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Der Weg durch Kanada und Alaska bietet endlose Weiten und spannende Sehenswürdigkeiten. Hier der Alaska Highway, der sich zwischen dem Gebirgszug der Front Range und dem Lake Kluane hindurchwindet.

Unterwegs: Durch das wilde Yukon-Territory Durch die Weiten Kanadas und Alaskas

Die Zahl der Gesetzlosen, Glücksritter und Goldsucher ist zurückgegangen, doch Platz für Abenteuer bietet das Yukon-Territorium noch genug. Dafür sorgen dicke Harleys, Highways, Pisten, Adler, Bären, Karibus, Lachse und eine grandiose Landschaft.

Yukon ist wie Yoga. Sobald man das Abfertigungsge-bäude des Whitehorse International Airport betritt, sinkt der Puls, der Reisende schaltet auf Yukon Time. Hier kommt aller Stress zum Erliegen, man besinnt sich auf das Wesentliche, nähert sich einer bis dahin unbekannten Tiefenentspannung. Für Europäer ungewohnt, aber durchaus erstrebenswert. Die Ruhe, die den Besucher befällt, muss etwas mit den geographischen Gegebenheiten zu tun haben. Auf der Landkarte wirkt das Yukon Territory wie ein riesiger Keil, der zwischen Alaska (USA) und Northwest Territories (Kanada) getrieben wurde. Ein Keil, der gleichermaßen Wichtiges von Unwichtigem trennt. Ein Keil, der 486500 Quadratkilometer misst, was in etwa eineinhalb mal die Fläche von Deutschland ist. Darauf leben gerade mal 30000 Menschen, allein 24 000 davon in der Hauptstadt Whitehorse.

Whitehorse ist Verkehrsknoten und Versorgungszentrum des Yukon, Start und Ziel atemberaubender Touren und Trips. Schon Ende des 19. Jahrhunderts suchten Fremde im Yukon und in Alaska ihr Glück. Hier begann der legendäre Klondike Goldrush: Bis zu 100000 goldbesessene Schürfer und Abenteurer machten sich auf den Weg zu den Goldfeldern am Klondike – meist zu Fuß, seltener zu Pferd und im Winter meist per Hundeschlitten. Ich wähle eine Heritage Softail Classic, die der örtliche Harley-Händler vermietet, und mache mich auf zum "Golden Circle".

Diese gut 600 Kilometer lange Tour führt über den Alaska Highway und die Haines Road nach Haines, Alaska. Von dort geht es mit der Fähre nach Skagway, Alaska, und über den White Pass zurück nach Whitehorse. Die rund 160 Kilometer auf dem Alaska Highway bis Haines Junction sind perfekt zum Einrollen. Gerade, leicht hügelige Abschnitte wechseln sich mit langgezogenen Biegungen ab. Freunde der flotten Kurvenhatz bleiben wohl lieber in Europa. Der Reiz des Motorradfahrens liegt hier weniger im physischen als im psychischen Erleben. Wer sich auf die kauzigen Typen in den Orten einlässt, auf die sparsame Landschaft, die in moderater Geschwindigkeit am Motorrad vorbeizieht, entspannt immer weiter. Warum nicht mal rechts abbiegen und schauen, wie es hinter der Holzbrücke ausschaut? Oder nach links in die graubraune Naturstraße, die gesäumt wird von Sträuchern, die in höchster Blüte fast zu "brennen" scheinen. "Fireweed" heißt die Wildblume, die auch die Yukon-Flagge ziert. Die Naturstraße endet am Kusawa Lake. Zeit für eine Pause, umgeben von einer Stille, die schon fast schmerzhaft ist.

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Foto: Häußermann
Wasserflugzeuge sind im Yukon eines der wichtigsten Verkehrsmittel.
Wasserflugzeuge sind im Yukon eines der wichtigsten Verkehrsmittel.

In Haines Junction wechsle ich das Verkehrsmittel. Ich steige zu Thor Flender ins Flugzeug. Der gebürtige Deutsche, im Hauptberuf Architekt, ist Buschflieger mit Leib und Seele. Er fliegt für Sifton Air, deren Spezialität Gletscherflüge sind. Haines Junction ist das Tor zum Kluane Nationalpark, ein Wanderparadies für Outdoorfans und das weltgrößte nichtpolare Eisfeld. Grandiose Gletscher mit kilometerbreiten Zungen, die am besten aus dem Flugzeug  zu beobachten sind. Thor ist immer aufs Neue fasziniert, obwohl er die zweistündige Tour oft mehrmals am Tag fliegt. Aus dem Kopiloten-Sitz bewundere ich riesige Gebirgsmassive, die den Rahmen der mächtigen Gletscherströme bilden. Gleißend weiße Schneefelder und in sämtlichen Blautönen leuchtendes Eis brennen das faszinierende Bild dieser Landschaft für immer ins Hirn. Um die Gletscherlandschaft allen drei Passagieren gleichermaßen gut zu zeigen, kippt Thor die Cessna mal scharf nach links, dann wieder nach rechts. Die Reaktion der Mitpassagierin hinter mir höre ich durchs Headset. Und bin dankbar, dass sie rechtzeitig die Tüte gefunden hat.

Haines Junction ist nicht nur wegen des faszinierenden Gletscherflugs einen Zwischenstopp wert. Das Restaurant "Raven" bietet die wohl mit Abstand beste Küche des Yukon. Zum Nachtisch genieße ich das Abendrot über dem nahe liegenden Kathleen Lake. Plötzlich, im Straßengraben ein ausgewachsener Grizzlybär, der Kräuter sucht. Ron, ein Einheimischer, der an seinem Pickup lehnt, verrät mir, dass Bären nicht nur Fleisch und Fisch zu sich nehmen, sondern auch Grünes. Bevorzugt nach dem Ende des Winterschlafs, um die Verdauung wieder in Gang zu bringen. 10000 Grizzlys und 7000 Schwarzbären leben im Yukon. Das bedeutet trotz Entspannung Wachsamkeit, denn schließlich sind hier nicht nur Bären unterwegs, sondern auch ihre potenziellen Mahlzeiten, bestehend aus 50000 Elchen und 185000 Karibus.

Am anderen Tag nehme ich die Haines Road unter die Räder, die mit geschmeidigen Kurven durch die Berge führt. Immer wieder geben sie den Blick auf die urgewaltigen Gebirgszüge des Kluane Nationalparks frei. Auf einem Parkplatz treffe ich Mickey. Der wettergegerbte 60-Jährige kommt aus Toronto und reitet auf seiner Kawasaki Volcano durch den Yukon. Er wirkt mit seinen Lederüberhosen und der turmhoch bepackten Maschine wie ein moderner Cowboy und zieht genüsslich an einer Marlboro. Deren Nikotingehalt schreckt ihn angesichts seiner Vergangenheit nicht mehr: "Ich war jahrzehntelang als Bergmann im Kupfer- und Zinkabbau tätig. Was ich da eingeatmet habe, war deutlich giftiger."

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Foto: Häußermann
Ein wunderbarer Ausblick auf die Weiten der Taiga.
Ein wunderbarer Ausblick auf die Weiten der Taiga.

Nach dem üblichen US-Einreisetheater mit Iriskontrolle, Fingerabdrucknahme und Interview hinsichtlich möglicher staatsfeindlicher Gesinnung rolle ich nach Haines, Alaska. Die Anlegestelle der Fähre, die mich später nach Skagway bringen wird, liegt direkt am Chilkoot-Lake. Dem will ich während der Wartezeit auf die Fähre einen Besuch abstatten, denn hier sind immer wieder Weißkopfadler zu sehen. Der Wappenvogel der USA ist in Haines ein oft und gern gesehener Gast. Der See ist aber auch ein Eldorado für Lachsfischer. Menschen stehen mit bauchlangen Gummistiefeln im Wasser und erinnern an Brad Pitt, wie er in  dem Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" seine Rute übers Wasser schwingt.

Plötzlich stoppt der Verkehr. Mitten auf der engen Uferstraße steht eine Grizzlymama und füttert ihre beiden Kleinen mit Lachs, den sie aus dem Chilkoot-River geholt hat. Die drei scheren sich nicht um die Menschen, die längst ihre Autos und Motorräder verlassen haben, um dieses Familienmahl zu beobachten. Als der Lachs bis auf die Gräten abgenagt ist, trottet die Grizzlydame gemütlich zum Fluss und ist in weniger als einer Minute wieder da. Quer im Maul zappelt wieder ein Lachs. Zum Nachtisch verschwindet die Kleinfamilie im nahen Busch. Tiere und Menschen sind völlig entspannt.

Infos

Foto: Häußermann
Die Route der Nordamerika-Reisenden.
Die Route der Nordamerika-Reisenden.

Anreise:
Direktflüge Frankfurt/Main – Whitehorse bietet nur Condor von Mai bis einschließlich Oktober an (ab etwa 800 Euro). Im Winter werden ausschließlich Flüge über Vancouver angeboten (Linienflug Lufthansa, je nach Buchungsklasse 900 bis 1400 Euro/Economy).

Reisezeit:
Das Binnenland Westkanadas und damit auch das Yukon Terrritory liegt im Bereich eines stabilen Kontinentalklimas. Hier sind sonnige, trockene Sommer sowie extrem kalte Winter die Regel. Das Winterhalbjahr reicht von Ende Oktober bis Ende April. Zwischen Ende Mai und Anfang Oktober reihen sich Frühling, Sommer und Herbst dicht hintereinander. Diese vier Monate gelten den meisten Besuchern als ideale Reisezeit: Die Nachtzeiten verkürzen sich auf wenige Stunden, die Pflanzenwelt explodiert geradezu und zeigt sich in leuchtenden Farben, die Tierwelt ist von einer ausgesprochenen Aktivität beherrscht und fast überall gut zu beobachten. Der Yukon liegt nördlich des 60. Breitengrades, also in unmittelbarer Nachbarschaft zum Polarkreis. Hier scheint im Sommer fast 24 Stunden lang die Sonne. Sommertage mit 25 bis 30 Grad sind die Regel. Trotzdem ist zu beachten, dass es in den Abend- und (hellen) Nachtstunden oft empfindlich kühl werden kann und im Frühjahr sowie im Herbst das Erreichen der Null-Grad-Grenze nichts Ungewöhnliches ist.

Motorradfahren:
Ein nationaler Führerschein reicht aus, auch zum Anmieten von Fahrzeugen. Es besteht Helmpflicht für Motorradfahrer. Nicht alle Highways sind asphaltiert, Schotterstrecken oder Naturstraßen sind im Yukon und in Alaska weit verbreitet. Wichtig: In Kanada und USA sind die Ampeln hinter der Kreuzung angebracht. Schulbusse, die mit Warnblinker am Straßenrand stehen, dürfen nicht überholt werden. Harleys vermietet Yukon Harley-Davidson Ltd; 21 Waterfront Pl, Whitehorse, YT, Y1A6V1; Telefon 001 (867) 633-1903, Fax 001 (867) 633-5883; www.yukonharley-davidson.ca/. Einen gemischten Mietfuhrpark (zum großen Teil Yamahas) bietet Gary Rusnak; www.innadventure.ca

Landestypisches:
Das Yukon Territory liegt in der Zeitzone der Pacific Standard Time, also neun Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit. Das Benzin gibt es literweise, die Entfernungen sind in Kilometern angegeben, die Temperaturen in Grad Celsius. Als problemloses Zahlungsmittel taugt die Kreditkarte. Sogar mit Reiseschecks kann man an Tankstellen oder in Restaurants bezahlen und bekommt das Restgeld in bar zurück.

Unterkunft:
Entlang der beschriebenen Strecke finden sich Campingplätze sowie Hotels und Motels mit moderaten Tarifen. Die meisten touristischen Einrichtungen öffnen frühestens Ende Mai und schließen meist zum 1. Oktober. Etliche Hotels haben jedoch das ganze Jahr hindurch geöffnet.

Gesundheit:
Medizinische Betreuung rund um die Uhr ist nur in Whitehorse und Watson Lake gewährleistet. In kleineren Ansiedlungen sind meist Tageskliniken mit einem Arzt oder einer Krankenschwester vorhanden. Für alle nicht-medizinischen Notfälle ist im ganzen Land die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) zu erreichen. Eine Zusatz-Krankenversicherung ist angeraten, da der Krankentransport außerhalb der Städte mit dem Flugzeug erledigt wird.

Adressen:
Yukon Government Department of Tourism & Culture P.O.Box 2703 Whitehorse, Yukon Y1A 2C6, Canada, www.touryukon.com. Yukon-Vertretung in Deutschland: Holger Bergold, Bergold Promotions, Kleine Hochstraße 4, 60313 Frankfurt am Main, Telefon: 069/2193670, Mail: bergold@t-online.de, www.touryukon.de

Touren:
Das MOTORRAD action team bereitet derzeit eine Tour durch Yukon und Alaska vor. Wer Lust hat, vom 20 . 7. 2011 bis zum 3. 8. 2011 dabei zu sein, meldet sich unter Telefon 0711/182-1977 oder unter www.actionteam.de

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