Sibirien (2)

Foto: de Jong
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004
Über Novopavlovka und Tanga gelangen wir nach Tschita. Bei minus 26 Grad. Zum ersten Mal ziehen wir unsere speziell isolierten Thermokombis an, die eher an Astronauten- denn an Motorradanzüge erinnern. Die Griffheizung glüht im Dauerbetrieb, Handschuhe, Strümpfe und Visiere sind ebenfalls mit Heizdrähten versehen. Und die Triebwerke der XTs laufen nun auch während längerer Pausen die ganze Zeit weiter.

Nachts sinkt die Temperatur inzwischen auf minus 38 Grad. Dagegen herrscht in vielen Häusern eine fast schon tropisch anmutende Hitze – mehr als ein T-Shirt tragen die Menschen in Sibirien ungern innerhalb ihrer vier Wände, in die sie Fremde wie uns gerne aufnehmen. Über einen Schlafplatz brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Wann immer wir nach einem Zimmer fragen, werden wir eingeladen. Oder man versucht rührend, im Bekanntenkreis eine Bleibe für uns zu finden. Einziges Problem: der enorme Wodka-Konsum. Ohne den geht’s nie, und wir werden ständig dazu angehalten, kräftig mitzutrinken.
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Foto: de Jong
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004
Drei Tage später erfahren wir in Schilka per E-Mail von einem Bekannten, dass die Behörden von Jakutsk und Ust’-Kut die Lena auf der gesamten Strecke zwischen diesen beiden Städten endgültig für jeglichen Verkehr dichtgemacht haben. Eine andere Verbindung als diesen Flusslauf gibt es nicht. Die Straße nach Magadan gilt ebenfalls als nahezu unpassierbar. So schwer es uns fällt – wir müssen von unseren Plänen Abschied nehmen. Es macht keinen Sinn, bei diesen Temperaturen weiter bis Jakutsk zu fahren, um sich letztlich auf dem gleichen Weg wieder zurückzuarbeiten. Wir sind frustriert, überlegen lange, wie es weitergehen soll. Dabei war uns immer bewusst, dass bei dieser Reise kaum etwas planbar sein wird.

In Nertschinsk geben wir auf, kehren um nach Schilka. Diesmal nehmen wir aber nicht die Straße, sondern gleiten über das Eis des gleichnamigen Flusses, dessen Lauf einer breiten, weißen Trasse gleicht, die stur geradeaus durch dieses vom Winter verzauberte Land führt – und die zurzeit befahrbar ist, wie wir von einem Fernfahrer erfahren haben. Ich bin überrascht, wie viel Halt mir die Spikes auf der teilweise blanken Fläche geben – noch müssen wir die Solo-XT nicht am Gespann fixieren, was dem Fahrspaß zugute kommt.

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