Ungarn (2)

Foto: Seitz
Ungarn, MOTORRAD 12/2003
Ungarn, MOTORRAD 12/2003
Mich zieht es weiter in den Süden Ungarns. In der Nähe von Villány gelange
ich schließlich zu einem stillgelegten Steinbruch, der bereits seit Jahrzehnten Bildhauern als Freiluftatelier dient. Eine merkwürdige Szenerie, die sich da vor mir ausbreitet: Die zu Stein gewordenen Ideen der Künstler wirken wie Gebilde aus einer anderen Welt. Wieder zurück in Villány, gönne ich mir eine kurze Pause in einer urigen Weinstube. Ein älterer Herr spricht mich nach einer Weile an – auf deutsch. Ich erfahre, dass seine Urgroßeltern und die der meisten anderen Dorfbewohner aus Schwaben stammten. In ein paar Sätzen erzählt er mir seine Geschichte, berichtet davon, dass viele, nachdem sie Deutschland verlassen hatten, hier anstatt Wohlstand nur Leid und Armut gefunden hätten.
Anzeige
Foto: Seitz
Ungarn, MOTORRAD 12/2003
Ungarn, MOTORRAD 12/2003
Aber im Laufe der Jahre hätten es die „Donauschwaben“ schließlich durch Fleiß und Arbeit doch zu ein klein wenig Wohlstand gebracht. Und heute seien sie besonders stolz auf ihre guten Weine.

Es heißt, dass der Himmel über Ungarn etwas weiter sei als anderswo auf der Welt. Je weiter ich in die ungarische Tiefebene gelange, desto mehr verstehe ich diesen Satz. In allen Richtungen breitet sich eine Weite aus, wie man sie in Europa nicht erwartet. Bei Baja überquere ich die Donau und fahre ein Stück nach Norden bis Kalocsa. Hier wird Ungarns wohl größter Exportschlager angebaut: Paprika. In unzähligen Reihen wachsen Hunderttausende der kleinen feuerroten Schoten heran oder hängen zum Trocknen in der Sonne. Im nahen Kalocsa, sozusagen der Paprika-Hauptstadt, ist die Luft sogar von einem äußerst würzigen Duft geschwängert – dort wird aus den Schoten feines Pulver hergestellt.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote