Schnäppchentour Schwarzwald (2)

Foto: Eisenschink
Irgendwo muss man hier doch günstig übernachten können ...
Irgendwo muss man hier doch günstig übernachten können ...
20 Uhr. Linker Hand taucht eine Pferdekoppel mit Reitstall auf; rechts ein Misthaufen, dahinter der Hildbrand’sche Hof mit dem Heu-Hotel. Eine Rezeption gibt es nicht. Wer die Hausherren finden will, schaut in der Forellenräucherei, der Schnapsbrennerei, dem Schuppen mit den Traktoren oder dem Pferde-, Hasen- oder Kuhstall vorbei. „Früher gab es hier auch noch einen Stall für 70 Schweine“, erklärt mir Johannes Hildbrand, doch den habe er vor zwei Jahren samt Getreidesilo zum Heu-Hotel umgebaut. Er führt mich zu vier durch Spanholzplatten abgetrennte Heukammern – „Bettle für etwa 16 Personen“ – jeweils mit Wandlampe und Kleiderhaken sowie einem winzigen, mit klassisch rot-weiß karierten Vorhängen versehenen Fenster, durch das der Feriengast auf die steilen Schwarzwaldhänge schauen kann. Im Parterre: Küche, Esszimmer, sanitäre Anlagen und – mit separatem Eingang – der Pferdestall. Die beiden Haflinger und noch ein Brauner haben etwas größere Boxen als die Touristen, dafür aber keine rot-weiß karierten Vorhänge.
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Foto: Eisenschink
Ungewöhnlich, aber urig und günstig.
Ungewöhnlich, aber urig und günstig.
Ich schiebe die Honda in den Schuppen neben dem Hasenstall, genehmige
mir einen hausgemachten Heu-Likör, bevor ich im Heubelag meiner Zwei-mal-zwei-Meter-Box – zwölf Euro inklusive Frühstück – eine ergonomisch geformte Kuhle für die Nacht grabe. In der größeren Kammer vis-à-vis beziehen Mutter, Vater, vier Kinder und acht Stofftiere Quartier, es ertönt zufriedenes Schnarchen; die Heuhalme kitzeln an der Nase, pieken trotz untergelegter Gepäck-Rolle und Motorrad-Klamotten durch das Nachthemd; es raschelt in den Ecken, knarzt und knackt im Dachgebälk. Gegen zwei Uhr kündigt das Niesen und Schneuzen in der Nachbarzelle einen beginnenden Heuschnupfen an, die Pferde einen Stock tiefer scharren unruhig mit den Hufen, und ich sehne mich nach einem weiteren Heu-Likör.

7.15 Uhr, die Sonne dringt durch die rot-weißen Vorhänge, ein Tannenhäher kreischt aus den umliegenden Wäldern, ein Milchtanker rumpelt aus der Hofeinfahrt. Die Hildbrands sind mit dem Melken fertig – Zeit fürs Frühstück.

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