, daher war es gut, wenn man sie gleich nach der Geburt bestellte. Kam endlich die Benachrichtigung, wurde man in Zwickau in eine Halle geführt, wo je nach Lage eine, maximal zwei Farben zur Auswahl standen. Man suchte sich "seinen" Trabi aus und war der glücklichste Mensch auf Erden. So ist es 1988 Uwes Eltern passiert. Viele, die das Glück nicht hatten, mussten sich auf dem Gebrauchtfahrzeugmarkt umsehen, wo die Autos teurer waren als im Neuzustand. Also ab zum Motorradhändler IFA-Mobile, der meistens gut mit MZ und Simson bestückt war.

 

Vor Uwes erstem "richtigen" Motorrad hörte die DDR auf zu existieren. Im Herbst 1989 wurde die Staatsmacht nicht etwa zuerst in Leipzig bezwungen, sondern in Plauen, Uwes Wohnort, der Hauptstadt des sächsischen Vogtlandes, Ausgangspunkt unserer Tour. Außerhalb von Plauen weiß fast niemand von dieser historischen Tat. Es war Samstag, der 7. Oktober 1989, zwei Tage vor der ersten großen Montagsdemonstration in Leipzig. Die SED feierte den 40. Jahrestag der DDR, als Siegmar Wolf, ein Plauener Handwerksmeister, sich auf eine große Plastik im Stadtzentrum stellte und ein Transparent entrollte: "Reisefreiheit, freie Wahlen und vor allem Frieden" stand darauf. Wolf war wahrscheinlich der erste Demonstrant im Herbst 1989, der sich traute, ein Transparent hoch zu halten. Eine äußerst riskante Tat in Plauen, wo keine Westkorrespondenten ihre schützende Hand über unbekannte Regimekritiker hielten.

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Foto: Biebricher

Mit ein paar hundert "Störern" hatte die Stasi gerechnet, nicht aber mit 15000 Leuten in einer Stadt von damals 74000 Einwohnern. Wolf stellte sich mit seinem Transparent vor die Massen, ein anderer zückte plötzlich eine DDR-Fahne, aus der er Hammer, Zirkel und Ährenkranz herausgeschnitten hatte. Die Menge skandierte: "Stasi raus" und "Gorbi, Gorbi".

 

Mit zwei Feuerlöschzügen, die sie zu Wasserwerfern umfunktioniert hatten, wehrten sich die Sicherheitsorgane. Pflastersteine und Bierflaschen flogen, bis einer der beiden Wasserwerfer den Dienst versagte und der andere zurückgezogen wurde.

 

Um ein Haar hätten die Menschen das Rathaus gestürmt, in dem sich der SED-Bürgermeister verschanzt hatte. Noch am selben Tag wurde der zuständige Polizeichef abgesetzt, die Plauener hatten den Anfang zur Veränderung ihrer Welt gemacht. Leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn es gab keine Fernsehbilder. Am folgenden Samstag demonstrierten die Plauener erneut, diesmal war Uwe mit seinem Vater dabei, auf den Stufen der Lutherkirche gegenüber vom Rathaus standen Kerzen. Doch eine Samstagsdemo in einer Stadt, die kaum jemand kennt, kann schwer mithalten mit einer Montagsdemo, von der das Westfernsehen Bilder zeigt.

 

Die Plauener sind es leid, dass sie nicht wahrgenommen werden, sie wollen für ihren Platz im Geschichtsbuch kämpfen. Während er die Temperatur seiner Reifen fühlt, erklärt Uwe, warum das Bedürfnis nach Anerkennung unter den Menschen so stark ist: Plauen war einst eine Stadt des Bürgerstolzes. 1912 lebten hier 130000 Menschen, die Stadt war Zentrum für Maschinenbau und Textilindustrie. Von seinem Großvater weiß Uwe, dass die Menschen aus dem fränkischen Hof nach Plauen kamen, "weil da einfach mehr los war".

Die Industriebetriebe wurden der Stadt 1945 zum Verhängnis. Pro Quadratkilometer fielen hier mehr Bomben als in Dresden. Nicht mal in diesem Ranking scheint Plauen in der öffentlichen Wahrnehmung ein Spitzenplatz vergönnt. Plauen steht im vereinten Deutschland für nichts Besonderes, allenfalls noch für "Plauener Spitze". Dabei ist es eine hübsche Stadt mit beeindruckenden Gründerzeitbauten, die endgültig verfallen wären, hätte es die Wende nicht gegeben. Heute erstrahlen sie im alten Glanz, Infrastruktur, Kulturangebot und Kneipenszene können sich sehen lassen. Mit dem Motorrad durch Plauen cruisen macht deutlich mehr Spaß als in anderen Städten, weil es so oft rauf und runter und so zackig um unzählige Ecken geht.

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Auch das Plauener Umland scheint nur aus Kurven, Bergen und kleinen Sträßchen zu bestehen. Unterm Helm kribbelt es, fühlt sich irgendwie an wie bei der ersten Ausfahrt mit 18, und plötzlich ist er da: riesengroßer Fahrspaß. Wir wildern nach Weischlitz und setzen uns mit Uwes Vater in den Garten des elterlichen Hauses, was noch zu DDR-Zeiten gebaut worden war und die ersten Monate nach Fertigstellung mangels Türen mit Säcken auskommen musste. Jetzt ist alles tipptopp, wir trinken Sternquell-Pils, ein Plauener Bier, das mit dem Wasser der Talsperre Dröda gebraut wird und das jüngst vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum besten Bier Sachsens gekürt wurde.

 

Darauf stoßen wir an. Und auf das Motorrad, das in der Hofeinfahrt steht. Eine schön restaurierte MZ ES 150. Eben jene, mit der Uwes Vater 25 Jahre lang zur Arbeit fuhr. "Die 150000 Kilometer sah man dem Teil an", erzählt Uwe. Als seine Eltern anlässlich ihrer Silberhochzeit nach Kanada reisten, erstand Uwe gegen einen Kasten Bier ein zweites ES-150-Wrack, um aus zweien ein Motorrad zu machen. In der Garage eines Freundes in Oelsnitz realisierte er den Neuaufbau. Bei seiner Heimkehr schließt der Vater völlig übermüdet die Garagentür auf – und was steht vor ihm? Seine MZ, neuwertig funkelnd, fahrbereit und zugelassen.

 

Darauf ist Uwe genauso stolz wie auf seine 2005er-MZ 1000 S. Deren Sound lausche ich am nächsten Morgen, wie sie brabbelt im Schiebebetrieb und brüllt, wenn er nach der Kurve am Kabel zieht. Schöner Klang, aber Klang gibt es in lieblicherer Form hier überall, weil wir jetzt durch den "Musikwinkel" des Vogtlandes kurven. Von Bad Elster nach Landwüst, von Markneukirchen nach Klingenthal. Da drischt Uwe die MZ die Aschberg-Auffahrt hoch und zeigt aus fast 1000 Metern einen Ausblick, der fast alpin anmutet. Zu unseren Füßen liegt der Ort, der bei Orchestermusikern zusammen mit Markneukirchen oder Schöneck international besten Ruf genießt. Bis zum Zweiten Weltkrieg kamen unglaubliche 80 Prozent der weltweit eingesetzten Orchesterinstrumente aus dem Vogtland.

Sven Gerbeth, Geigenbaumeister und Freund von Uwe, der sein Handwerk von einem uralten Meister gelernt hat, will unbedingt mal die BMW probefahren. In seiner Werkstatt liegen und hängen unfertige Geigen, Bratschen und Cellos, feine Holzspäne kringeln sich auf dem Boden, Leim und Lack parfümieren den Raum. Auch heute noch läuft das Geschäft mit Meisterviolinen so gut, dass Sven sich keine Gedanken um seine Zukunft machen muss und problemlos ab und zu ein neues Motorrad kaufen kann. Im Gegensatz zu Uwe steht Sven auf bayerische Maschinen. Er hat nicht MZ, sondern BMW im Blut, was Uwe für eine unheilbare Krankheit hält.

Foto: Biebricher

..Uwe hat von MZ nicht lassen können,..

Uwe hat von MZ nicht lassen können, verfolgt das Firmenschicksal wie andere Leute Fußballergebnisse oder Aktienkurse und ist ein wandelnder Typenkompass der MZ-Motorräder von 1950 bis heute. Sein erstes richtiges Motorrad war eine Skorpion, das zweite eben jene 1000 S, mit der er mir hier jeden Tag um die Ohren fährt. Kritisch sieht er alle Versuche der letzten Zeit, die Traditionsfirma, die einst so geniale Motorenkonstrukteure wie Walter Kaden beschäftigte, wieder nach vorn zu bringen. Auch den jüngsten Investoren Waldmann und Wimmer traut er nicht über den Weg: "Warum müssen alle neuen Geschäftsführer immer erst Rennen fahren, anstatt den Betrieb auf Vordermann zu bringen?" Jetzt aber kommt Sven mit leuchtenden Augen von der Probefahrt zurück und beendet unser Gespräch mit einem Kaufangebot für die BMW.

 

Hinter Klingenthal beginnt Tschechien. Uwe mag weder die schrillbunten Asienmärkte, die kurz hinter der Grenze wuchern, noch mag er die Deutschen, die mit 30000-Euro-Autos ins Nachbarland einreisen, weil "das Essen da so schön billig ist". Ganz zu schweigen von den Typen, die auf der anderen Seite eine preiswerte Nummer schieben wollen. Früher, sagt Uwe, "war die Tschechei beliebt bei den Vogtländern, hier gab es Turnschuhe und bessere Klamotten". Auch Heizungsthermostate, Fliesen und weitere Baumaterialien, die man in der DDR nur mit hochbrisanten Verbindungen bekam.

 

Einige wenige Vogtland-Dörfer verbreiten auch heute noch die Tristesse der alten DDR. Grauer Zonenputz bröckelt von dünnwandigen Wohnschachteln, abgewetztes Kopfsteinpflaster zieht eine löchrige Fahrspur durch den Ort. Moderne Baumaterialien scheinen immer noch Mangelware zu sein, man möchte nicht wissen, was hinter den geblümten Gardinen abgeht.

 

Pausa ist nicht so, Pausa ist ja auch kein Dorf. Und wenn es schon die vogtländische Hauptstadt Plauen nicht schafft, der Nabel der Welt zu sein, so haben die Pausaner zumindest Zugang zur Erdachse. Sie tritt symbolisch im Kellerraum des üppigen Rathauses zutage. Hier können wir ihre Rotation beobachten, sie über eine Automatik selbst mittels "Erdachsen-Schmiermittel" ölen und so den Lauf der Welt mitbestimmen. Der Schmiervorgang wird von der "Erdachsendeckelscharnierschmiernippel-Kommission zu Pausa e.V." überwacht.

 

Überwachung war das bestimmende Element im DDR-Leben von Frau Wohlfahrt, die in Gefell einen kleinen Imbiss und Lebensmittelladen mit Bückware" führt. Das war das Zeug, das immer illegal unter dem Tresen stand. Frau Wohlfahrt schließt Uwe in die Arme, der in Tanna arbeitet und zum Essenfassen immer schnell nach Gefell brettert. Uwe kennt ihre Geschichte schon, die anderen dürfen zuhören. Zu DDR-Zeiten hat sie innerhalb des bis zu fünf Kilometer breiten Grenzstreifens gewohnt, der vom übrigen Land abgeriegelt war, um Republikmüden die Flucht zu erschweren. Nur mit einem Passierschein durfte sie am Kontrollposten vorbei, wenn sie nach Hause und wenn sie zur Arbeit wollte, die ausserhalb der Kontrollzone lag.      

Noch schlimmer erging es den Einwohnern von Mödlareuth, deren Ort vom Kontrollstreifen in zwei Hälften zerschnitten wurde. Heute ist hier ein Museum, parkt ein ausgeweideter Mil Mi 17-Hubschrauber unweit eines T 34-Panzer und erinnert an die Macht des russischen Bruderstaates. Als wolle er den Schatten der Vergangenheit entfliehen, hämmert Uwe die MZ zurück durch die Hügel über Mißlareuth, Grobau, Kemnitz, Krebes, Schwand, Weischlitz nach Plauen. Eine Achterbahnfahrt durch eine Landschaft, die der Traum eines jeden Modellbahnbesitzers wäre. Auf den Hügelkuppen federn die Motorräder aus, als wollten sie abheben. Nach all den Jahren hat Uwes Freude an den Straßen keinen Deut nachgelassen.

 

In Plauen, der Stadt, die den Untergang der DDR einleitete, sitzen wir abends im "Matsch", der ältesten Gastwirtschaft Plauens, und essen "Bambes", eine Kartoffelpuffer-Variante. Mit ausladenden Gesten erzählt Uwe, dass man auf dem neuen Belag im Göltzschtal besonders gut enge und weite Bögen üben könne, als die blonde Kellnerin mit einer noch überzeugenderen Kurvenkombination auf sich aufmerksam macht. Worauf das Gespräch etwas von der Ideallinie abkommt. Ich sehe meinem Guide an, dass er sich fragt, ob die MZ 1000 S vielleicht auch als Abschleppfahrzeug dienen könnte.

Foto: MRD

Infos

Das Vogtland fixt Motorradfahrer an. Wer zwischen Hof und Zwickau von der A 72 abfährt, ist mittendrin und kann sofort Kurven sammeln. Zum Vorbereiten: www.vogtlandtourist.de, www.echt-vogtland.de. Der Trip wird unvergesslich!

Allgemeines: Die Bezeichnung Vogtland geht zurück auf Kaiser Barbarossa, der im 12. Jahrhundert sogenannte Landvogte einsetzte, die sein Herrschaftsterritorium sicherten und kontrollierten. Im Herzen Europas sowie unmittelbar an wichtigen Handelswegen gelegen, konnte diese bis heute relativ natürlich gebliebene Region Sachsens bereits im Mittelalter das erste Mal wirtschaftlich erblühen. Die bewaldeten Hügel des Vogtlandes liegen im Dreiländereck von Bayern, Böhmen sowie Sachsen und bilden den westlichsten Teil des Naturparks Erzgebirge-Vogtland. Als Ergebnis einer tektonischen Verwerfung ereignen sich hier noch heutzutage harmlose, sogenannte Schwarmbeben. Solchen geologischen Aktivitäten verdankt das Vogtland seine Landschaftsform sowie einige Mineralquellen, die den Staats-bädern Bad Elster und Bad Brambach seit Beginn des letzten Jahrhunderts regen Kurbetrieb bescheren. Auch das restliche Vogtland startete zu dieser Zeit erneut durch und gelangte dank florierender Textil-Industrie (Plauener Spitze), angesehenen Maschinenbau-Unternehmen sowie der Produktion begehrter Musikinstrumente erneut zu wirtschaftlicher Blüte und solider Infrastruktur. Zeugen dieser Epoche sind imposante Brücken, die bekannteste unter Ihnen ist die Göltzschtalbrücke.

 

Sehenswürdigkeiten: Als größte Stadt des Vogtlands bezaubert Plauen mit liebevoll restaurierten Jugendstilfassaden, während Syrau den Besucher in die unter-irdische Tropfstein-Welt seiner Drachenhöhle entführt. Musik-liebhaber werden begeistert sein vom Instrumenten-Museum in Markneukirchen. Klingenthal ist nicht nur ein weiteres Zentrum Vogtländischer Instrumentenbaumeister, hier steht auch die modernste Großschanze Europas mit einer einzigartigen Aufzugskonstruktion. Die Weltraum-Austellung in Morgenröthe präsentiert die technischen und geschichtlichen Höhepunkte der internationalen Raumfahrt und vermittelt einen Eindruck vom Nutzen der Weltraumforschung. Hoch hinaus ragt im nördlichen Vogtland auch die nächste Attraktion in Form der Göltzschtalbrücke bei Netzschkau.

 

Das überaus imposante Bauwerk ist mit vier Etagen, 98 Gewölben, 78 Metern Höhe und 574 Metern Länge die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Ein Abstecher ins thüringische Schleiz lohnt ebenfalls: Hier hat man die Möglichkeit, Deutschlands älteste Naturrennstrecke zu befahren, das berühmte Schleizer Dreieck. Das größte Highlight des Vogtlandes aber ist seine unberührte Landschaft, durch die sich ein Netz aus einsamen Straßen und Wegen zieht. Ein wahres Paradies für Motorradfahrer mit zahllosen Kehren, Anstiegen und Abfahrten.  Sportliche Naturen kommen hier genauso auf ihre Kosten wie wandernde Genießer, für Endurofahrer gibt es legal befahrbare Feldwege. Auf all diese Herrlichkeiten sehen Schlösser und Burgen herab, wie beispielsweise die Burgen Mylau, Schönfels und Voigtsberg. Auch hier lohnt Anschauen.


Motorradtreffs: Am Schleizer Dreieck und in Eibenstock an der Talsperre.


Die Strecke: Auf welchen Strecken man sich im Vogtland letztlich genau herumtreibt ist unerheblich, denn die meisten tauchen tief in das Wesen des Vogtlands ein, bieten hohen Erlebniswert und fahrerische Herausforderungen in Form stark wechselnder Asphaltqualität, vielen Kurven, zahlreicher Berg- und Tal-Steilstücke sowie überraschender Aussichten. Unsere Route führte von Plauen nach Trieb, Jocketa, über Christgrün zur Göltzschtalbrücke. Netzschkau, Burg, Steinermühle, Hohndorf, Pannsdorf, Pöllwitz, Ebersgrün und Pausa waren die nächsten Etappen, dann ging es weiter über Ranspach, Schönberg, Kornbach, Unterkoskau nach Gefell und Mödlareuth, was ehemals ein geteiltes Dorf war. Über Mißlareuth, Grobau, Kemnitz fuhren wir weiter nach Weischlitz, wer mag, macht noch eine schöne Schleife über Krebes, Gerglas, Ramoldsreuth, Engelhardtsgrün, Triebel, Bösenbrunn und Großzöbern, bevor es über Weischlitz wieder nach Plauen geht.

 

Eine weitere Tour verläuft an der Talsperre Pöhl entlang über Alt Jocketa, Neudörfel, Rodlera, Helmsgrün, Gansgrün, Thoßfell, Gospersgrün nach Treuen. Von dort aus über Altmannsgrün, Neustadt, Werda nach Schöneck, dann über Hammerbrücke nach Rautenkranz Morgenröthe, nach Tannenbergs-thal an der Vogtlandschanze vorbei nach Klingenthal. Von dort geht es Richtung Oberzwota, dann nach Erlbach und Markneukirchen, wo das bekannte Musikinstrumentenmuseum unbedingt eine Pause wert ist. Die nächsten Stationen sind Landwüst, Bad Elster, Gettengrün, hier einfach einen Abstecher nach Ebmath und über die Grenze nach Tschechien (Hranice). Es lohnt, um den Kontrast wahrzunehmen. Wer genug hat, fährt retour über Obertriebel nach Oelsnitz, wo die Pirk-Talsperre Skandinavien-Panoramen bietet. Über Oberlosa und Reinsdorf geht es zurück nach Plauen.


Unterkunft: Die Übernachtungsmöglichkeiten reichen von Ferien auf dem Bauernhof über Pensio-nen, Landgasthöfe bis zu guten Hotels in den Städten. Entlang der Talsperren liegen idyllische Campingplätze. Empfehlenswert in Plauen ist samt ihrer Küche die Pension "Matsch", (Telefon 03741/204807, www.matsch-plauen.de), weitere zentral ge-legene Möglichkeiten, um einen Altstadt-Abend bei "grünen Klößen" und einem heimischen Sternquell zu genießen, sind die Hotels "Am Theater" (Telefon 03741/1210, www.dormero.com) "Best Western" (Telefon  03741/28700, www.strassberger-tor.bestwestern.de) und das "Hotel Alexandra" (Telefon 03741/
221414, www.hotel-alexandra-plauen.de).


Literatur/Karten: Die Allianz-Freizeitkarte "Vogtland" im Maßstab 1:100000 (6,95 Euro) eignet sich gut zur Orientierung, der Falk Reiseatlas (9,50 Euro) im Maßstab 1:200000 besser zur Planung. Gute Anregungen verspricht der HB-Bildatlas "Erzgebirge, Vogtland" für 8,50 Euro, so-wie Bruckmanns Motorradführer "Vogtland" von Volker Wahmkow für 12,95 Euro. Weitere Tipps: "Das große Buch vom Vogtland", Chemnitzer Verlag (19,95 Euro); Marco Polo-Reiseführer "Erzgebirge, Vogtland" von Kerstin Sucher und Bernd Wurlitzer (9,95 Euro).

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