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Motorradreise: Endurotour Island Auf der Reise zu Vulkanen, Geysiren und Gletschern

Kaum irgendwo sonst zeigt sich die Erde geologisch so jung wie auf Island: Vulkane, Geysire, Gletscher wohin das Auge reicht. Mitten drin ein 15-jähriges Mädchen mit ihrem Enduro-Mofa. Zusammen mit ihren Eltern auf großen Enduros kämpft sie sich über die Pisten und lernt fürs Leben.

Es ist ihre erste große Tour. Laura will einmal rund um Island fahren. Das Besondere an diesem Vorhaben: Laura ist grade mal 15 Jahre alt und ihr Bike hat 3,7 PS. Eine Simson-Enduro, als Mofa zugelassen, Spitze offiziell 25 km/h. Mutter und Vater begleiten sie mit großen Motorrädern. Schotter, Flussdurchfahrten, Schlamm und Sand. Hat Laura so noch nie erlebt. Wenn hier öfter was schief läuft, ist es fraglich, ob der Motorrad-Bazillus das Mädchen nicht wieder verlässt und die Zweirad-Szene eine hoffnungsvolle Nachwuchskraft verliert. Also macht die kleine Familie keine Hektik und schlägt ihr Zelt am Lagarfljót auf. Warum nicht den hohen, schmalen Wasserfall Hengifoss hochklettern? Das ist die ideale Akklimatisierung: Beeindruckend leuchten die roten Sedimentschichten im Lavahintergrund und der markante Litanefoss, der etwas unterhalb in die Tiefe stürzt. Er wird von schönen, langen Basaltformationen eingerahmt.

Nach der Zwangspause fahren die drei nach Süden. Zwei Fahrradfahrer folgen
und man überholt sich regelmäßig beim "Pausenhopping". Dann der Abzweig zur ersten Hochlandpiste, der Öxi. Der Einstieg ist nicht leicht, doch Laura entscheidet: Durch! Eine Entscheidung, die sicherlich von der Tatsache beeinflusst wird, dass man soeben 60 Kilometer abgekürzt hat. Die Piste gewährt herrliche Ausblicke in das steinige, raue Hochland. Nach kurzer Zeit folgt eine steile Abfahrt auf Schotter. Laura schafft auch diese Herausforderung, und der weite Blick in den Fjord entschädigt für den Stress. Den Eltern steht der Stolz ins Gesicht geschrieben.

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Die Simson läuft Tacho 40. Dennoch erreicht man irgendwann die Gletscher-
lagune Jökulsárlón. Himmelblaue Eisberge brechen von der Gletscherzunge des Vatnajökull ab und treiben im kristallklaren Wasser bis in den Atlantik. Am Westufer wird vor unfassbar schöner Kulisse gezeltet, und die ganze Familie lässt sich vom brechenden, tropfenden Eis in den Schlaf singen. Frisch ausgeruht fragen Mutter und Vater anderntags nach dem Tagesplan der Tochter: Nichts! Sie möchte chillen! Der Vortag war zu anstrengend. Das ist doch zum in die Luft gehen, aber im Wortsinn. Alle fahren zu einem kleinen Flugplatz und fliegen über den größten Gletscher Europas:

Eis, so weit das Auge reicht. Sie schauen in die Caldera ("Kessel") des 2000 ausgebrochenen Grimsvötn. Dann steuert der Pilot die Laki Vulkanspalte an. 1783 brach diese auf einer Länge von 25 Kilometern aus und spuckte acht Monate lang Lava und Asche. Damals wurden 130 Krater und Kegel erschaffen, das Land verwüstet und eine schlimme Hungersnot ausgelöst. Zum Abschluss des himmlischen Vergnügens gleitet die Schotterebene Skeidarársandur unter dem zweimotorigen Flieger hinweg. Fasziniert betrachtet Laura, wie die vielen Gletscherflüsse ins Meer mäandern.

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Tags darauf werden die Zweiräder in die Pflicht genommen. Den als Zwischenstopp eingeplanten Svartivoss verfehlen die drei, fahren in ihrem Entschleunigungsrausch einfach vorbei. Jetzt nochmal zurück? Nein, denn Laura ist erschöpft und kann nur mit einem riesigen Hamburger wieder in Weiterfahr-Stimmmung gebracht werden. Der Ort Vik entschädigt für den Stress, und die Familie darf Papageientauchern beim Brutgeschäft zuschauen. Weiter geht die Erfahrung der Langsamkeit zum Skógafoss. Dann der Wasserfall Seljalandsfoss: Man kann hinter dem Strom durchgehen und von allen Seiten zusehen, wie Wassermassen in ein rundes, grünes Becken prasseln. Das nächste Ziel heißt Hveragerdi. Schon einige Kilometer vorher nimmt der Verkehr drastisch zu. Ab Selfoss sind die drei ein echtes Verkehrshindernis und verlassen kurz darauf erleichtert die Ringstraße 1. An einem schönen Platz direkt am handwarmen Fluss schlagen sie ihr Lager auf. Ringsum dampfen die Berge.

Am Morgen erreichen sie nach einer kleinen Wanderung das Hochtemperaturgebiet Hengill. Man kann es nicht verfehlen. Der Schwefelgeruch ist schon von Weitem wahrnehmbar. Dort, wo ein heißer und kalter Fluss zusammenfließen, wird gebadet und Kraft für die nächste Etappe getankt. Diese führt nach Landmannalaugar. Der Weg ist für Laura mit ihrer Simson noch zu schwierig. An steilen Auffahrten und auf faustgroßen Schottersteinen übernimmt ihr Vater die Simson, weil der Untergrund Laura immer wieder in die Horizontale zwingt: "Das Moped will nicht so, wie ich will!", sagt sie und ärgert sich, dass sie es nicht schafft. Nach einem weiteren wegrutschenden Hinterrad und einem enttäuschten, verzweifelten Tritt gegen ihr Mofa gibt Laura auf. Ihre Augen sind mit Tränen gefüllt, sie ist an ihre Grenzen gekommen. Die Eltern trösten und versichern der Tochter, dass sie bislang Großes geleistet habe. Den Rest erledigt der Geysir Strokkur. Alle zehn Minuten schießt eine 20 bis 30 Meter hohe heiße Wasserfontäne in den Himmel. Wenn das kein Trost ist.

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Tags darauf steht die vermutlich schwerste Etappe auf den Plan. Stopp am Gullfoss, dann kommt die Kjölur-Hochlandpiste. Je weiter man hineinfährt, desto schlimmer wird das Wellblech, doch Laura kommt ohne Probleme voran. Kurze Zeit später meistert sie ihre erste Flussdurchfahrt. Die Eltern schauen verdattert zu. Drüben reißt Laura vor Freude die Faust hoch.
Das Geothermalgebiet Hveravellir wird von Fumarolen und Solfataren (Dampf- und Gasaustritten) bestimmt. Es zischt und blubbert überall. Laura ruht sich von der "Presslufthammerpiste" aus. Nach ein paar Tagen Erholung muss die Familie das Hochland verlassen und fährt in Richtung Norden weiter. Laura meistert Steigungen und Schotter jetzt flink wie eine Gazelle. Am Mückensee Mývatn wird Pause gemacht. Krater, Ascheringe und Schwefelquellen - die Drei fahren mitten durch. Spätestens jetzt ist allen klar: Laura wird der Motorradszene erhalten bleiben.

Island Infos

Ein Trip nach Island hat immer noch Abenteuer-Charakter. Nirgendwo sonst lässt sich anspruchsvolles Motorradfahren mit derart spekta- kulären Ansichten von Ur-Landschaften verbinden!

Allgemeines: Island liegt knapp unter dem Polarkreis im Nordatlantik und ist die größte Vulkan-Insel der Welt. Zudem ist sie mit knapp über 300000 Einwohnern das am dünnsten besiedelte Land Europas. Zu 62 Prozent ist die Insel vegetationslos, es existiert zwar ein Hauch von Wald, doch die Zahl der Sand-, Lava- und Steinwüsten, der Vulkane, Geysire und Gletscher ist in Europa einzigartig. Spannend sind die zahlreichen Zeichen geothermischer Aktivität in Form von Fumarolen, Solfataren, subglazialen Seen, Hot Spots und heißen Bächen. Mehr urtümliche Landschaft auf so engem Raum gibt es nirgends.

Anreise: Wer mit dem eigenen Motorrad nach Island möchte, kommt kaum an der Fährgesellschaft Smyril Line (www.smyrilline.de) vorbei. Die Fährüberfahrt ab Hanstholm (Dänemark) dauert inklusive eines kurzen Zwischenstopps auf den Faröer Inseln etwa 31 Stunden. Die Passage für drei Personen und drei Motorräder hin und zurück kostet etwa 2550 Euro. Wenn man, wie unser Autor, die Maschinen in einen Transporter oder Kleinbus verlädt und nur diesen einschifft, lassen sich rund 400 Euro sparen. Alternativ kann man mit dem Flugzeug anreisen und in Reykjavik verschiedenste Motorräder mieten
(www.rental-motorcycle.com oder www.bluemountain.is).
Reisezeit: Der isländische Sommer (und damit die beste Reisezeit für eine Motorradtour) dauert von Juni bis August. Was in unse-
ren Breiten als Hochsommer gilt, beschert den Isländern kühle Temperaturen und nicht wenig Regen, vor allem im Hochland. Die Autoren waren im Juli unterwegs, hatten Glück und verzeichneten mehrheitlich strahlenden Sonnenschein bei Temperaturen von tagsüber 10 bis 15 Grad - über null.
Übernachten: Island bietet zahlreiche Campingplätze, aber auch Miethütten, Pensionen und Hotels oder Ferien auf dem Bauernhof. Beim Camping lässt sich die starke Natur am intensivsten erleben, wildes Zelten ist erlaubt. Informationen unter www.camping.is, www.nat.is oder www.heimur.is.
Literatur: Der Reiseführer "Island" aus dem Michael Müller-Verlag informiert für 22,90 Euro umfassend über die Insel. Der Führer aus der Reihe "Polyglott
on Tour" (9,95 Euro) bietet in seiner Island-Version zahlreiche verwertbare Tourenvorschläge.
Karten: Völlig ausreichend erschien unserem Autor die ADAC-Länderkarte Island im Maßstab 1:600000 für 8,50 Euro. Detaillierteres Kartenmaterial (Maßstab 1:300000) in mehreren Blättern und ein "Insider"-Straßenatlas des isländischen Allrad-Clubs lassen sich unter www.nordland-shop.net. bestellen.
Motorradfahren: Die meisten Abschnitte der bekannten Ringstraße sind asphaltiert, so dass man auch mit einer Straßenmaschine auf Island gut klarkommt. Wer allerdings in das Hochland möchte, sollte auf eine Enduro mit pistentauglicher Bereifung zurückgreifen. Etliche Routen beinhalten groben Schotter, Geröll, Tiefsandpassagen oder steile Auf- und Abfahrten. Selbst in scheinbar schwierigen Pistenabschnitten kann es sein, dass man von den islandtypischen, geländetauglichen Linienbussen überholt wird. Die Durchquerung von Flüssen mit Hilfe von Furten gehört ebenfalls zum Tagesgeschäft anspruchsvollerer Islandreisender. Kommen mehrere Fahrzeuge zu einer Furt, ist es üblich, abzuwarten, bis alle sicher die Furt durchquert haben und niemand mehr eventuelle Hilfe benötigt. Für die Durchquerung schwer zu befahrender Gebiete sollte man vorher Strecken- und Wetter-Informationen einholen. Fahrten durchs Gelände jenseits der Routen sollte man vermeiden.

Reisedauer: 24 Tage; Gefahrene Strecke: 1960 Kilometer; Hauptstadt: Reykjavik; Fläche: 103125 km2; Gründung: Unabhäng. 1918; Währung: Isländische Krone; Einwohnerzahl: 318236

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Karten: Völlig ausreichend erschien unserem Autor die ADAC-Länderkarte Island im Maßstab 1:600000 für 8,50 Euro. Detaillierteres Kartenmaterial (Maßstab 1:300000) in mehreren Blättern und ein "Insider"-Straßenatlas des isländischen Allrad-Clubs lassen sich unter www.nordland-shop.net. bestellen.
Motorradfahren: Die meisten Abschnitte der bekannten Ringstraße sind asphaltiert, so dass man auch mit einer Straßenmaschine auf Island gut klarkommt. Wer allerdings in das Hochland möchte, sollte auf eine Enduro mit pistentauglicher Bereifung zurückgreifen. Etliche Routen beinhalten groben Schotter, Geröll, Tiefsandpassagen oder steile Auf- und Abfahrten. Selbst in scheinbar schwierigen Pistenabschnitten kann es sein, dass man von den islandtypischen, geländetauglichen Linienbussen überholt wird. Die Durchquerung von Flüssen mit Hilfe von Furten gehört ebenfalls zum Tagesgeschäft anspruchsvollerer Islandreisender. Kommen mehrere Fahrzeuge zu einer Furt, ist es üblich, abzuwarten, bis alle sicher die Furt durchquert haben und niemand mehr eventuelle Hilfe benötigt. Für die Durchquerung schwer zu befahrender Gebiete sollte man vorher Strecken- und Wetter-Informationen einholen. Fahrten durchs Gelände jenseits der Routen sollte man vermeiden.

Reisedauer: 24 Tage; Gefahrene Strecke: 1960 Kilometer; Hauptstadt: Reykjavik; Fläche: 103125 km2; Gründung: Unabhäng. 1918; Währung: Isländische Krone; Einwohnerzahl: 318236

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Auf Achse mit fünfzehn

Laura Sypniewski wollte nicht bis zum 18. Lebensjahr warten, um eine Motorradtour nach Island mitzumachen.

Eines Morgens verkündete Laura ihren Eltern, dass sie gerne
mit dem "Moped" durch Island fahren würde - und zwar selber. Mit 15 darf man zwar nur Mofa fahren, doch das war Laura egal. So wurde das zerlegte Mokick der Großeltern zu Tage gefördert. Bei Licht betrachtet war die alte Simson S 51 B2-4 Schrott, doch Vater Kai Sypniewski und Tochter restaurierten den Youngtimer in schweißtreibender Arbeit, was Laura an ihre Grenzen brachte. Der Motor wurde für die Mofa-Zulassung über den Vergaser auf 25 km/h gedrosselt und hat eine Leistung von 3,7 PS. Nach dem Neuaufbau wurde ein Endurotraining absolviert, und dann ging es nach Island, wo Laura erneut an ihre Grenzen gelangte. Nach dem Trip rührte sie ihre Simson vier Wochen nicht an. Dann wollte sie weitermachen, und Vater Kai erstand eine verunfallte Kawa KLX 125. Ergebnis: Jetzt schrauben die beiden wieder zusammen, erneut geht Laura zur Fahrschule, während ihr nächster Reiseplan Gestalt annimmt: Biken und baden.

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