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Unterwegs: Vulkaneifel Unterwegs auf der Vulkanstraße der Eifel

Vor 11000 Jahren brach in Deutschland zuletzt ein Vulkan aus. Mitten in der Eifel. Die Spuren der gewaltigen Eruptionen sind auf einer Tour entlang der Deutschen Vulkanstraße noch deutlich zu sehen.

Die Katastrophe begann harmlos, unsichtbar und unterirdisch. Monatelang stieg Magma aus dem Erdinneren auf. Bis das 1200 Grad heiße flüssige Gestein auf Grundwasser traf, das schlagartig verdampfte. Eine gewaltige Explosion riss die Erde auf, Asche, Bimsstein und Lava schleuderten aus dem brandneuen Krater. Island im April 2010? Mitnichten, denn der Ausbruch des Eyjafjallajökull war nur eine leichte Blähung gegenüber dem Inferno, das vor gut 11000 Jahren in der Eifel losbrach.

Der Vulkan jagte seine Aschewolke 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre, selbst in Schweden und Italien regnete es schwarzes Pulver. Die Lava wälzte sich hinunter zum Rhein, staute den Fluss zu einem 40 Kilometer langen See, bis die Wasserkraft so stark war, dass sie den glühend heißen Damm durchbrach. Die Flutwelle schwappte bis in die Nordsee. Nach zwei Wochen Dauerfeuer war die Magmakammer leer, sie stürzte ein und füllte sich mit Wasser, die Geburtsstunde des Laacher Sees. Heute beginnt hier die Deutsche Vulkanstraße, die auf 280 Kilometern Länge überraschende Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Eifel ermöglicht.

Wir starten die XT am Ufer des Laacher Sees, wo Segelboote in abenteuerlicher Schräglage übers Wasser rauschen, und rollen nach Mendig. Viele Häuser der kleinen Stadt sind aus Basaltlava erbaut, dem schwarzen Gold der Eifel. Noch immer wird die Lava in Steinbrüchen gefördert, wird als harter Basalt für Häuser und Pflaster verwendet oder als poröse Schaumlava, um Fundamente zu stabilisieren. Auch die örtlichen Brauereien wussten die Lava zu nutzen, sie lagerten ihr Bier lange in unterirdischen Basalthöhlen bei konstant niedriger Temperatur.

Rund um Mendig sind die Spuren des Vulkanismus kaum zu übersehen, seien es die alten, längst üppig bewachsenen Feuerberge wie der Krufter Ofen, die 50 Meter hohe aus Bims und Asche bestehende Wingbertsbergwand oder die längst verlassenen Steinbrüche bei Ettringen. An den senkrechten glatten Basaltsäulen turnen heute Kletterer hinauf, finden hier Routen bis in die oberen Schwierigkeitsgrade, ein einzigartiges und außergewöhnliches Trainingsrevier.

Nichts für mich, lieber lasse ich die XT über die Hügel klettern. Südlich von Mendig verliert die Landschaft ihren vulkanischen Charakter, schnurgerade legt sich die Straße in die sanften Wellen des Maifelds. Ein paar weiße Wolken segeln westwärts, der stramme Wind bringt Bewegung in die leuchtenden Mohnfelder. Zeit zum Cruisen, Zeit zum Träumen, natürlich von spektakulären Vulkanausbrüchen. Die Orte im Maifeld haben wenig Sehenswertes, ihre einfache Bauweise zeugt vom mangelnden Wohlstand des 19. Jahrhunderts.

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Foto: Deleker
Vor 11000 Jahren brach in Deutschland der letzte Vulkan aus und hinterließ eine wunderbare Landschaft. MOTORRAD begab sich auf die Spuren der Eruption in der Eifel und fand Sehenswertes. Hier die Burg Ohlbrück bei Niederzissen, die auf einem Vulkankegel steht.
Vor 11000 Jahren brach in Deutschland der letzte Vulkan aus und hinterließ eine wunderbare Landschaft. MOTORRAD begab sich auf die Spuren der Eruption in der Eifel und fand Sehenswertes. Hier die Burg Ohlbrück bei Niederzissen, die auf einem Vulkankegel steht.

Wenigstens sind die Ortsnamen originell: Ochtendung, Rüber, Mertloch und Alzheimer. Aber dann, nach ein paar adrenalinreichen Kurven, Monreal. Zwar abseits der Vulkanstraße, aber unbedingt besuchenswert. Wunderschöne rot-weiße Fachwerkhäuser, die ältesten haben schon an die 500 Jahre im Gebälk, direkt am Ufer der Elz. Und hoch über dem Ort zwei mittelalterliche Burgruinen.

Wir bleiben auf der rumpeligen Landstraße bis Ulmen, vor Urzeiten Schauplatz des letzten deutschen Vulkanausbruchs. Die Eruption konnte zwar mit der Gewalt der Laacher See-Explosion nicht mithalten, erschuf aber immerhin das Ulmener Maar. Die Maare gelten als die blauen Augen der Eifel, es gibt 75, wovon acht wassergefüllt sind. Bei Daun können wir gleich drei direkt nebeneinander bewundern, das Gemündener, Schalkenmehrer und Weinfelder Maar. Kreisrunde Seen, von grünen Kraterwänden eingerahmt. Den spannendsten Blick auf die blauen Augen verspricht ein Rundflug vom nahen Flugplatz. Heute startet allerdings kein Flieger, es ist zu windig. Schade, dass die XT nicht fliegen kann.

Dann bleiben wir eben bodenständig und schwingen südwärts zur Lavabombe von Strohn. Lavabombe - das klingt dramatisch nach Krieg der Vulkane. Tatsächlich lesen wir auf der Infotafel von Spindelbomben, Brotkrustenbomben und Zylinderbomben. Der steinerne Riesenfußball hat sechs Meter Durchmesser und wiegt 120 Tonnen, ist aber ganz harmlos entstanden, hat beim Bergabrollen wie ein Schneeball Asche und Steine aufgesammelt bis er einfach liegen blieb. Erstaunlich, wie kreativ Vulkane sein können und was sie mit der Landschaft anstellen.

Wir bleiben unserem Fahrspaß-VulkanüberraschungsMix treu, suchen die kleinen kurvigen Straßen, oftmals eifeltypisch mit Generationen von Teerflicken verziert, und flitzen zur nächsten Attraktion. Wie wär es mit einem Geysir mitten in der Eifel? Dachten wir bisher, Geysire wären eine Spezialität von Island oder Yellowstone, bringt uns der Reiseführer nun zum Wallenborner Geysir, dem Brubbel. Mit seinen berühmten Namensvettern kann der Brubbel zwar nicht mithalten, aber immerhin spritzt auch er regelmäßig bis zu vier Meter hoch. Treibstoff ist allerdings nicht die vulkanische Hitze im Untergrund, sondern Kohlendioxid. Der süße Brubbel hat sogar einen großen Bruder. Bei Andernach am Rhein springt der größte Kaltwassergeysir der Welt bis zu 60 Meter hoch. Auch er wird von Kohlensäure befeuert.

Wir brubbeln weiter, genießen den perfekten Sommertag und die fast verkehrsfreien Nebenstraßen der Eifel. Die meisten davon kennen wir auswendig von unzähligen Tagestouren. Wer in der Eifel wohnt, hat schließlich eins der besten Motorradreviere direkt vor der Haustür. Umso erstaunlicher, dass wir bisher meist ahnungslos an den Spuren der heißen Ära vorbei gefahren sind. Erst der Vulkanreiseführer öffnet die Augen für die Details am Wegesrand.

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Foto: Deleker
Der Treibstoff des Wallenborner Geysirs
Der Treibstoff des Wallenborner Geysirs "Brubbel" ist Kohlendioxyd, nicht Hitze.

Kurz hinter Pelm glauben wir plötzlich einen aktiven Vulkan zu entdecken. Schwarzer Rauch steht über dem Wald, bewegt sich allerdings merkwürdig schnell voran. Ein reisender Vulkan? So ähnlich, denn Feuer und Wasser sorgen auch hier für mächtig Dampf, allerdings nicht im Krater sondern im Kessel der 52 6106. Jeden Mittwoch donnert die alte Güterzugdampflok der Museumsbahn Vulkaneifel mit ihren Waggons von Gerolstein nach Ulmen. Ein optischer und akustischer Leckerbissen. Weniger gelungen ist der pompöse optische Auftritt des Freizeitparks am Nürburgring, der mittels äußerst dubioser Finanzierung an die legendäre Rennstrecke betoniert wurde. Wochentags herrscht hier tote Hose, nur auf der Nordschleife drehen Testfahrer in automobilen Prototypen ihre Runden, loten die Grenzbereiche von Reifen, Motoren und Fahrwerken aus.

Das Quietschen der Reifen können wir noch hören, als wir auf den Gipfelturm der Hohen Acht, mit 747 Metern höchster aller Eifelberge, klettern. Die Aussicht ist der Hammer. Wir entdecken sogar die Spitzen des Kölner Doms. Und viele der 350 Eifelvulkane. Wäre nicht schlecht, wenn jetzt einer von ihnen ausbrechen würde. Ein absurder Gedanke? Keineswegs, denn längst sind sich die Geologen einig, dass sich die Eifelvulkane nur eine Pause gönnen. Die Erdkruste ist hier viel dünner als anderswo. Und nur einen Kilometer unter dem Laacher See ist der Boden fast 70 Grad warm, ein deutliches Zeichen für Magma in der Tiefe. Fast logisch also, dass der Geologe Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg ein neuerliches Feuerwerk erwartet: "Vielleicht geht es erst in Jahrtausenden los. Oder schon in ein paar Jahren." Es brodelt jedenfalls permanent unter der Eifel-Erdkruste. Doch Vulkane haben einen langen Atem: Die Pause vor dem letzten Ausbruch des Laacher-See-Vulkans dauerte 100 000 Jahre. Dass es jetzt wieder so lange dauert, darauf kann man sich keinesfalls verlassen. Also bis zum nächsten Ausbruch noch so viel Motorrad fahren wie möglich auf den kurvigen Eifelsträßchen...

Zeichnung: Werel

Infos

Nur einige von vielen Gründen für einen Trip in die Eifel: verkehrsarme Kurvenstrecken, Nürburgring, Burgen, abwechslungsreiche Landschaft und Spuren explosiver Vulkantätigkeit.

Geologie:
Vulkanismus in der Eifel gibt es seit etwa 40 Millionen Jahren. Die letzte Ausbruchphase, in der auch die Maare entstanden, begann vor 30 000 Jahren. Die Eruption unter dem Laacher See war die stärkste, förderte etwa so viel vulkanisches Material wie der Ausbruch des Philippinen-Vulkans Pinatubo 1991, der gewaltigsten Explosion des 20. Jahrhunderts. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten  widmen sich Forscher intensiver den Eifelvulkanen und lokalisierten unter der Eifel eine so genannte Plume, eine Blase heißen Gesteins, sicheres Indiz für eine Magmakammer tief in der Erde.  Die Folgerung aus dieser Entdeckung ist für die Geologen klar: Die Eifelvulkane sind keineswegs erloschen, sondern ruhen sich nur aus, um eines Tages wieder auszubrechen. Wann und wo das passieren wird, lässt sich allerdings unmöglich voraussagen. Erdgeschichtlich betrachtet ist die Ruhephase seit dem letzten Ausbruch vor etwa 11000 Jahren nur ein Augenblick.

Die Route:
Die Deutsche Vulkanstraße ist etwa 280 Kilometer lang und verbindet seit vier Jahren 39 sehenswerte Zeugnisse des Vulkanismus. Sie führt zu den Schauplätzen der heißen Ära sowie zu Ausstellungen und Museen. So interessant die vulkanische Geschichte der Eifel auch ist, selbst ohne dieses Thema lohnt sich die Motorradtour, denn die Eifelstraßen sind wunderbar. Anreise über die A61 bis Ausfahrt Mendig. Infos unter www.deutsche-vulkanstrasse.com.

Sehenswert:
Den besten Einblick in den Eifelvulkanismus bietet der Lavadome in Mendig. Ausstellung, Infozentrum, Museum und Multimediashow stimmen auf das heiße Thema ein. Geöffnet täglich außer montags, Eintritt 6,50 Euro, www.lava-dome.de Weitere Infostellen gibt es im Rathaus Niederzissen und im Zentrum des Vulkansparks Rauschermühle: www.vulkanpark.com, www.geopark-vulkaneifel.de. Ebenfalls einen Besuch wert sind das Vulkanmuseum in Daun (www.eifel-vulkanmuseum.de), das Maarmuseum Manderscheid, der Lava-Keller in Mendig, der Ringkrater Bausenberg bei Niederzissen, das Meerfelder Maar, der Geysir bei Andernach, die Benediktinerabtei Maria Laach und das Vulkanhaus in Strohn. Motorsportenthusiasten steuern natürlich den Nürburgring an.

Unterkunft:
Gediegen und ideenreich: Dorint Hotel & Resort Daun/Vulkan-eifel, Im Grafenwald, 54550 Daun, Telefon 0 65 92/71 30, www.dorint.com/de/hotel-daun-eifel. Günstig und familiär: Pronsfelder Hof, Hauptstraße 79, 54597 Pronsfeld, Telefon 0 65 56/2 65, www.pronsfelder-hof.de

Literatur:
Kompakt und informativ: Reiseführer Deutsche Vulkanstraße, Görres-Verlag, 12,80 Euro. Auf 250 Seiten alles Wissenswerte entlang der Straße. Zusammen mit der „Geotouristischen Karte Nationaler Geopark Vulkanland Eifel“ im Maßstab 1:100 000 lassen sich alle Ziele sicher finden.

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