Ungarn Weit und würzig

Kurven und Pässe? Nein, dafür ist Ungarn sicher nicht bekannt. Aber Gründe, um dorthin zu fahren, finden sich zwischen Plattensee, der ewig flachen Puszta und der quirligen Metropole Budapest zuhauf.

Foto: Seitz
Ungarn-Reise, MOTORRAD 12/2003
Ungarn-Reise, MOTORRAD 12/2003
Vor mir erstreckt sich im silbrigen Grau der Plattensee. Allerdings ist es – von Westen kommend – gar nicht so leicht, direkt bis ans „Meer der Ungarn“, wie Europas größtes Binnengewässer von den Einheimischen stolz genannt wird, zu gelangen. Als würde der See sich vor ungebetenen Gästen schützen wollen, sind viele Uferbereiche mit dichtem Schilf bewachsen. Ein Paradies für allerlei Wasservögel, und tatsächlich sind die Schilfbestände so groß, dass damit auch heutzutage noch Dächer gedeckt werden – Badefans kommen erst an den feinsandigen Stränden bei Siófok am Südufer auf ihre Kosten.

Dort angelangt, kehre ich dem See den Rücken zu und schlage Kurs Süd ein, peile den Ort Bedegkér an. Auf einmal werden die Wege kleiner, die Orientierung fällt zunehmend schwerer. Die einspurige Straße schleicht sich etwa zehn Kilometer durch dichte Wälder, und kurz darauf bin ich zwischen abgeernteten Feldern auf einer welligen Trasse unterwegs, passiere einige schmucklose Dörfer. Hinter Bedegkér ist der Teer dann endgültig zu Ende.
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Foto: Seitz
Ungarn-Reise, MOTORRAD 12/2003
Ungarn-Reise, MOTORRAD 12/2003
Aber irgendwie kann ich den eingeschlagenen Kurs auf den recht sandigen Wegen halten und gelange so nach einiger Zeit in das Mecsek-Gebirge. Na ja, Gebirge ist etwas übertrieben. Auf jeden Fall ist die Ecke bucklig genug, um von einer herrlich kurvigen Straße durchschlängelt zu werden. Die Strecke von Abaliget hinauf nach Pécs ist Labsal für jede Bikerseele. Eine echte Überraschung. Wie die Pracht von Pécs, die ich nach den eher ärmlichen Provinznestern nicht erwartet hätte. Mit einem Schlag fühle ich mich in das „alte“ Ungarn versetzt, staune im Stadtzentrum am Széchenyitér-Platz über tolle historische Gebäude, die von einst glanzvollen Zeiten zeugen und inzwischen teilweise hervorragend restauriert sind. Natürlich werfe ich auch einen Blick in die einstige Moschee des Pascha Kasim Gezi, die während der Herrschaft der Türken im 16. Jahrhundert errichtet wurde. In dem mächtigen Kuppelbau befindet sich heute allerdings die katholische Marienkirche. Wenn das der Pascha wüsste...

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