29 Bilder

Unterwegs: Isle of Man Die Tourist Trophy auf der Isle of Man

Einmal im Leben... Für viele Motorradfahrer steht die Tourist Trophy auf der Isle of Man ganz oben auf der Wunschliste. Doch Vorsicht: Wer das legendäre Straßenrennen miterlebt und die Gastfreundschaft der "Manx People" genossen hat, will wiederkommen. Jedes Jahr...

Ein breites Grinsen durchzieht das wettergegerbte Gesicht von Nigel. Der Sector Marshal ist für die Streckenposten am Parliament Square in Ramsey verantwortlich und gibt seiner Crew die letzten Anweisungen. Es ist Samstag, kurz vor elf. In einer Stunde sollen die Superbikes im ersten Rennen der TT 2010 starten. Phil, Garry, Stanley und Emma stellen die Absperrgitter auf und richten die dicken Schaummatten aus, die den Fahrern im "worst case" etwas Schutz vor einem allzu harten Aufschlag bieten. Die "Orange Army", wie die Streckensicherung hier im Volksmund heißt, hat den Job binnen Minuten erledigt. Und plötzlich sind 60 bis dahin ganz normale Straßenkilometer auf der Isle of Man zur Rennstrecke umfunktioniert. Schlecht für denjenigen, der noch mal schnell rüber auf die andere Straßenseite zu den Nachbarn will. Bis zum Ende des Rennens hat die Orange Army das Sagen. Die Uhr bis zur offiziellen Startzeit tickt weiter rückwärts, langsam füllen sich die Stehplätze an den Absperrungen. Besonders angesagt ist der "Swan" mit seinem schattigen Garten direkt am 90-Grad-Knick der Strecke. Aber auch die Total- und Shell-Tanken im Ort sind gut besucht, stellen sie doch neben einem freien Blick auch die Versorgung mit gut gekühlten Getränken sicher.

Nigel macht sich mit einem kleinen Eimer auf durch die Menge, schnell klimpern zahlreiche Münzen in das Behältnis. Wohlwollend betrachtet von Rudi Auen. Der Arzt aus Bonn schiebt freiwillig Dienst während der TT-Rennen: "Diese Spenden für den Einsatz der drei Rettungshelikopter sind Gold wert. Im Regelfall können wir bei einem Crash das Unfallopfer binnen fünf Minuten bergen und ärztlich versorgen." Der Straßenkurs auf der Isle of Man hat auch in seinem 103. Jahr nichts von seiner Gefährlichkeit eingebüßt. Enge Ortsdurchfahrten, Steinmauern, Bordsteine, Bäume und dichte Hecken prägen das Bild, Sturzräume sind nicht vorhanden. Weshalb die TT immer wieder von Todesfällen überschattet wird. In diesem Jahr kam für den Österreicher Martin Loicht und Paul Dobbs aus Neuseeland jede Hilfe zu spät.

100 Jahre TT auf der Isle of Man

Anzeige
Foto: Lohse

Selbst alte Hasen wie Karsten Schmidt aus Wathlingen bei Celle sind vor schweren Stürzen nicht gefeit. Der Niedersachse, Kampfname "SchmiTTi", startet seit 2003 auf der Isle of Man und hatte bei der diesjährigen TT Starts in allen Klassen inklusive der TT Zero, der Elektro-Bike-Klasse, auf dem Programm. Am zweiten Renntag verlor er aber bei Barregarrow, einem mit knapp 250 km/h sehr schnellen Streckenabschnitt, die Kontrolle über seine 600er-Honda und muss bis heute intensivmedizinisch behandelt werden. Und ohne Rettungshubschrauber läuft auch an diesem Samstag nichts.

Über Douglas hängt zäher Hochnebel und macht Starts und Landungen der Luftrettung unmöglich. Stunde um Stunde wird deshalb das Superbike-Rennen verschoben. Die Schaulustigen stört das kaum, die meisten wissen ohnehin um die Wetterabhängigkeit des offiziellen Zeitplans. In Grüppchen steht man zusammen, tauscht neuesten Nachbarschafts-Tratsch aus oder genießt einfach nur die Sonne, die in Ramsey wunderbar vom Himmel sticht. Die Unterhaltung dazu liefert Manx Radio, welches mit neuesten Infos aus der Boxengasse aus den Lautsprechern über den Parliament Square schallt.

Erst Stunden nach der offiziellen Startzeit röhrt der Porsche der Streckenleitung vorbei und bringt Bewegung in die Zuschauer. Das Rennen steht kurz bevor. Die Stimme des Radiokommentators überschlägt sich, als die Bikes im Zehn-Sekunden-Intervall die Startlinie am TT Grandstand in der Hauptstadt Douglas passieren. Auch bei Sector Marshal Nigel und seiner Crew ist Konzentration angesagt. Kaum zehn Minuten später kommen die ersten Bikes über die lange Lezayre Road hereingeschossen und gehen kurz vor dem 90-Grad-Knick am Parliament Square voll in die Eisen. Zwei Stunden dauert das Spektakel, und auch dann ist nur ein kurzes Durchatmen angesagt, bevor die Seitenwagen auf die Strecke stürmen, bei denen am Ende der Österreicher Klaus Klaffenböck mit Beifahrer Dan Sayle die Nase ganz vorn hat.

Es ist spät am Abend, als Nigel und sein Trupp von der Orange Army die Fahnen einrollen und Absperrgitter zur Seite stellen. Während Rennarzt Auen dem morgigen "Mad Sunday" mit gemischten Gefühlen entgegensieht ("Die meisten Unfälle passieren immer noch abseits der Rennen"), freut sich Nigel, den Kurs mit seiner flammneuen Aprilia RSV4 unter die Räder zu nehmen: "See you tomorrow, guys. Jumping over Ballaugh Bridge...

Anzeige
Zeichnung: Werel

Infos

Die Tourist Trophy 2011 liegt noch in weiter Ferne. Doch wer das legendäre Straßenrennen auf der Isle of Man besuchen will, sollte jetzt mit den Reiseplanungen anfangen.

TT 2011:
Die Rennen der Tourist Trophy finden traditionell immer Ende Mai/Anfang Juni statt. Los geht‘s im kommenden Jahr am 28. Mai. In der ersten Woche sind die Trainingsläufe angesetzt, in der zweiten Woche starten mit jeweils einem freien Tag dazwischen die Rennen. Das Eröffnungsrennen bestreiten die Superbikes am Samstag, 4. Juni. 2011 ist zudem ein besonderes Jahr für die TT: Die Bergstrecke ("Mountain Course") wird 100 Jahre alt. Alle Infos zur Veranstaltung: www.iomtt.com

Anreise:
Am schönsten ist es natürlich, die die Reise zur TT auf dem eigenen Bike anzutreten, um abseits der Rennen die Isle of Man auf spannenden Touren zu entdecken. Als beste Fährverbindung bietet sich die Nachtfähre vom belgischen Zeebrugge nach Hull an, anschließend rund 250 Kilometer quer rüber an die Westküste nach Heysham. Von da aus geht es per Fähre direkt nach Douglas auf die Isle of Man. Die Überfahrt Zeebrugge-Hull kostet inklusive Kabine und Motorrad hin und zurück rund 500 Euro (Buchung über www.poferries.de). Tipp: Das Abendessen ("All you can eat") gleich mitbuchen. Die Überfahrt Heysham-Douglas und zurück kostet nochmals rund 200 Euro (Buchung: www.steam-packet.com). Wer die kurze Fährverbindung Calais-Dover (ab zirka 120 Euro) bevorzugt, muss anschließend allerdings noch rund 550 Kilometer bis Heysham auf dem Landweg zurücklegen.

Unterkunft:
Klassisch mit Familienanschluss übernachtet man in Bed&Breakfast-Pensionen. Die Güte der Unterkünfte ist aber extrem schwankend. Wer sich auf das selbst gemachte Bett verlässt, nistet sich am besten auf den Campingplätzen an der Strecke ein. Tipp zur Unterkunftssuche: www.gov.im. Eine Alternative mit wunderbar britischem Charme und exzellentem Frühstück an der Harris Promenade in Douglas ist "The Sefton" (EZ ab 120 Euro, www.seftonhotel.co.im)

Zuschauen:
Frag zehn Leute und du wirst zwölf Geheimtipps bekommen, von wo man sich die Rennen der TT am besten anschaut. An spektakulären Stellen mangelt es wahrlich nicht: Ob man auf der (kostenpflichtigen!) Haupttribüne in Douglas oder (relativ) einsam in den Bergen steht. Unsere Tipps sowohl für die Rennen als auch fürs "Benzingeplauder" am Mad Sunday: Der Parliament Square in Ramsey mit Pub "The Swan" und leckerer Fish and Chips-Bude gegenüber. Bei gutem Wetter auf der Bergstrecke beim "Gooseneck" und an deren Ende der Pub "Creg Ny Baa". Und am Abend des "Mad Sunday" ein Besuch im "The Raven" an der Ballaugh Bridge.

Organisiert Reisen:
Das Wunschlos-Glücklich-Paket zur TT wird vom MOTORRAD action team angeboten. Vom 2. bis 12. Juni 2011 geht es mit Tourguide zu den Rennen und bei Tagesausflügen über die Insel. Preis: ab 2290 Euro; www.actionteam.de

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote