Unterwegs: Osteuropa (2)

Foto: Schröder
Kleine Jungs sind Motorradfans. In der Türkei wie auf der ganzen Welt.
Kleine Jungs sind Motorradfans. In der Türkei wie auf der ganzen Welt.
Eine Tankstelle versorgt uns am Morgen mit Kaffee, Keksen und angeblich bleifreiem Treibstoff. Gleich darauf zieht die Straße an, windet sich über einen 1100 Meter hohen Pass. Dichter Wald, zwischendurch knallbunte Sommerwiesen, klares Gebirgswasser, vereinzelt Bauernhäuser aus dunklem Holz. Irgendwie eine Mischung aus Schwarzwald und Allgäu. Nur unberührter. Zwei Hand voll Autos und etwa doppelt so viele Pferdewagen, meist mit Baumstämmen oder Heu beladen.
Das war’s auch schon auf der wunderbar kurvigen Strecke in Richtung Albac und weiter bis Turda. Dieser Weg schlägt so manche Trasse in den Alpen.

Irgendwo vor Târgu Mures. Bei einem Stopp werden wir von Sergio angesprochen, dessen vielköpfiger Clan ein paar Meter weiter am Straßenrand lebt. Drei betagte Wohnwagen, ein roter Holztisch unter einer Markise, laute, fremdartig klingende Musik aus einem billigen Radio, Ziegen, Hühner, Gänse. Unrasierte, düster dreinblickende Männer nehmen uns in ihre Mitte, es riecht nach Schweiß und Alkohol. Wir müssen mit vielen Gesten erzählen, woher wir kommen und wohin wir wollen. „Romania gut?“ „Oh, ja, sehr gut!“ Zehn Minuten später gehören wir praktisch zur Familie. Männer und Frauen lachen und reden durcheinander, die Kids turnen abwechselnd auf den Motorrädern herum, posieren für Fotos. Niemand versteht ein Wort des anderen. Und dennoch versteht man alles
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Foto: Schröder
Gigantismus pur: Ceausescus Palast.
Gigantismus pur: Ceausescus Palast.
Wir erreichen Sighis¸oara. Ein mächtiger Burgturm, kopfsteingepflasterte, enge Gassen, uralte, windschiefe Häuser – das von in Siebenbürgen lebenden Deutschen im 13. Jahrhundert gegründete Schäßburg gilt als das rumänische Rothenburg ob
der Tauber. Nur eben ohne Touristenrummel. Wir suchen eine Bleibe, werden an
einer Kreuzung von einer sympathischen Frau auf Deutsch angesprochen. Für umgerechnet fünf Euro könnten wir auf den breiten Sofas im Wohnzimmer ihrer Mutter schlafen. Sehr gerne. Bis spät in der Nacht müssen wir bei Nachbarn Kuchen und Quittenschnaps probieren. Thomas und ich werden behandelt, als wären wir alte Freunde.

Einen genialen Fahrtag später. Wir stehen mitten in Bukarest vor dem Palast des 1989 hingerichteten Diktators Ceausescu. Ein Monument des Größenwahns, wie es auf der Welt vermutlich kein zweites gibt: Während das Land ausblutete, richtete er sich und seiner Frau über 7000 (!) Zimmer ein – nur das Pentagon ist noch größer. Uns genügt ein Blick, dann raus aus den chaotischen Verkehrsverhältnissen. Wir peilen das Donau-Delta an.

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