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25 Liter auf 1000 Kilometer So sparsam geht es mit der Honda CBR 250 R

Wie sparsam sind heutige Motorräder? Reichen 25 Liter für 1000 Kilometer? Wir suchen die Antwort mit einer Honda CBR 250 R auf einer Tour von Stuttgart zum Alpen-Masters-Finale.

Gerne. Ich mach so was wirklich gerne. Mal wieder das eigene Ego auf die Probe stellen, den inneren Schweinehund besiegen und der Welt irgendetwas ziemlich Nutzloses beweisen. Als Jungspund habe ich mal probiert, wie lange man mit 500 Mark Motorradurlaub machen kann. Kam nach gut drei Wochen ziemlich ausgehungert mit dem letzten Tropfen Sprit nach Hause.

Sprit, genau! Endlich eine gute Idee für unser Jubiläum: mit einer 250er 2,5 Liter Sprit brauchen. Aber nicht auf 100 Kilometer, sondern im Schnitt auf 1000. Das müsste dann ziemlich genau zu den Kollegen beim Alpenmasters reichen, die sich auf dem Col de la Bonette zum Finale treffen. Also auf ein bisschen mehr als 2500 Metern Höhe. So passt das Ganze. Hat der Importeur in Offenbach noch eine 250er-Honda? Er hat. Sogar eine mit Karbon-Applikationen. Danke, Stefan Beckmann!

Wie kriege ich die kleine Einzylinder so sparsam wie möglich? „Du musst dich hinter der Verkleidung so klein wie möglich machen!“, oder „Mach wie damals der Thomas immer mit dem Killschalter den Motor aus und lasse es rollen“, so die Ratschläge der Kollegen. Ich will nicht immer ausmachen, aber kleinmachen will ich mich schon. Deshalb kommt die Gepäckrolle als verlängerter Rücken längs gepackt nach hinten. Und - Supertrick - ich verringere den Rollwiderstand durch gnadenloses Luftdruckerhöhen auf 3,5 bar. Von der windschlüpfrigen Lederkombi sehe ich angesichts von unter zehn Grad Nachttemperatur ab. Man will ja nicht erfrieren. Tu ich aber doch fast. Denn morgens um drei kann es auch im Juli garstig kalt werden. Und neblig. Ich habe mir vorgenommen, nicht über 90 km/h, möglichst immer im sechsten Gang mit möglichst wenig Gas zu fahren. Nach einer Stunde gebe ich erst einmal auf und steuere einen Rasthof an. Die Reifen rollen knallhart ab, das haut in den Rücken. Der kalte Nebel dringt durch die Klamotten. Kaffee, heiß! Wie schön die brau-ne Brühe schmecken kann. Im Morgengrauen geht es weiter. Die Grenze zur Schweiz bei Singen bedeutet Kleben. Die kleine Honda muss wie die großen Autos eine Vignette für 40 Franken tragen, ein Witz. Durch die Schweiz brauche ich für etwa 15 Euro Sprit, aber doppelt so viel für die Maut! Aber man soll sich nicht so auf-regen, denn nun ist Schweizer Tempo angesagt, peinliches Einhalten der Limits, denn man macht hier sehr gerne Passbilder. Zürich umfahre ich auf der neuen Autobahn, dann biege ich zum Vierwaldstätter See ab. Hier ist nämlich meine Lieblingsstelle für das erste Foto. Und ein praktisches Klo. Schon seit gut 30 Jahren.

Gotthardpass ist Pflicht. Oben treffe ich mutterseelenallein stehend Hans. Er fährt eine CB 175 von 1972. Die Urururoma meiner CBR. Nett. Ich rolle, ohne Motor, nach Airolo. Die Sprituhr zeigt schon bedenklich wenig an. Sollte ich schon einen Tank leer haben, nach nicht einmal 400 Kilometern? 10,4 Liter passen rein, nach 379 Kilometern sind das 2,74 Liter auf 100 Kilometer. Das wird knapp! Wenigstens wird es jetzt warm. Ich verstaue das Wärmefutter und rolle fast ohne Gas weiter nach Como. Ein gnädiger Rückenwind schiebt mich durchs Tessin, es dauert fast 100 Kilometer, bis der erste von sechs Balken auf der Anzeige verschwindet.

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Foto: Pfeiffer
Heinz auf dem Gotthard mit seiner CB 175: Meine CBR 250 R freut sich über ihre Urururoma.
Heinz auf dem Gotthard mit seiner CB 175: Meine CBR 250 R freut sich über ihre Urururoma.

Italia, Autostrada, Hitze, schnelle Laster, ich hänge mich an einen Tankzug, fahre ziemlich dicht hinter ihm. Die Wirbelschleppe schüttelt mich ordentlich durch, aber ich kann den Gasgriff fast zumachen. Die brave Honda rollt mit 100 Sachen auf dem Tacho, von Mailand bis hinter Turin zieht mich der Kerl. Danke! Nach gut 600 Kilometern biege ich auf die Landstraße ab. Cuneo ist der nächste große Ort, von dem sind es noch einige Kilometer in die Berge, und dann kommt das große Finale.

Knapp halb voll, aber jetzt kommen die Alpen, also tanken! Ich kaufe fünf Liter Sprit für zehn Euro, das müsste reichen. Wenn ich dann am Ende nur 9,6 Liter einfüllen muss, habe ich 25 Liter verbraten. Ob das klappt? Mit niedrigen Drehzahlen, aber wütenden Schräglagen, um möglichst wenig zu bremsen, erobere ich den Col de la Madeleine. Die Abfahrt wird gerollt, dann rauf auf den Bonette. Toll, wie sich die Landschaft ändert, bald sind die 2000 Meter Höhe erreicht. Kühe weiden, Murmeltiere halten Ausschau. Noch zehn Kilometer, dann bin ich oben. Wow! Was für eine beeindru-cken-de Szenerie! Kahler Fels, Schneereste, eine dicke Schneewand blockiert die Weiterfahrt ganz nach oben. Ich warte vier Stunden, bis die Testcrew kommt. Fahre noch ein paarmal auf und ab, denn es stehen erst 942 Kilometer auf dem Tageskilometerzähler. Endlich sind sie da, fräsen sich durch den Schnee. Ich tuckere hinterher. Gipfelfoto, Tusch! Zurück ins Hotel. 992 Kilometer.

Die Honda fährt im Transporter heim, ich nehme den Alpenkönig. Back home wird getankt. 9,6 Liter? Gehen rein, und noch ein knapper dazu. Schade, aber 2,64 sind auch ganz gut, oder?

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