Traumstrecken Europas Europas 20 stärkste Strecken

Verwegene Kurvenkombinationen, grandiose Landschaften, Gänsehaut; Es gibt sie, die Strecken, die einen vollkommen um den Verstand bringen. MOTORRAD nennt 20 der genialsten Destinationen.

Foto: Daams
Verwegene Kurvenkombinationen, grandiose Landschaften, Gänsehaut – es gibt sie, die Strecken, die einem vollkommen um den Verstand bringen. MOTORRAD nennt 20 der genialsten Destinationen auf dem europäischen Kontinent für kompromisslosen Fahrspaß.
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1 Norwegen - Trollstigveien
2 Dänemark - Strand von Skiveren
3 Frankreich - Normandie
4 Deutschland - Bremerhaven
5 Deutschland - Teufelsmoor
6 Deutschland - Frankfurt am Main
7 Deutschland - Mosel
8 Schweiz - Furka, Grimsel, Susten
9 Italien - Sella-Runde
10 Italien - Colle del Nivolet
11 Italien - Stilfser Joch
12 Italien - Ligurische Grenzkammstraße
13 Frankreich - a: George du Verdun; b: George du Tarn
14 Frankreich - Col de Turini
15 Frankreich - Col de l'Espigoulier
16 Korsika - Les Calanche
17 Slowenien - Mangart
18 Spanien - a: Pyrenäen; b: Picos de Europa
19 Italien - Amalfiküste
20 Spanien - Gran Canaria

 

 

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Foto: Gargolov

Stilfser Joch

Keine Frage, das Stilfser Joch in Südtirol ist eine der höchsten, schwierigsten und abwechslungsreichsten Alpenstraßen überhaupt. Die 2758 Meter hohe "Königin aller Pässe" lockt auf ihrer steilen Ostrampe mit sage und schreibe 48 Kehren. Addiert man sämtliche Kurven hinzu, kommt man auf 150. Dafür nimmt man gerne in Kauf, dass der Asphalt seine beste Jahre lange hinter sich hat. Oder dass hier besonders an Wochenenden gerne mal gestaut wird. Alles Bagatellen. Diese Strecke ist ein Muss für jeden Motorradfahrer. Nicht mehr und nicht weniger.

 

 

Foto: Johann

Offroad

Lust auf Einsamkeit und Schotter? Die Ligurische Grenzkammstraße bietet beides. Die teils recht anspruchsvolle Trasse beginnt am Col de Tende und führt 85 Kilometer weit durch unbesiedeltes Gebiet – damit gilt sie als längste aller ehemaligen Wehrstraßen in den Alpen. Als Geheimtipp geht dieser spektakuläre, bis zu 2000 Meter hoch gelegene Weg entlang der italienisch-französischen Grenze allerdings längst nicht mehr durch. Deshalb unbedingt die Wochenenden meiden, will man tatsächlich Einsamkeit genießen.

 

 

Foto: Deleker

Gran Canaria

Die "GC 60" auf Gran Canaria – eine der spektakulärsten Trassen überhaupt! Kurven ohne Ende, die sich perfekt asphaltiert durch das Bergland "Los Cumbres" winden, in dem gewaltige Felsnadeln wie gigantische Finger in den Himmel ragen. Eine Wunderwelt. Wie auch der Rest der Insel, deren wilde Topographie eine perfekte Mischung aus grandioser Landschaft und spaßigem Motorrad-Revier bietet. Dazu die ewige Frühlingssonne – so sehen ideale Bedingungen für die kleine Winterflucht aus.

 

 

Foto: Eisenschink

Mainhatten

Wer hierzulande echt amerikanische Gefühle sucht, wird in Frankfurt am Main am Nachhaltigsten bedient. Ein Cruising-Trip durch die Häuserschluchten der Bankenmetropole sucht in Deutschland seinesgleichen. Für die optimale Mainhatten-Stadtrunde im Süden (Sachsenhausen) einsteigen und via Untermainbrücke und Neue Mainzerstraße mitten reinhalten. Am Eschenheimer Turm westlich zur Alten Oper drehen und auf der Mainzer Landstraße zur Messe und am prächtigen 20.-Jahrhundertwende-Bahnhof vorbei zurück zum Main brettern. Funktioniert mit und ohne Harley, nur nicht im Berufsverkehr.

 

 

Foto: Schröder

Französische Schluchten

"Corniche Sublime" – diesen Namen bitte merken. Denn wir reden hier über die Königin aller Panoramastraßen, die sich rund 80 Kilometer weit lässig am Rand des Grand Canyon du Verdon entlanghangelt – teils 700 Meter über dem Fluss. Die genialsten Aussichtspunkte: "Balcons de la Mescla" (250 Meter hoch gelegene Felsterrassen), "Tunnels de Fayet" sowie "Cirque de Vaumale", der höchste Punkt der Straße. Leider herrscht dort im Sommer viel Trubel. Deshalb ein weiterer Tipp als Alternative: George du Tarn in den Cevennen, der sich südlich von Sainte Enimie erstreckt. Dort geht’s trotz hemmungsloser Streckenführung wesentlich ruhiger zu.

 

 

Foto: Eisenschink

Slowenien

Die Mangart-Auffahrt in Slowenien – immer noch eine der attraktivsten Strecken der Ostalpen und bis vor wenigen Jahren Dorado für die Offroad-Fraktion. Doch trotz Asphalt und Maut hat das einstige Militärsträßchen nichts von seinem Reiz verloren. Nach wie vor der Endpunkt der zwölf Kilometer langen Auffahrt: der 2100 Meter hohe Mangart-Sattel mit Mega-Aussicht auf die grauen Felsen der Julischen Alpenkette. Der Triglav-Nationalpark, der fast den gesamten Alpenanteil Sloweniens umspannt, gilt ohnehin als hochattraktives Reiseziel für Motorradfahrer.

 

 

Foto: Seitz

Sella-Runde

Kaum ein anderes Gebiet in den Alpen verfügt über so bizarre Felsen, Zinnen und Zacken wie die Dolomiten. Das Herzstück der Region: die imposante Sella-Gruppe. Eine kantige Festung aus Granit, die den Namen Kunstwerk verdient. Drum herum haben die Straßenbauer mächtig in die Hände gespuckt und eine magische Pässerunde in den Stein gehauen, die selbst anspruchvollsten Fahrern regelmäßig Tränen in die Augen treibt: Grödner Joch, Sella-Joch, Passo Pordoi und Passo di Campolongo. Die Sella-Runde – insgesamt rund 10000 Höhenmeter! – gilt uneingeschränkt als der größte Spaßmacher in der östlichen Alpenhälfte. Basta.

 

Norddeutschland

Die norddeutsche Tiefebene hat unter Motorradfahrern nicht den besten Ruf. Kaum Kurven, keine Pässe. Egal, denn dieser Landstrich lockt mit anderen Vorzügen. Zum Beispiel die Strecke zwischen Grasberg, Worphausen und Worpswede, die durch das einst unzugängliche Teufelsmoor führt. Zwar bolzgerade, aber dennoch ein Traum. Warum? Es ist die grandiose Weite des Landes. Und es sind diese einzigartigen Alleen. Kilometerlang.

 

 

Foto: Seitz

Dänemark

Der Strand von Skiveren ist die nordische Antwort auf Daytona Beach. Nur dass es dort viel relaxter zugeht. Auf der einen Seite das tosende Wasser, auf der anderen meterhohe Sanddünen und unterm Profil ein überraschend fester Untergrund, um gelassen gegen den Wind zu cruisen und die Weite des Landes zu genießen. Wo genau? Die Ortschaft Skiveren liegt in der Nähe von Hirtshalts im Norden Dänemarks. Wer schon mal hier ist, sollte sich auf keinen Fall die benachbarten Sanddünen-Gebiete von Rubjerg Knude sowie von Rabjerg Mile entgehen lassen – hundert Prozent Sahara-Stimmung im Norden von Europa.

 

 

Foto: Johann

Norwegen

Trollstigen–Geiranger–Dalsnibba: Diese 100 Kilometer zählen zu den spektakulärsten in Norwegen. Die berühmten Trollstigen als Aperitif, dann stetig bergab durch ein einsames Tal zum Norddalsfjord, wo die Fähre wartet. Am anderen Ufer schraubt sich die RV63 bergan, bis ein Aussichtspunkt hoch über dem Geiranger-fjord zu einer Vollbremsung nötigt. Aber der Höhepunkt steht noch bevor: das 23 Kilometer lange Kurvenensemble bis zum Dalsnibba. Der Panaromablick vom 1494 Meter hohen Gipfel auf den Geiranger raubt den Atem.

 

 

Foto: Deleker

Amalfiküste

An attraktiven Küstenstraßen herrscht in Italien gewiss kein Mangel. Doch eine schlägt sie alle: die "Amalfitana", jene rund 40 Kilometer lange Kurvenorgie zwischen Salerno und Positano, die abwechselnd am Meer oder in den Felsen des Lattari-Gebirges entlangführt. Türkis schimmerndes Wasser, traumhaft schöne Buchten, Terrassen mit Wein und Zitronen – malerischer kann eine Landschaft nicht sein. Die Ortschaften, allen voran Amalfi, sind eine Klasse für sich. Mehr Italien? Unmöglich. Leider weiß das auch der Rest der Welt. In den Ferienmonaten oder an Wochenenden geht hier nichts mehr, weil Reisebusse im Konvoi stauen. Kenner kommen im Frühjahr oder im Herbst.

 

Seealpen

Gäbe es eine Liste für historisch besonders bedeutende Pässe – der Col de Turini wäre ein Kandidat für die vorderen Plätze. Die Strecke in den französischen Seealpen galt viele Jahre als spektakulärste Etappe der Rallye Monte Carlo. Hier wurde – stets bei Dunkelheit – so heftig um Positionen gekämpft, dass nur noch von der "Nacht der langen Messer" geredet wurde. Kurvenfanatiker sollten diesen Anstieg zwischen St. Martin-Vésubie und Monaco ausschließlich bei Tage unter die Räder nehmen. Die Westrampe des 1604 Meter hohen Passes lockt mit 19 engen Kehren, unzähligen S-Kurven und dem vermutlich griffigsten Asphalt im gesamten Alpenraum.

 

 

Foto: Jahn

Südfrankreich

Der "nur" 900 Meter hohe Col de l’Espigoulier nahe der ehemaligen GP-Strecke Paul Ricard östlich von Marseille ist der Kurvenknaller der Provence. Allein der Anblick der Strecke auf dem Foto dürfte für Herzrasen sorgen. Und wer schon mal dort ist, sollte unbedingt auf die wild gewundenen Straßen rund um Collobrières im Maurischen Gebirge abbiegen. Oder die knackige Route de Crêtes zwischen Cassis und La Ciotat unter die Räder nehmen. Der beste Zeitraum dafür: Herbst und Frühjahr.

 

 

Foto: Seitz

Nordspanien

Schon mal etwas vom Puerto de San Isidro gehört? Vermutlich nicht, denn dieser Pass (großes Bild) windet sich nicht durch die Alpen, sondern durch die kantabrische Kordillere im Nordwesten von Spanien – eine wild zerklüftete Berglandschaft, die in der Felsenbastion "Picos de Europa" zwischen Santander und Oviedo ihren Höhepunkt erreicht. Schade nur, dass man für dieses tolle Terrain eine überaus lange Anfahrt in Kauf nehmen muss. Aus diesem Grund gibt es für Spanien einen weiteren Streckentipp: Die Auffahrt zum Kloster von Mare de Déu del Mont im Süden der Pyrenäen, die auf halber Strecke zwischen Figueras und Besalu in nördliche Richtung abzweigt. Einen noch kurvigeren Weg? Schwer vorstellbar in diesem Teil Europas. Zudem belohnt die Strecke am Ende mit einem fantastisch gelegenen Aussichtspunkt. Bester Zeitpunkt, um hier zu stranden: kurz nach Sonnenuntergang, wenn sich die Berge der Pyrenäen als wild gezackte Silhouette vor einem ausbreiten.

 

 

Foto: Deleker

Deutschland

Großes Kino – anders kann man das spätherbstliche Farbenspiel der Natur entlang der Mosel nicht nennen, wenn die Weinberge und Buchenwälder ein rotes, gelbes und orangenes Feuerwerk abziehen. Die besten Ausblicke bieten sich zwischen Cochem und Bernkastel-Kues (tolle Altstadt!). Die Festungsanlagen Burg Eltz und die Reichsburg (oberhalb von Cochem) sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen.

 

 

Nordsee

Kurven und Kehren finden sich in Bremerhaven leider nicht. Dafür lockt die Stadt an der Nordsee mit einer hochgenialen Strecke durch den Überseehafen: die Franziusstraße. Riesige Dampfer, Schleusen, Werften und Kräne – alles zum Anfassen. Den besten Überblick bietet ein Aussichtsturm aus übereinander gestapelten Containern. Der Ort für eine Pause: "Treffpunkt Kaiserhafen – die letzte Kneipe vor New York", wohl die kurioseste Seemannspinte überhaupt.

 

 

Foto: Daams

Normandie

Tolle Strände, fantastische Klippenformationen und eine Küstenstraße, die das Zeug zum Klassiker hat: die Strecke entlang der Baie d‘Ecalgrain am äußersten Westzipfel der Contentin-Halbinsel in der Normandie. Die maritime Stimmung ist auf jeden Fall schwer zu überbieten. Der Weg dorthin führt ab Le Havre zu den Orten der alliierten Invasion von 1944. Ebenfalls besonders sehenswert: Honfleur, einer der schönsten Orte und Anlegeplätze der Normandie.

 

Schweiz

Susten-, Grimsel- und Furkapass – mehr geht kaum. 6825 (mautfreie!) Höhenmeter und gefühlte 10000 Kurven und Kehren rund um das gewaltige Dammastock-Massiv und den Rhonegletscher. Diese Pässekombination bietet mit ihrer abartig geilen Streckenführung alpine Eindrücke in Vollendung.

 

 

Foto: Johann

Korsika

Korsikas schönste Strecke? Keine leichte Frage. Die wilde Westenküstenroute zwischen Calvi und Porto? Der magische Bavella-Pass im tiefen Süden? Oder doch die Umrundung von Cap Corse? Alles Fahrträume, doch unser Tipp ist jener nur wenige Kilometer lange, aber abends in flammendem Orange glühende Steilküstenabschnitt Les Calanches zwischen Porto und Piana. Kaum handtuchbreit liegt dort die Küstenstraße hoch über dem tief-blauen Meer in den Fels gemeißelt. Megaschön und Sundowner-Szenario allabendlich. Bis auf den Moment, wenn ein durchgeknallter Reisebusfahrer auf den gleichen Trip kommt. Dann herrscht Endzeitstimmung in Korsikas mittlerem Westen.

 

 

Foto: Schröder
Italien

Südlich des Gran Paradiso (4061 Meter) sprengten die Straßenbauarbeiter eine Trasse in den Fels, die mit Sicherheit so überlaufen wäre wie das Stilfser Joch, wenn sie nicht als Sackgasse enden würde: Der Colle del Nivolet führt dermaßen verwegen bis auf eine Höhe von 2612 Metern, dass man sich oben fragt, wo man bisher eigentlich seine Zeit vertrödelt hat. Dass man den gleichen Weg wieder zurückfahren muss – der Asphalt endet an der Grenze zum Nationalpark Gran Paradiso –, ist wahrlich kein Nachteil. Die "Bergab-Perspektiven" auf den dunkelblauen Lago Agnel und den jadegrünen Lago Serrù hauen selbst erfahrene Alpinisten aus dem Sattel. Die Anfahrt zum Pass erfolgt über Ivrea an der A 5 zwischen Aosta und Turin.

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