Über England nach Skandinavien (Infos)

Diese Tour kann bedenkenlos Menschen empfohlen werden, die gleichermaßen gern zu Lande wie zu Wasser unterwegs sind. Für sie bietet diese Route absolute Erfüllung. Und da die Fährpassagen Übernachtungskosten sparen, ist’s gar nicht mal so teuer.

Anreise + Seewege
Nach England und Norwegen führen eine Vielzahl von Wasserwegen, wie die Fährenübersicht ab Seite 122 zeigt. Wir haben besonders lange und schöne Überfahrten gewählt. So ist Cuxhaven–Harwich mit der 18-stündigen Übernacht-Fähre von DFDS Seaways die ausführlichste Möglichkeit, nach England zu gelangen. Unser Hintergedanke: das Schiff als mobiles Hotel nutzen. Per Schnellfähre Calais–Dover könnte man die Überfahrt in einer Stunde abwickeln. Doch wohnt man nicht gerade im äußersten Westen Deutschlands, setzt die Anreise zu den Kanal-Fährhäfen meist ohnehin eine Übernachtung vor oder nach der Überfahrt voraus. Außerdem sind lange Überfahrten oft nicht viel teurer als die begehrteren kurzen. Der Tipp: Außenkabine buchen – der Meeresblick ist den Aufpreis zur fensterlosen Innenzelle unbedingt wert. Zumal einfache Viererkabinen mit Stockbetten meist erschwinglich sind. Rechtzeitig reservieren! Im Gegensatz zu vielen Mittelmeerfähren wird die coole Übernachtung auf Deck mit Isomatte und Schlafsack auf den Nordrouten in der Regel nicht erlaubt. Hier ist die billigste Möglichkeit der Pullmannsitz. Leider hat DFDS Seaways dieses Jahr den Rundkurs von Cuxhaven–England–Skandinavien von Kristiansand ins dänische Esbjerg verlegt. Dafür ist nun wieder Newcastle–Bergen möglich. Allerdings mit Fjordline. Alle Details – auch für die Rückreisemöglichkeiten nach Deutschland – ab Seite 122.

Die Strecke
Wir haben bei der Tour Wert auf größtmögliche Vielfalt und Kontraste gelegt: vom fast tropisch-mediterranen Südengland bis zum vergletscherten Hochgebirge in Südnorwegen, wo bereits Breitengrade von Alaska und Yukon erreicht werden. Wer mehr Zeit hat, kann sich außer Cornwall an der Südwestspitze noch den Lake District in Nordengland ansehen (Reisebericht in MOTORRAD 16/2002) oder schließt eine knackige Schottlandrunde an. Besonders reizvoll: die Küstenroute im Westen und Norden (Heft 7/2001). In Südnorwegen ist man bereits im optimalen Terrain unterwegs, da dort die landschaftlichen Highlights des Landes liegen (Heft 17/2003). Hier lohnt eher die Intensivierung als Erweiterung des Aktionsraums. Echte Abenteurer und Kilometerfresser können aber auch die Route über den Polarkreis bis nach Schweden und Finnland erweitern (Heft 10/2001). Bis Russland ist es dann ebenfalls nicht mehr weit.

Reisezeit
Die Hochsommermonate Juli und August eigenen sich am besten, da bei Motorradreisen im Norden die Priorität auf maximaler Wärme und Trockenheit (na ja!) liegen muss. Unbedingt regensichere und warme Kleidung sowie Mückenschutzmittel mitnehmen.

Übernachten
Wie die Länder, so die Quartiere. England ist das Land der kontaktfreudigen Menschen und damit der privaten Bed&Breakfast-Quartiere, die es ab 20 Pfund (29,50 Euro) pro Nase und mit meist üppigem Frühstück gibt. In Norwegen wird dagegen eher auf Natur und Selbstversorgung gesetzt und in rustikalen Hütten genächtigt. Beide Formen sind jeweils ausgesprochen landestypisch, daher am weitesten verbreitet und am preiswertesten. Die an den Straßen ausgeschilderten (sowie auf den genannten Karten verzeichneten) Hütten liegen häufig an Seen, Flüssen oder auf Campingplätzen. Einfache Modelle beginnen ab 30 Euro pro Nacht und sind in der Regel mit vier Stockbetten für Schlafsackübernachtung, Heizung, einer Kochgelegenheit mit Geschirr und Sitzecke ausgestattet. Sanitäranlagen sind meist separat und liegen auf (gutem) Campingplatzniveau.

Literatur
Über Südengland informiert sehr gut das DuMont-Reisetaschenbuch »Cornwall, Somerset, Devon, Dorset« für zwölf Euro. »Südnorwegen« wird in derselben Reihe ebenfalls gut beschrieben. Wer es ausführlicher mag, greift zu »Südnorwegen« von Reise Know-How für 19 Euro. Karten: In England hat sich neben einer Michelin-Übersichtskarte in 1:1 Million die vierblättrige Regionalserie desselben Verlags in 1:400000 bewährt, die genügend Details bei ausreichender Übersicht bietet. Für die Tour: Blatt 503, England Süd-West, Wales, Midlands. Kartenliebhaber finden beim britischen Ordnance Survey Verlag (www.ordnancesurvey.co.uk) topografische Serien in mehreren Maßstäben. Sie reichen von der Wanderkarte bis zur höhenprofilierten Straßenkarte im Maßstab 1:250000. Problem: in Deutschland schwierig zu kriegen. In Norwegen kommt Kümmerly & Frey mit den Blättern Süd- und Mittelnorwegen I in 1:325000 zum Einsatz sowie die Skandinavien-Übersichtskarte von Mairs in 1:800000.
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