Südamerika Nicht von dieser Welt

Wüste, Regenwald und Hochgebirge – es gibt kaum einen anderen Landstrich mit so extremen Kontrasten wie Bolivien, Peru und Ecuador. Und schon mal was von Inka-Cola gehört? Kein Wunder, denn dieses Getränk ist wirklich nicht von dieser Welt.

Foto: Deleker
Südamerika, MOTORRAD 3/2004
Südamerika, MOTORRAD 3/2004
Ein altes, weißes Blechschild scheppert im Wind. „Bienvenidos a Bolivia“ ist in verwitterten, gelbgrünen Buchstaben zu lesen. Reifenspuren zirkeln um das vom ewigen Sturm gebeutelte Schild auf 4700 Meter Höhe herum und verlieren sich dann in der endlosen Weite des Altiplano. Schließlich fällt die sandige Hochfläche sanft zu einem türkisfarbenen See, der Laguna Verde, ab. Dahinter bohren gewaltige Vulkane ihre schneeweißen Gipfel in einen unwirklich blauen Himmel. Doch es fällt schwer, die Schönheit der Anden-Region unbeschwert zu genießen. Zumindest im Moment. Unsere Körper werden noch eine ganze Weile brauchen, um sich an die sauerstoffarme Höhenluft zu gewöhnen.

Birgit und ich haben uns die fast 500 Kilometer lange Piste nach Uyuni vorgenommen, die von vielen als eine der schönsten, aber zugleich auch schwierigsten Strecken Südamerikas eingeschätzt wird. Tatsächlich entpuppt sich der Zustand dieser Piste als grottenschlecht. Wellblech. Wir finden einfach keine Geschwindigkeit, bei der die Rappelei halbwegs zu ertragen ist. Reine Nervensache. Vermutlich wird sie einem bis Uyuni sämtliche Plomben aus den Zähnen gerüttelt haben. Doch plötzlich ist die Piste vergessen. Vor uns breitet sich eine Senke mit unzähligen heißen Quellen aus. Die Geysire von Sol de mañana, 4850 Meter über dem Meer – des Teufels Küche verdammt nah am Himmel. Kochender, grauer Schlamm spritzt meterhoch aus einem kleinen Krater, daneben tost eine weiße Dampfsäule aus der zerrissenen Erde.
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Foto: Deleker
Südamerika, MOTORRAD 3/2004
Südamerika, MOTORRAD 3/2004
Der Weg in Richtung Norden bleibt fahrerisch weiterhin äußerst anspruchsvoll. Sand, fein wie Puderzucker, dann wieder Spurrillen, so tief, dass rechts und links die Alukoffer aufsetzen. Ist uns inzwischen aber egal. Denn das Land hier oben zieht sämtliche Register. Im Westen reihen sich die Vulkane wie an einer Perlenschnur. Fantastisch erodierte Felsen wachsen aus der Wüste, und die vielen Lagunen setzen blaue und grüne Akzente. Die Laguna Colorada leuchtet sogar flammend rot und bietet trotz der eisigen Temperaturen, die in diesen Höhen praktisch das ganze Jahr über herrschen, Lebensraum für abertausende Flamingos. Die Laguna Honda ist dagegen umgeben von seltsam geformten grauen Bergen, während das Ufer der Laguna Cañapa überraschend grünen Bewuchs trägt.

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