Südfrankreich Immer wieder gut

Keine Frage, Frankreichs Süden ist ein tolles Motorradrevier und begeistert stets aufs Neue. Selbst da, wo sich das Land tischeben zeigt, wie in der Camargue, die über einen völlig eigenen Reiz verfügt. Auf die Stiere sollte man allerdings aufpassen.

Foto: Eisenschink
Südfrankreich-Tour, MOTORRAD 15/2003
Südfrankreich-Tour, MOTORRAD 15/2003

Etwas scheint in Saint-Rémy in der Luft zu liegen. Straßen sind gesperrt, Cafés und Geschäfte mit Stahlgittern verbarrikadiert. Menschen stehen rund um die Place de la République hinter Befestigungswällen, sitzen auf Mauern, Treppen, Fenstersimsen, ja sogar auf den Wegweisern nach Arles und Tarascon. Als ich mit der Voxan Scrambler an der Kirche Saint-Martin vorbei fahre, vernehme ich einen gewaltigen Knall, gleich darauf wirbelt drüben am Grand Café Riche ein Vorfahrt-achten-Schild durch die Luft – und auf einmal rennt ein Stier durch die Avenue de la Résistance, verfolgt von mehreren Reitern. Nicht wenige wollen ihren Mut beweisen, springen über die Absterrung direkt vor die Hörner des Stieres, versuchen, sich irgendwie am Tier festzuhalten, um es zu Fall zu bringen.

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Foto: Eisenschink
Südfrankreich-Tour, MOTORRAD 15/2003
Südfrankreich-Tour, MOTORRAD 15/2003

Die Menge applaudiert. Ein älterer Herr neben mir lacht: „Solche Veranstaltungen finden in den Départements Bouches-du-Rhône und Gard fast jedes Wochendene statt.“ Als acht Stiere auf einmal um die Ecke kommen, läuft er ihnen entgegen, schlägt einen Haken und hetzt – 16 Hörner dicht auf den Fersen – die Straße hinab. Ein grässliches Spektakel.

Eine Stunde später drehe ich mit der Voxan eine Runde um die Place de la République. Das Vorfahrt-achten-Schild steht wieder auf seinem Platz. Stiere, Pferde und Stahlgitter sind verschwunden. Am Grand Café Riche strömt mir der Duft von Café au Lait und frischen Croissants entgegen und rückt das vertraute Frankreichbild wieder ins Lot. Beim Blick auf mein französisches Motorrad gerät das Blut der versammelten Stierfreaks erneut in Wallung. Die sich überschlagenden Fragen bezüglich des „moto francaise“ sind knapp und direkt wie bei einer Viehauktion. Wie stark – wie schnell – wie teuer – wie schwer?

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