Sibirien Holiday on Ice

Mitten im Winter auf dem Motorrad durch Sibirien – die holländischen Extremreisenden Rob und Dafne de Jong hatten noch nie Lust auf Pauschalurlaub. Höhepunkt ihres Traums war es, über den zugefrorenen Baikalsee zu fahren.

Foto: de Jong
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004

Sibirien. 30. Dezember 2003. Greller Sonnenschein, blauer Himmel – und für diese Jahreszeit erstaunlich milde 16 Grad in Irkutsk. Unter null, versteht sich. Unsere beiden XTs stampfen seit einigen Minuten im Standgas vor sich hin; wir brauchen mindestens eine halbe Stunde, bis wir einigermaßen gegen Wind und Kälte geschützt eingepackt sind. Dann können wir endlich aufbrechen. Kurs Ost. Vorbei am Südende des Baikalsees und weiter während der nächsten drei Monate über Jakutsk bis in die 4500 Kilometer entfernte Hafenstadt Magadan. Und wieder zurück. Allerdings hoffen wir, auf dem Rückweg ab Jakutsk etwa 2000 Kilometer weit über den zugefrorenen Fluss Lena bis quasi zum Baikalsee fahren zu können – vereiste Flüsse sind im Winter in diesem Teil der Welt ganz offiziell für den Straßenverkehr freigegeben. Die letzte Etappe soll schließlich rund 600 Kilometer über das Eis des Baikalsees führen.

Damit wir mit den beiden Yamaha XT 600 im Schnee und auf Eis überhaupt noch vorankommen, haben wir uns einen besonderen Clou ausgedacht: Die Solo-Maschine kann mit wenigen Handgriffen an der rechten Seite des Gespanns befestigt werden. Damit wir unser „Fünfradmobil“ nicht in unterschiedliche Richtungen lenken, werden die Gabeln durch ein Gestänge miteinander verbunden – nur beim Gasgeben und Bremsen müssen wir uns irgendwie einigen. Jetzt aber bloß raus aus Irkutsk. Richtung Ulan-Ude.

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Foto: de Jong
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004
Sibirien-Extremtour - MOTORRAD 8/2004

Seit fast zwei Wochen sind wir schon unterwegs. Per Achse in Rekordzeit von Amsterdam via München, Prag, Warschau und Kiew bis nach Moskau. Und vor dort samt der Motorräder mit der Transsibirischen Eisenbahn in drei Tagen nach Irkutsk. Zum Glück ist dieser Industriemoloch längst aus den Rückspiegeln verschwunden, und wir kommen während der ersten beiden Fahrtage erstaunlich gut voran. Statt Schnee und Kälte mindern allenfalls zahlreiche Polizeikontrollen unserer Reisetempo. Aber die Beamten entpuppen sich als nette Kerle, sind einfach nur neugierig. Ausländische Motorradfahrer im Winter? Das hat es hier noch nicht gegeben.

In Ulan-Ude – heute ist Silvester – erfahren wir aus den Nachrichten, dass ungewöhnlich heftige Schneefälle weite Teile Sibiriens praktisch unbefahrbar gemacht haben. Die zugefrorenen Flüsse liegen unter einer bis zu einem Meter dicken Schneeschicht, und die Lena wurde für die nächsten Wochen für den „Eisverkehr“ gesperrt. Genau dort sollte unsere geplante Strecke verlaufen. Noch wollen wir die Route aber nicht ändern.

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