Und dann: zurück

Das Ziel war das Ziel. Und diesem Ziel wurde alles untergeordnet. Jede Pause nicht länger als nötig, jede Etappe so lang wie möglich, keine Erholung. Aber jetzt. Unbedingt. Den völlig zerschossenen Biorhythmus wieder ins Lot bringen. Denn der Körper will nicht mehr, kann nicht mehr. Muss auf dem Weg zurück nach weniger als 100 Kilometern schon ruhen, muss schlafen, egal wo, und sei es auf der von Steinen durchsetzten Wiese irgendwo am Straßenrand. Den Rucksack als Kissen unterm Kopf. Licht aus, wenigstens für eine Stunde. Um den völlig leer gesaugten Akku wieder aufzuladen, ein bisschen zumindest.
Nicht umsonst erwischt es die meisten Bergsteiger erst nach dem Gipfel, bleiben die meisten auf der Strecke, weil sie sich, ausgepowert und übermüdet, für den Abstieg schlicht zu viel zumuten. Also pro Tag nicht mehr als 300 Kilometer fahren. Von denen aber jeder einzelne sich zieht, als wären es zwei. Von denen jeder einzelne erst deutlich macht, wie endlos weit der Weg zum Kap gewesen ist, wie er nicht nur ans Ende Europas geführt hat, sondern auch ans Ende der eigenen Belastbarkeit, der eigenen Kräfte.
Überhaupt: nicht mehr nur fahren, fahren, fahren. Sondern, jetzt doch, den Weg zum Ziel machen. Nebenstraßen entlangschleichen und das wahrnehmen, was vorher einfach vorbeigerauscht ist: Landschaften, so rau wie die schottischen Highlands, imposant wie die 4000er der Alpen, lieblich wie die oberitalienischen Seen, menschenleer wie der Mond.
Für die Nacht eine Hütte mieten, statt Tütenfraß und Müsliriegel reinzustopfen in Ruhe einen Teller Nudeln essen. Und: duschen. Eine Viertelstunde unter warmem Wasser stehen und neben dem erbärmlichen Gestank die
ganze Anspannung den Ausguss runterspülen. Später dann, mit einer Dose Bier am Fjord sitzend die
Frage: Wie lang würde man wohl mit dem Mofa brauchen, von Berlin nach Gibraltar?
Anzeige

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel