Weltreise (2)

Foto: Cichon
Weltreise, MOTORRAD 25/2003
Weltreise, MOTORRAD 25/2003
Ich war auf dem Weg an das an der karibischen Küste gelegene Trujillo. Die Straße führte lange durch dichtes, tropisches Grün. Auf einmal stand dieser Junge mit erhobenen Armen am Straßenrand. Er hielt irgendetwas Grünes in seinen Händen.

Ich hielt an – und entdeckte, dass es sich dabei um drei große und äußerst lebendige Leguane handelte, die zu einem zappelnden Haufen zusammengeschnürt waren. Gleich darauf erschien die Mutter des Jungen und bot mir die Tiere für umgerechnet fünf US-Dollar zum Kauf an. Als ich verneinte, pries sie das äußerst schmackhafte Fleisch der Tiere an, die ihr Sohn erst an diesem Morgen gefangen hätte. Um die wunderschönen Kreaturen vor dem Kochtopf zu retten, handelte ich die Frau schließlich auf etwa vier Dollar herunter. Leider ist aus dem Kauf dann doch nichts geworden – ein weiterer Passant stoppte und erstand die Leguane für sechs Dollar. Als Reiseproviant.
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Foto: Cichon
Weltreise, MOTORRAD 25/2003
Weltreise, MOTORRAD 25/2003
Der Vogel in der Baumkrone scheint mich inzwischen in seinem Revier akzeptiert zu haben. Sein Geschrei hat nachgelassen. Auch der Kühlerventilator der Kawasaki hat seine Arbeit endlich eingestellt. Das einzig vernehmbare Geräusch ist das Rauschen der Wellen. Der Wind hat inzwischen ein wenig zugenommen und treibt feinen Sand in mein Gesicht. Ein Gefühl, wie ich es aus der Wüste kenne. Meine Gedanken schweifen sofort ab, entführen mich in die mauretanische Sahara.

Bis Chinguetti, einer ehemals bedeutenden Karawanenstadt auf der Route nach Mekka, waren es noch knapp 20 Kilometer. Die Straße ging schließlich in eine sandige, fahrerisch sehr anspruchsvolle Piste über. Ich stürzte oft, hatte zunehmend Mühe, das Motorrad auf dem losen Grund wieder aufzurichten. Aber irgendwie gelangte ich immer tiefer in diese Welt aus unentwegt höher aufragenden Dünenfeldern, vom Wind modellierte, grandiose Schönheiten. Gegen Abend ließ die untergehende Sonne die Sandberge in einem unwirklich erscheinenden Licht fast schon feuerrot leuchten. Die hypnotisierende Wirkung der Sahara ist einzigartig; und dennoch ähnelt die Stimmung in diesem Moment einem Augenblick, wie ich ihn in der südamerikanischen Schwester der Sahara erleben durfte – in der chilenischen Atacama-Wüste. Als ich dort gegen Abend auf einer hohen Düne gesessen hatte und sich vor mir das rot glühende, von Vulkanen umgebene Land erstreckte, begriff ich, dass es richtig gewesen war, trotz aller Schwierigkeiten meine Heimatstadt Chicago für einige Zeit zu verlassen, um einmal rund um die Welt zu reisen.

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