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Transafrika: von München nach Kapstadt Der lange Weg von Deutschland nach Südafrika

Ein Trip von Deutschland nach Südafrika in dreizehn Wochen? Geht unter die Haut, ist aber für jeden machbar, der leidenschaftlich Motorrad fährt. Folgen Sie unserer Autorin auf eine Afrika-Durchquerung mit Suchtpotenzial.

Regen, wie silberne Bind-fäden, nichts als Regen. Ein deutscher Sommer, vor dem man nur flüchten kann. Das Tiefdruckgebiet verfolgt meinen Mann Christian und mich bis in die Balkan-Staaten, sorgt für Niedergeschlagenheit gleich am Anfang unserer Afrika-Reise. Schließlich trocknet der Frust: Unter warmer Sonne rollen wir durch die Türkei, Syrien und Jordanien nach Ägypten. Am 16. Tag tauchen wir um genau 16 Uhr unter dem Suezkanal hervor und sind in Afrika!

Kairo mit den Pyramiden ist ein mitreißender Schmelztiegel, der Verkehr purer Wahnsinn, Überleben fällt nicht leicht. Endlich raus und am Meer entlang nach Hurghada, von hier aus nach Luxor und weiter nach Assuan. Alles ohne Konvoi. Ägypten ist schön, doch der Umgang mit den Menschen erfordert Nerven. Wegen der gigantischen Bürokratie platzt unser Traum von Afrika fast an der Fähre, die uns über den Nassersee in den Sudan bringen soll. Nur mit Hilfe von Ryan, einem Motorradfahrer aus England, finden wir die zuständigen Polizeidienststellen in Assuan. Zähneknirschend wird Schmiergeld abgezählt, um die erforderlichen Papiere zu bekommen. Wir sind heilfroh, in letzter Sekunde noch auf die Fähre zu gelangen und Ägypten den Rücken zu kehren.

Ankunft in Wadi Halfa im Sudan: 48 Grad, Nil-Hotel, Zimmer mit Sandboden, doch alle Gäste schlafen unter dem afrikanischen Sternenhimmel. Ein unvergessliches Erlebnis. Anderntags kommen die Motorräder mit dem Frachtschiff an, das Abladen ein einziger Wahnsinn. Wir folgen dem Nil Richtung Dongola. Auf einer Sandpassage stürzt Christian, weil ein Stein im tiefen Sand versteckt ist. Diagnose: mindestens Rippenprellung.

Während einer Rast im kochendheißen Nirgendwo wächst ein Sudanese aus dem Boden und lädt uns zum Essen und Ausruhen ein. Unfassbar gastfreundlich sind die Sudanesen. Weil es zu heiß ist, um weiter zu fahren, stellt uns Mohammed ein unbewohntes Haus zur Verfügung, er bringt Wasser, Essen - einfach sagenhaft! Die Bettgestelle kommen in den Hof, und wir schauen uns todmüde erneut das gigantische Sternenzelt an.

Durch Wüste und vorbei an Kamelkarawanen fahren wir nach Karthoum, eine typisch afrikanische Stadt, die nichts bietet außer dem Nilzusammenfluss und einem komfortablen Hotel. Wir sind der Bürokratie müde, verlängern unser bereits seit drei Tagen abgelaufenes Sudanvisum nicht, auch das Travelpermit und die Fotoerlaubnis besorgen wir nicht, sei es drum. An der Grenze, die wir über Gedaref und die Nuba Mountains durch malerische Landschaft erreichen, geht die Ausreise trotz fehlender Unterlagen schnell. Auch die Einreise nach Äthiopien klappt zügig.

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Foto: Gerner-Haudum
Das heutige Luxor.
Das heutige Luxor.

Und dann startet das ewige "You, you, you". Ein Gefühl für Abstand gibt es hier nicht, die Leute rücken einem auf den Pelz und starren. Schwer kommt man ins Gespräch, alle halten nur die Hand auf, wollen unsere Kleidung, die Uhren, Koffer, alles. Hier ist etwas furchtbar schief gelaufen, und es wird noch viel schlimmer: Kinder und auch Erwachsene werfen Steine nach uns, ein Verhalten, das sich durch das ganze Land zieht. Zu allem Überfluss kommt irgendwann auch noch eine längere Schlammstrecke, mein persönlicher Albtraum. Ohne Sturz quäle ich mich durch, ein Lkw-Fahrer ruft aus dem Fenster: "Go Lady go, thats Africa." Recht hat er!

Am Lake Tana erholen wir uns. Die Stille, der See, die Bootsfahrt zu den Klöstern, die Landschaft, alles tut einfach nur unendlich gut. Addis Abeba ist dann nervlich wieder anspruchsvoll, aber die vielfältigen Eindrücke machen das mehr als wett. Wir besuchen den Markt, die deutsche Bäckerei, stromern durch die Straßen. Weil in der Stadt Wassermangel herrscht und Stromausfälle an der Tagesordnung sind, zieht es uns schließlich weiter über Awassa nach Yabello, wo wir uns ein Dorf der Borano anschauen. Man wähnt sich im vorletzten Jahrhundert, in einem Museum. Die Menschen hier sind unfassbar arm, den Kindern kriechen Fliegen in Mund, Nase und Augen.

Wenn auch die Bevölkerung ungerechterweise leidet, ist Äthiopiens Landschaft doch traumhaft: das Hochland grün vom Norden bis weit ins Zentrum, dann der "richtig afrikanische" Süden mit roter Erde, Rundhütten, Schäfchenwolken und Termitenhügeln wie im Bilderbuch. Irgendwann taucht Moyale auf und die Grenze zu Kenia.

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Foto: Gerner-Haudum
Mini-Moschee an einem Seitenarm des Nils kurz vor Luxor.
Mini-Moschee an einem Seitenarm des Nils kurz vor Luxor.

Die berüchtigten 500 Kilometer "schlimmste Piste Afrikas" sparen wir uns, verladen die Motorräder stattdessen auf einen Lkw, der über sagenhaft miese Strecken nach Garissa ruckelt. Der Laster braucht 43 Stunden, die sind reinste Höllenqual, aber unsere Erlebnisse dafür einmalig: Kamelfleischessen bei den Samburu, Kamelmilchtest unter afrikanischen Sternen und Orte, die wir ansonsten nie gesehen hätten. Said, der mit allen Wassern gewaschene Trucker, würde uns am liebsten adoptieren. Leider spricht er nur zehn Worte Englisch, trotzdem ist die Fahrt extrem unterhaltsam.

In Nairobi erlauben wir uns eine Safari zur großen Migration in die Massai Mara, die Zeit dafür ist optimal. 100000 Gnus, Tausende von Zebras, Löwen, Elefanten, Geparden: ein absolutes Highlight der Reise, bevor wir Richtung Arusha durch den wüstenhaften Norden Tansanias fahren. Wieder ist die Piste übel, zudem hat sich der ersehnte Kilimanjaro hinter Wolken versteckt. Zum Ausgleich wirkt die Landschaft wie eine Mischung aus Toskana, Kreta und afrikanischer Savanne. So ähnlich muss es im Paradies aussehen.

Wir kommen durch den einzigen Nationalpark Afrikas, durch den man mit dem Motorrad fahren darf. Christian stoppt plötzlich, direkt neben ihm an der Straße stehen Elefanten, der große stellt gleich die Ohren auf. Flucht oder Foto? Wir entscheiden uns für ein Foto, doch als der Bulle Anzeichen von Wut erkennen lässt, lassen wir die Maschinen ganz schnell von der Kupplung kommen.

An der Grenze zu Malawi stellt sich heraus, dass Christian als Österreicher ein Visum braucht. Die Grenzer sind nicht engstirnig, und wir dürfen weiter, am Malawisee entlang nach Nkhata Bay. Papyrus, Bananen, alles satt grün und dazu die freundlichen Menschen von Malawi, das lädt zum Ausruhen ein.

Unterwegs in die Hauptstadt Lilongwe erwischt uns die erste Radarkontrolle in Afrika. Eigentlich kostet der leichte Geschwindigkeitsüberschuss 80 Dollar, doch nach einem kurzen Plausch dürfen wir weiter. Wer hätte das gedacht?

Foto: Gerner-Haudum
Nicht alles in Afrika ist sandig und trocken.
Nicht alles in Afrika ist sandig und trocken.

Unterwegs: Transafrika - Teil 2

An der Grenze nach Sambia zum Ausgleich dann wieder Bürokratie ohne Ende und im weiteren Verlauf der Strecke durch das Land keine Unterkunft. Die Straße ist eine geteerte Wellblechpiste, es wird stockdunkel. Zeit zum Zelten. Wider Erwarten wird die Nacht idyllisch, und der Weg zum Lake Kariba ist anderntags pures Afrika bei bestem Wetter. Einfach herrlich, mit den Motorrädern durch den Südwinter zu brausen! Wir feiern Christians Geburtstag. Statt Torte gibt es ein Mosi-Bier mit Seeblick.

Unser Nachtlager in Livingston ist nur fünf Minuten von den Victoriafällen entfernt. Abends genießen wir eine Bootstour auf dem Sambesi, erleben Hippos, Elefanten und Picknick auf einer Insel mit Sonnenuntergang. Weiter geht es per Fähre über den Chobe nach Kasane in Botsuana. An der Fähre fahre ich mich im Sand fest, natürlich vor viel Publikum. Schweiß fließt, ich kippe um, muss aufrichten, es ist nicht das erste Mal. Auch nicht, dass Christian mir helfend beispringt.

Auf dem Weg nach Nata begegnen wir auch außerhalb der Nationalparks Elefanten und anderen Großtieren neben der Straße. In Nata wechseln wir die abgefahrenen Reifen gegen mitgeführte neue Gummis und fahren über Gaborone zur Grenze nach Südafrika. Wir bleiben in Sun City, verspielen in der Hoffnung auf den großen Gewinn eine kleine Summe im Casino. Selbst im Gewinnfalle hätten wir weiter gewollt, aber ohne Spielglück erst recht. Die Landschaft hier in Südafrika ist unglaublich weit, wie eine Filmkulisse. In jedem Fall von morgens bis abends eine Augenweide.

Foto: Gerner-Haudum
Uralte Ruine in Gonda, Äthiopien.
Uralte Ruine in Gonda, Äthiopien.

Es geht über Johannesburg nach Bloemfontein. Hier biegen wir nochmal scharf links ab nach Lesotho, in das kleine, bergige Königreich, das so völlig anders ist als Südafrika, eher reinstes Schwarzafrika. Teilweise liegt auf den Höhen noch Schnee, erneut ist die Landschaft gigantisch. Die Batterie meiner F 650 GS gibt allmählich den Geist auf, und so fahren wir zackig zurück nach Südafrika. Über Aliwal nach Port Elizabeth und dort zu einer BMW-Vertretung, wo der Akku erneuert wird. Dann cruisen wir die Gardenroute Richtung Plettenberg Bay, optisch einfach grandios. Auch für Wal-Beobachtungs-Exkursionen ist die Zeit ideal, die vielen Wale aus nächster Nähe gehen unter die Haut.

Entlang der Route 62 über die Berge gelangen wir an Straußenfarmen und kleinen Ortschaften vorbei nach Paarl an der Weinroute. Hier gönnen wir uns die südafrikanische Küche mitsamt ihren bekannten Weinen. Am Kap der guten Hoffnung wird das Zielfoto geschossen, und erst dann trauen wir uns nach Kapstadt hinein. Offen gestanden bin ich nicht glücklich, am Ziel zu sein, könnte ewig weiter reisen. Nur die Planung der nächsten Afrika-Reise tröstet mich und die Gewissheit, dass immer der Weg das wahre Ziel ist.

Infos

Foto: Gerner-Haudum
Die Route von München nach Kapstadt.
Die Route von München nach Kapstadt.

Eine Afrika-Durchquerung muss kein Traum bleiben. Wer wie unsere Autorin die Risiken klein hält, kann die Reise problemlos schaffen.


Allgemeines:
Nützlich ist es, sich im Vorfeld so gut es geht über die jeweiligen Länder an der Reiseroute zu informieren. Die Autorin legte mit ihrem Mann von München bis Kapstadt genau 18496 Kilometer zurück, sie ermittelte einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern auf 100 Kilometer und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h. Dabei wurden allerdings bewusst allzu schwierige und strapaziöse Pisten vermieden, so dass eine solch lange Reise auch für normal begabte Motorradfahrer zu bewältigen wäre. Die Benzinpreise bewegten sich zwischen 50 Eurocent in Syrien und zwei US-Dollar auf dem Schwarzmarkt in Äthiopien. Die Treibstoffqualität schwankte stark, wurde aber von beiden Maschinen gut verdaut, wobei einige Male leichter Leistungsabfall festzustellen war. Technisch hielten die 2007er-BMW R 1200 GS und die 2002er-BMW F 650 GS im Serientrimm tadellos durch. Zum Gepäcktransport wurden an beiden Maschinen Zega-Case-Aluboxen und Ortlieb-Packsäcke benutzt. Beide BMW führten jeweils zwei Fünf-Liter-Reserve-Benzinkanister mit. Die Wahl der Reifen fiel auf Continentals bewährten Universal-Grobstoller TKC 80, von dem jeweils ein Reservesatz mitgeführt wurde. Zum Navigieren wurden neben den Karten auch auf ein Garmin GPSMAP 60CSx nebst Routen von "Tracks 4Africa" vertraut.

Reisezeit:
Die Reisezeit von Anfang Juli bis Anfang Oktober schien gut gewählt, extreme Hitze herrschte nur in Sudan. In Äthiopien gab es teilweise Regen, ansonsten verzeichnete die Autorin bestes Wetter und angenehme Temperaturen bis nach Südafrika.

Kommunikation:
Empfehlenswert ist eine Travelsimcard, die Autorin hatte in allen Ländern ausgezeichneten Handy-Empfang dank einer Karte mit deutscher Telefonnummer (Gesprächskosten im Schnitt 39 Cent pro Minute nach Deutschland). Internet-Cafés gibt es mittlerweile auch in kleinen Orten.

Unterkünfte:
Wo möglich Hotels und Guesthouses, Preise waren immer gut verhandelbar. Camping war für die Autorin lediglich eine Notfall-Option, daher wurde nur einmal im Zelt übernachtet. Die Übernachtungspreise bewegten sich zwischen null Euro in Sudan und Kenia und 180 Euro im Fünf-Sterne-Hotel. Der Durchschnittspreis lag bei etwa 50 Euro pro Nacht pro Zimmer mit Frühstück. Während der Reise mussten übernachtungstechnisch starke Abstriche in Sachen Komfort und Hygiene hingenommen werden, was Afrika-Reisende nicht schrecken darf. Im Sudan gab es auf der Route nur ein gutes Hotel in Karthoum ("Al Salam Rotana"), auch in Äthiopien fand die Autorin nur am Lake Tana eine gute Lodge ("Kuriftu Resort and Spa") und in Addis Abeba ein feines Hotel inklusive Frühstück für 65 US-Dollar ("Adot Tina"). In Nairobi empfiehlt sich das "Jamiat Hotel", in Kasane (Botsuana) die "Marina Lodge", in Kapstadt das "Cape Diem" und das "Protea Fire & Ice".Weitere Infos zu den Unterkünften auf www.afrikaphotos.de

Gesundheit:
Der Gang zum Tropeninstitut ist vor der Reise unabdingbar. Impfungen: Hepatitis A und B, Tollwut, Gelbfieber, Typhus, alle Standardimpfungen. Zur Malariaprophylaxe führte die Autorin Malarone, ansonsten Antibiotika, Schmerzmittel, Immodium akut, entzündungshemmende Salbe und die gängige Reiseapotheke mit.

Dokumente:
Carnet de Passages, Visa für Syrien, Jordanien, Ägypten, Sudan und Äthiopien wurden bereits im Vorfeld besorgt. Weiterhin internationaler Führerschein, internationaler Fahrzeugschein, Grüne Versicherungskarte sowie eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung (ADAC), pro Person zehn Passfotos und mehrere Passkopien. Alle Dokumente wurden zudem im Internet hinterlegt.

Geld:
EC-Karte, Travellerschecks (werden nicht mehr empfohlen, da sie kaum noch angenommen werden), VISA-Karte von DKB, damit kann man weltweit kostenlos Geld an Automaten abheben (nicht in Sudan, da zählt nur Bares!). Eurocard Gold von "gebührenfrei.com", keine Kartenjahresgebühr und keine Gebühren für das Bezahlen im Ausland weltweit. Ansonsten Dollar und Euro in bar.

Literatur:
"Africa", Lonely Planet, 2007, nicht empfehlenswert, zu oberflächlich und bereits veraltet. Karten: Travelmag "Naher und Mittlerer Osten", RV Verlag "Afrika Nordost", International Travel Maps "Sudan" und Michelin, Nr. 746, Zentral-, Südafrika und eine Detailkarte Sudan. Von der Autorin selber ist soeben ein bebildertes Buch erschienen: Gabriele Gerner-Haudum, "Welkom Afrika, mit dem Motorrad von München nach Kapstadt", Hansanord-Verlag, 254 Seiten, 19,80 Euro. Weitere Infos unter: www.hansanord-verlag.de. Termine zu Multivisions-Vorträgen, Reise- und Autoren-Infos unter www.ansichtssachen.de und www.afrikaphotos.de

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