Unterwegs: BMW GS-Trophy im südlichen Afrika Motorradabenteuer mit BMW F 800 GS

Abenteuerlust, Improvisationstalent, Fahrfreude, Teamgeist und waches Interesse an Land und Leuten. Das gehört zum Motorradreisen genauso dazu wie zur Teilnahme an der BMW GS-Trophy.

Foto: Schwarz

Wütend jagt der Elefantenbulle die Meute der 800er durch den südafrikanischen Busch. Diese motorradfahrenden Eindringlinge wissen anscheinend nicht, wer hier im Phinda Game Reserve das Sagen hat. Auch wenn der sechs Tonnen schwere Elefant noch jung ist und nur einen Scheinangriff läuft, wird doch allen Teilnehmern spätestens jetzt klar, dass die Trophy kein Rennen, sondern echtes Abenteuer ist. Ein großes Gemeinschaftserlebnis, das von Herausforderung, Schweiß, Neugier und vor allem von Spaß gewürzt wird. Gewinnen kann jetzt nur noch ein Team, kein Einzelfahrer mehr. Die Teilnehmer müssen mit Grenzerfahrungen rechnen, trotz aufwendiger Organisation ist in Afrika längst nicht alles penibel planbar.

Das Organisationsteam um Tomm Wolf hat in achtmonatiger Arbeit einen 2000 Kilometer langen Loop durch Südafrika, Swasiland und Mosambik ausgekundschaftet und vorbereitet. Eine Woche lang Sand, Schotter, Schlamm, Flussdurchfahrten, Single Trails, Asphalt mit Schlaglöchern, tief genug, um ein Motorrad zu verschlucken. Start- und Endpunkt ist Touratech Südafrika in Johannesburg. Die Tagesetappen sind maximal 340 Kilometer lang. Vorgesehen ist, dass zwei täglich wechselnde Teams von einem Marshall zu den insgesamt zwölf Sonderpüfungen geführt werden. Die sind mal mit, mal ohne Bike zu absolvieren.

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Ausrüstungsspezialist Touratech bereitete 50 nagelneue BMW F 800 GS und zehn 1200er GS mit zahlreichen schützenden und optimierenden An- und Umbauteilen auf das Afrika-Abenteuer vor. Auf diesen Motorrädern starten zehn Drei-Mann-Teams aus 13 Nationen: USA, Kanada, Schweden, Norwegen, Finnland, Deutschland, Österreich, Schweiz, Großbritannien, Italien, Spanien, Südafrika und Japan. Im Schlepptau haben sie jeweils einen Journalisten auf einer 800er. Mechaniker, Ärzte und Filmteams sitzen in Begleitfahrzeugen. Jede Menge Konfliktpotenzial bieten allein schon die unterschiedlichen Mentalitäten und kulturellen Eigenheiten, die in Grenzsituationen aufeinanderprallen. Da sind die lauten, impulsiven Spanier auf der einen und die stillen, immer freundlichen Japaner auf der anderen Seite der Extreme. Das Team Nordic ist ein Paradebeispiel für das klassische Kommunikationsproblem: Der Finne, der Norweger, der Schwede sprechen nur ihre Muttersprachen, die Teammitglieder müssen englisch parlieren.

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Foto: Schwarz

Die Begeisterung für das Motorradfahren Eint alle Teams. Überwindet alle kulturellen, mentalen oder physischen Unterschiede und verbindet in den härtesten Prüfungen. Einmal müssen sich je zwei Teams unter der sengenden Sonne Mosambiks durch 30 Kilometer Tiefsand zum Fischerdorf Ponta do Ouro wühlen. Punkte gibt es nur, wenn am Ende alle zusammen über die Ziellinie rollen. Gute Kondition und Sandfahrtechnik sind eine Sache. Selbstfindung, der Kampf, ein gutes Team zu werden, welches obendrein noch mit einem anderen kooperiert, eine andere. Südafrikaner und Japaner schaffen es zusammen, die Afrikaner müssen die asiatischen Sandneulinge permanent nach Stürzen ausgraben. "Das Härteste, was ich je erlebt habe", sagt einer. Am Ziel haben sich alle den Sprung in den Indischen Ozean verdient. Die Feuerquallen nicht.

Was zählt bei einer Rallye, bei der es nicht um Speed geht? Fahrkönnnen, Geschicklichkeit, Navigationskenntnisse, Teamgeist, Strategien, starke Nerven. Eine Kampfansage an den inneren Schweinehund also. Der Lohn sind zwischenmenschliche Überraschungen. Aus Rivalen werden bei den allabendlichen Lagerfeuergesprächen Freunde. Lohn ist auch das Fahren in grandioser Umgebung: zwischen Elefanten, Giraffen, Löwen, Nashörnern, Büffeln und Flusspferden - pures afrikanisches Leben. Winkende Kinder, die im Dreck spielen, einfache Lehmhütten mit Wellblechdach, Frauen, die anmutig schwere Lasten auf dem Kopf balancieren, Mangos, Bananen und Papayas, Ziegenherden und Ochsenkarren auf staubigen Wegen. An der Grenze nach Swasiland gibt es umsonst Kondome. Wegen der hohen Aidsgefahr. Am Ende gewinnt das Team Großbritannien: zwei Farmer und ein kettenrauchender Bauarbeiter. Wenn solche Typen die internationale GS-Trophy dominieren können, wird klar: Das ist kein Rennen, sondern eher ein extremes Reiseabenteuer.

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Infos

Südafrika, Swasiland und Mosambik im südlichen Afrika sind exotische Ziele, die auch ohne Trophy einen starken Abenteuercharakter haben. Die Armut in Mosambik erfordert Empathie und Fingerspitzengefühl.

Reisezeit:
Südafrika und Swasiland können das ganze Jahr über problemlos bereist werden, für Mosambik eignet sich die Zeit von April bis Oktober am besten.

Motorradfahren:

Südafrika verfügt über ein gut ausgebautes Straßen- und Tankstellennetz. In Südafrika, Swasiland und Mosambik herrscht Linksverkehr. Die Einfuhr des eigenen Motorrads gelingt mit einem Carnet de Passage. Als Eckpunkte einer Drei-Länder-Tour, die sich an den Offroadrouten der Trophy orientiert, können dienen: Touratech Südafrika in Johannesburg, "Country Trax" bei Amersfoort in Mpumalanga (www.countrytrax.co.za), Ghost Mountain, die Wildreservate Pongola und Phinda und das Dorf Ponta do Ouro.

Foto: Archiv

Übernachten:
In Südafrika finden sich Unterkünfte aller Kategorien und Preisklassen. Selbst das kleinste Nest hat ein Bed & Breakfast. In Mosambik steckt der Tourismus noch in den Kinderschuhen.

Literatur:
Südafrika, Stefan Loose Travel, Dumont Reiseverlag, 24,95 Euro. Karten mit Touratech-GPS-Koordinaten: Mosambik INFO-MAP, Best.-Nr. 090-1175, Swasiland INFOMAP, Best.-Nr. 090-1171.



Einwohner
Südafrika: 49991300
Swasiland: 1370424
Mosambik: 20300000
In Swasiland und Mosambik lebt die Bevölkerung mehrheitlich von 1 Euro pro Tag.

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