Slowenien (2)

Foto: Eisenschink
Tags darauf geht es über Begunje und Trizic an der Südflanke der Karawanken entlang und dann kurzentschlossen nach Süden auf die Autobahn. Rund eine Million Transitreisende bretterten im vergangenen Jahr über die A 2 nach Kroatien, hinzu gesellten sich Geschäftsreisende, Lastwagen und wohl auch die Reporter meiner Tageszeitung, die das Land in wenigen Stunden durchmaßen. An Kranj vorbei führt die Strecke zügig nach Ljubljana, wo mit A 1 und A 2 die beiden Verkehrsachsen Sloweniens aufeinandertreffen, sich ringförmig miteinander verknoten und wie eine Halskrause um die 280000 Einwohner zählende Hauptstadt ziehen. Vier- bis fünfspurige Schnellstraßen führen an Autohäusern, Einkaufszentren, Industriezonen und Baumärkten vorbei ins Zentrum, ringsum zeugen Baukräne von und Presslufthämmer von Aktivitäten in Hoch- und Tiefbau. Aufbruchstimmung des jungen EU-Mitglieds auch hier.

Als ich die BMW am Rand der Altstadt parke, klingt der Trubel schlagartig ab, verkehrsberuhigte Gassen führen an sorgfältig restaurierten Jugendstil-, Renaissance- und Barockbauten vorbei ins Zentrum. Wo sich die Sehenswürdigkeiten dicht an dicht reihen: Stadtmarkt, Alter Markt, Oberer Markt, das weidengesäumte Ufer der Ljubljanica, eine Burganlage mit Aussichtsturm sowie todschicke Einkaufspassagen. Ich flaniere an Kaffeehäusern vorbei, betrachte die neue Handy-Kollektion bei Vodafone, die kunstfertig aufgetürmten Frisuren im „Frizerski Studio Wella“ und die brandaktuellen Sportschuhe im Puma-Shop, während gleich um die Ecke wettergegerbte Bäuerinnen Gemüse sowie handgeflochtene Körbchen mit Pilzen, Hagebutten und Kräutern feilbieten. Ausgerüstet mit der nötigen Wegzehrung fädle ich mich auf der BMW durch das Gestrüpp von Schnellstraßen aus der Stadt hinaus in Richtung Soca-Tal.
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Foto: Eisenschink
Mal schluchtartig eng, mal mit weitem Blick übers Gebirge kurve ich an der karibisch grünen Soca entlang durch eines der schönsten Täler der östlichen Alpen nach Bovec. Der Weg zum 1611 Meter hohen Vršic-Pass führt an dschungelgrünen Bergen und steil emporragenden Felswänden vorbei, zwischen denen Kajakfahrer johlend über die Stromschnellen der Soca flitzen. Das Schild „Vršic offen“ fliegt im Augenwinkel vorbei, dann falle ich in die erste von 26 Kehren, die sich in herrlichen Bögen zur Passhöhe aufschwingen. Die Julischen Alpen rücken näher, bauen ihre wuchtigen Flanken vor mir auf, recken die zackigen Gipfel in den Himmel, als wollten sie demonstrieren, dass sie die hessischen Berge um ein Vielfaches überragen. Tatsächlich ist der Triglav, mit 2864 Metern Sloweniens Prior, rund dreimal so hoch wie die Wasserkuppe in der Rhön, was in etwa dem Größenverhältnis Zugspitze–Mount Everest entspricht.

In Kranjska Gora, das ich 24 abenteuerlich gepflasterte Abwärtskehren später erreiche, werfe ich einen Blick auf die Karte und entscheide, mit einem Schlenker über Italien und den Predilpass den Weg zum 2678 Meter hohen Mangart abzukürzen. Da es seit dem EU-Beitritt kaum noch Wartezeiten an der Grenze gibt, kann ich direkt auf die spektakulär gewundene Mangart-Stichstraße einbiegen. Dramatische Ausblicke, Felsentunnel, cruising über dem Abgrund. Am Ende des mautpflichtigen Sträßchens liegt der knapp 2100 Meter hohe Mangart-Sattel mit prachtvoller Aussicht über das Gipfelmeer der Julischen Alpen. Dank der Brotzeit im Tankrucksack beschließe ich, künftige Abendessen im Hotel nun endgültig zu streichen.

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