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Unterwegs in Thailand Endurotour durch den Dschungel Thailands

Vor zehn Jahren hat Motorrad-Scout Harry für den Bau einer Pipeline mit seiner Enduro das Gelände durch den thailändischen Dschungel erkundet. Heute nimmt er Sylvia Lischer (Text) und Gerhard Eisenschink (Fotos) mit auf die Trails, die auch Tigern gefallen.

Der Autoverkehr pulsiert in Stop-and-go-Manier über sechsspurige Straßen. Mopeds brettern im Wettstreit mit wild bemalten Motorrad-Rikschas als inoffizielle siebte und achte Spur messerscharf an Bürgersteigen vorbei. Mobile Garküchen jagen über Kreuzungen, Wassertaxis sägen mit gigantischen Bugwellen durch Kanäle. Eine Yamaha XT 225 eiert an Händlern vorbei, die kunstfertig aufgetürmte Früchte auf klapprigen Handwagen durch den Straßenverkehr jonglieren. Ein ganz normaler Abend in Bangkok, eine Herausforderung für mich, die müde Enduristin aus Deutschland. Dschungel-Scout Harry, hinter dessen Enduro ich mich durch die Straßenschluch-ten der Sieben-Millionen-Stadt kämpfe, nimmt es gelassen. Er kennt Thailand und die Mega-City Bangkok seit Jahren. Über 60 Stockwerke hohe Wohntürme ziehen im Augenwinkel vorbei, gefolgt von Mega-Malls mit Markenartikeln auf 19 Etagen. Dann taucht der Sky Train auf, eine auf Betonstelzen gebaute Hochbahn. Der Zug rast in wenigen Minuten von einem zum anderen Ende der Metropole. Trotzdem fliegen andauernd Helikopter die High Society vom Dach eines Wolkenkratzers zum nächsten.

Zwischenstopp im Wat Pho, einem von rund 400 buddhistischen Tempeln Bangkoks, in denen man dem Trubel des Großstadtdschungels eine Weile entfliehen kann. Dann lenken wir die Enduros in das Traveller-Viertel Thanon Kao San und gehen bei fritierten Wasserkäfern mit Soya-Dip die geplante Route in den echten thailän-dischen Dschungel noch einmal durch: Kanchanaburi, Sai-Yok-Nationalpark, Sankhla Buri, Drei-Pagoden-Pass und auf dem Rückweg die alte Königsstadt Ayutthaya.
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Foto: Eisenschink
Während wir in Dschungelfantasien schwelgen, wummern Techno-Rhythmen aus den Kneipen und Tatoo-Shops ringsum. Holzfrösche quaken, Plastikschmetterlinge surren durch die Straße, gefolgt von "Mister Thailand im schrillbunten Girlandenwagen. Den Touristentrubel mit nahezu buddhistischer Gelassenheit ignorierend, erzählt Harry von seinen Erlebnissen im Jahr 1998, als er die Gegend um Kanchanaburi für den Bau einer Gaspipeline mit der Enduro ausgekundschaftet hat. Jetzt, über ein Jahrzehnt später, will er die Dschungel-Trails von einst nochmal unter die Stollenreifen nehmen.

Am nächsten Tag brettern wir von Bangkok über Ban Pong in Richtung Kanchanaburi - gemeinsam mit ungezählten Wochenendausflüglern, die sich in der 67000 Einwohner zählenden Stadt am Kwai-Fluss vom Moloch Bangkok erholen wollen. Mit Angelausrüstung und Booten bestückt, streben sie dem durch den Film "Die Brücke am Kwai weltberühmt gewordenen Mae Khwae - "River Kwai - ent-gegen. Zehn Kilometer vor Kanchanaburi tauchen linker Hand die ersten bizarren Berge auf: smaragdgrüne Karstklötze, die entlang der Grenze zu Burma einen markanten Gebirgszug bilden. Irgendwo dort muss die Gaspipeline verlaufen, in die Harry damals zusammen mit Kollegen viel Energie investiert hat. Kurz vor Kanchanaburi drehen wir von der Hauptroute ab und erkunden mal auf Pisten, mal auf holprigen Asphaltsträßchen das Gelände. Ein verwunschener Höhlentempel taucht auf, ein vergoldeter Riesenbuddha - und ein Ex-Logistikzentrum der Gaspipeline. Meine 22 PS starke "Serow - was übersetzt etwa "asiatische Bergziege" heißt - macht ihrem Namen alle Ehre und klettert behände über steinige Passagen.
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Foto: Eisenschink
Noch geht's an Dörfern und Reisfeldern vorbei, die jedoch, am Rande des Sai-Yok-Nationalparks, nur eine Durchgangsstation sind.
Noch geht's an Dörfern und Reisfeldern vorbei, die jedoch, am Rande des Sai-Yok-Nationalparks, nur eine Durchgangsstation sind.

Am Abend in Kanchanaburi: Frösche quaken, Disko-Boote ziehen wummernd über den Kwai. Eine Eisenbahn zockelt herbei und kommt auf der berühmten "Brücke am Kwai zur Freude der umherstehenden Touristen quietschend zum Stehen. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier australische, niederländische und britische Kriegsgefangene von Japanern gezwungen, die so genannte "Todeseisenbahn zu bauen. Die unter großen menschlichen Verlusten erstellte Trasse sollte die logistische Ver-bindung zwischen Bangkok und Rangoon im benachbarten Burma gewährleisten. Verbindung zwischen Thailand und Burma? Mein Gott, die Pipeline! Los, weiter, die Spuren der Yadana-Pipeline suchen, die man von der Andamanensee in Burma bis hinüber nach Thailand in gut fünf Metern Tiefe vergraben hat - mit Harry als Dolmetscher und Motorrad-Scout für die Erkundung der Trasse.

Vorbei an orange gekleideten Mönchen, Reisfeldern und Soldatenfriedhöfen aus den Zeiten der Todeseisenbahn erreichen wir den Hellfire Pass: eine Gedenkstätte für rund 400 Kriegsgefangene, die hier beim Bau der "Death Railway ihr Leben ließen. Dann taucht der Sai-Yok-Nationalpark auf. Wo einst die Bau-Schneise der Yadana-Pipeline verlief, wuchern heute Reis, Mais und Gestrüpp. Harry sucht nach den Wegen von einst. Fragt die Leute nach dem Einstieg der Piste durch den Nationalpark. "Es gibt keinen Weg, sagen die Dorfbewohner. "Es gibt einen Weg, kontert Harry. Und findet ihn schließlich auch. Neben einem vermoderten Holzpfosten tut sich ein Durchgang auf, der einem Wildschwein-Trampelpfad gleicht. "Hier geht's rein, strahlt Harry - und brettert mit seiner Enduro vorneweg. Ich tuckere mit der "Bergziege hinterher. Der zunächst kaum handtuchbreite Dschungelpfad wird von den Dorfbewohnern nicht mehr genutzt und geriet so wohl in Vergessenheit. Gewaltige Spurrillen tun sich auf, die der Regen aus dem Erdreich herausgewaschen hat. Oft sind die Gräben so groß, dass nur eine reifenbreite Spur zum Umfahren übrig bleibt. Kilometer um Kilometer balancieren wir voran, Äste und Bambusrohre hängen so tief über der Piste, dass wir die Köpfe einziehen müssen.

Foto: Eisenschink
Ab durch den Bambus-Dschungel nahe Kanchana Buri. Doch so viel Platz wie hier gab's auf vielen Trails nicht annäherungsweise.
Ab durch den Bambus-Dschungel nahe Kanchana Buri. Doch so viel Platz wie hier gab's auf vielen Trails nicht annäherungsweise.

Unterwegs in Thailand Teil 2

Sobald die Motoren verstummen, knarzt und knackt es im Gebüsch. "Der rund 1000 Quadratkilometer große Sai-Yok-Nationalpark, hatte ich im Reiseführer gelesen, "ist schwer zugänglich, kaum besiedelt und wird von Elefanten und Tigern bewohnt. Harry, der hier zu Zeiten des Pipeline-Baus im Zelt übernachtet hat, kann das bestätigen. Tiger habe er damals in einem Flussbett ausgemacht, einen in einen Schacht gefallenen Waldelefanten mit einer Art Rampe herausgeholt, und in der Nacht habe er Urwaldgeräusche gehört, die lauter waren, als auf jedem River-Kwai-Disko-Boot. Die Nähe eines Tigers, so Harry, erkenne man am äußerst penetranten, strengen Geruch. Streng riecht es hier überall, also nichts wie weg.

Irgendwann passieren wir eine Ranger-Station, die aus ein paar wellblechgedeckten Hütten, Gemüsefeldern und herumtrippelnden Hühnern besteht. Wir tragen uns ins Besucherbuch des Nationalparks ein - und stellen fest, dass wir die ersten europäischen Gäste seit dem Bau der Pipeline 1998 sind. Zwei Ecken weiter stoßen wir auf ein halb eingewachsenes Pipeline-Schild mit Kilometerangabe. Von hier aus ist es nicht mehr weit nach Burma. Kurze Zeit später folgen wir einer schnellen Staubpiste zum Khao-Laem-Stausee, der vom Kwai-Fluss gespeist wird. Wieder auf Asphalt, flitzen die Enduros ausgelassen um Kurven aller Radien. Handtellergroße Schmetterlinge gaukeln durch die Luft, Greifvögel ziehen Kreise über uns. Urwaldriesen stehen am Weg, bizarrer Kegelkarst ist in der Ferne zu sehen. Die kleine Bergstraße offenbart grandiose Panoramen, ist eingerahmt von roten und blauen, fast suppentellergroßen Blüten. Ganz in der Nähe liegt die Pipeline, die gleich hinter dem Grenzort unter Stacheldrahtrollen und bewaffneten Grenzposten hindurch von Burma nach Thailand verläuft. Ein Soldat erlaubt uns einen Blick hinüber zum Nachbarn, wo sich die Yadana-Pipe als farblich erkennbare Schneise in den Wäldern bis hinüber zur Andamanensee zieht.

Auf dem Rückweg Zwischenstopp in einer Garküche. Ein Raunen geht durch den Raum, als wir in Cross-Klamotten eintreten. Harry mit seinen Thailändisch-Kenntnissen muss Auskunft geben, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Und erzählt, dass er einst am Bau der Gaspipeline mitgewirkt hat. Selbst als uns die Wirtin Reis mit Fleisch und Gemüse bringt, kann Harry nicht aufhören, Abenteuerstories zu verbreiten.
Foto: Eisenschink
Der Mon-Tempel in Sankhla Buri wirkt wie aus einer anderen Welt.
Der Mon-Tempel in Sankhla Buri wirkt wie aus einer anderen Welt.
Noch schnell Sprit tanken am Ortsausgang, der aus je drei Coca-Cola-Flaschen in unsere Tanks läuft, dann brettern wir über Thong Pha Phum und Sankhlaburi dem Drei-Pagoden-Pass entgegen. Eine traumhafte Serpentinenstrecke tut sich auf, mit skurrilen Windungen, die der "Bergziege erhöhte Wendigkeit abverlangen. Bergauf: Schlangenlinien, bergab: Schlangenlinien. Dazwischen geniale Ausblicke auf den glitzernden Khao-Laem-Stausee.

Hinter Sankhla Buri dann Stelzenhäuser und Straßen-Stände mit handgefertigten Besen. Während ich noch grüble, wer hier so viele Besen kaufen soll, endet die Straße an einem Kreisverkehr mit drei kleinen Pagoden: der Drei-Pagoden-Pass. Dahinter ist Endstation; denn, so erfahren wir von den ansässigen Händlern, die Grenze nach Burma sei bis auf weiteres geschlossen. Mist. Dabei wollten wir den Verlauf der Yadana-Pipeline auch auf burmesischer Seite eine Weile verfolgen. Egal. Wir parken die Enduros zwischen den Verkaufsständen und schauen uns das Angebot der Händler an. Es gibt faustgroße Edelsteine zu kaufen, echte und falsche, Sandelholzseife, Heilkräuter, "Myanmar Whiskey Extra Special und "Myanmar Lager Beer aus der Dose. Burmesische Händler, die sich durch kleine Holzgatter ein paar Schritte nach Thailand herüberwagen, verkaufen Orchideen in Kübeln. Ich entdecke in Öl eingelegte Ziegenköpfe, die, so erfahre ich von den Verkäufern, nicht zum Verzehr geeignet sind. Das Öl eigne sich vielmehr für verspannte Muskeln - vor allem bei Motorradfahrern.
Wir kaufen lieber nichts und wenden die Bikes. Zurück bollern wir zum Sai-Yok-Nationalpark, dann offroad über Erawan- und Chaloem-Rattanakosin-Nationalpark zur Königsstadt Ayutthaya. Muss man gesehen haben! Weiter geht es, die Enduros ziehen lange Staubfahnen hinter sich hier, das Hinterrad bricht oft aus, wir sausen durch Garküchen- und Dschungeldüfte und sind einfach nur noch glücklich. Weil die Realität noch viel besser als der Traum vom Endurofahren in Thailand ist.
Zeichnung: Archiv

Infos über Thailand

Anreise:
Thai Airways fliegt mehrmals täglich von Frankfurt und München nach Bangkok. Die Preise beginnen bei rund 500 Euro. Infos unter Tel.: 069/92874444, www.thaiair.com

Währung:
Währungseinheit in Thailand ist der Thai Baht (THB) mit 100 Satang. Für einen Euro bekommt man rund 46,50 Thai Baht. Aktuelle Wechselkurse unter www.oanda.com.

Reisezeit:
Thailand genießt durch die Äquatornähe tropisches Klima und lässt sich ganzjährig gut bereisen. Von November bis Februar ist es trocken und zwischen 23 und 26 Grad warm. Von März bis Mai ist es mit 28 bis 30 Grad schon heißer. In der Zeit von Mai bis Oktober kommt es zu tropischen, kurzen Regengüssen, die Landschaft ist dann üppig grün.

Sehenswert:
Neben den obligatorischen Tempel-Visiten locken die thailändischen Nationalparks. Attraktiv ist der Chaolem Rattanakosin National Park. Der Zugang zur Kernzone führt durch eine 300 Meter lange Tropfsteinhöhle. Es gibt Wasserfälle und eine 30 Meter hohe Naturbrücke, die aus einer gewaltigen Tropfsteinhöhle entstanden ist. Übernachtung in Pfahlbau-Bungalows innerhalb des Nationalpark-Geländes möglich. Infos finden sich im Internet unter www.dnp.go.th. Für Geschichtsinteressierte: das World War II Museum in Kanchanaburi und das nahe Kanchanaburi gelegene JEATH-Kriegsmuseum (im Wat Chai Chumphon am Mae-Klong-Fluss). Wer Tiger hautnah erleben will, besucht 40 Kilometer nordwestlich von Kanchanaburi den "Tigertempel. In dem Waldkloster, das sich im Laufe der Jahre zur Tigerstation entwickelt hat, leben zwölf Mönche und 17 Raubkatzen friedlich zusammen. Infos unter Telefon 0066-34-531-557 oder www.tigertempel.org.

Motorradtouren:
Geführte Touren auf 200- bis 250-Kubik-Enduros bietet der deutschsprachige Veranstalter Off-Road Tours an. Telefon in D: 05254/7860, in Thailand (deutschsprachig): 0066-53-482652 oder www.off-roadtours.de. Für eine Zehn-Tage-Tour "River Kwai Adventure zahlt man ohne Flug 1450 Euro pro Person. Der Preis beinhaltet u.a. Miet-Motorrad, Benzin, Übernachtung, Verpflegung und Eintrittsgelder.

Übernachtung:
Mit großartigem Blick über die Stadt: Amari Atrium Hotel, 1880 New Petchburi Road, Bangkok, Telefon 0066-2718-20001, www.amari.com. Preiswert, im historischen Zentrum: Royal Hotel, Rajdammern Avenue, Bangkok 10200, Telefon 0066-2-2229111, email: rervation@rattanakosin-hotel.com. Nur zwei Kilometer von der legendären River-Kwai-Brücke entfernt: Sugarcane Guesthouse, 22 Soi Pakistan, Maenam Kwae Road, Kanchanaburi, Telefon 0066-34-624520, www.sugarcaneguesthouse.com. Man nächtigt in schwimmenden Bungalows auf dem River Kwai.

Literatur/Adressen:
Empfehlenswert: Stefan Loose Travel Handbuch "Thailand, 24,95 Euro. Nützlich ist auch die Karte "Thailand aus dem Nelles Verlag, Maßstab 1:1500000, 7,90 Euro. Weitere Infos: Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Telefon 069/1381390, www.thailandtourismus.de

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