Zentralasien (2)

Foto: Dr. Claus Possberg
Gegen Mittag ist Chiwa erreicht. Rund 30000 Menschen leben in der Oase, die einen ein weiteres Mal in die Vergangenheit versetzt. Viele der rund 50 Bauwerke aus der Hochzeit des Seidenstraßen-Handels sind erstklassig erhalten, vor allem der Palast Tasch-Hauli ist ein Meisterwerk orientalischer Architektur. Seine Wände sind mit farbenprächtigen Ornamenten verziert, und beim Gang durch die bunten Säulenhallen sind wir endgültig von der Stimmung Chiwas bezaubert. Der weite Abstecher hat sich gelohnt. Nur die Suche nach Benzin holt uns in die Realität zurück. Es dauert recht lange, bis wir den versteckten Hof finden, wo aus Kanistern geschmuggelter Treibstoff aus Turkmenistan verkauft wird.

Auf der Rückfahrt nach Buchara entdeckt Claus während einer Pause, dass aus dem Hinterachsantrieb Öl herausläuft. Am Ziel angelangt, ist vom Hinterradlager nicht mehr viel übrig. Und natürlich haben wir kein passendes Ersatzteil dabei. Auf einem Automarkt im Süden der Stadt werden wir schließlich fündig – bei einem Händler, der sich auf uralte Jawa und Ural spezialisiert hat.

Bei Sonnenaufgang machen wir uns wieder auf den Weg durch eine karge und öde Berglandschaft in Richtung Süden. Nach wie vor zerren Hitze und die leidigen Kontrollen sehr an unseren Nerven. Wir schaffen es bis nach Termiz, das direkt an der Grenze zu Afghanistan liegt. In dem Ort befindet sich ein Luftwaffenstützpunkt der Bundeswehr, die von dort aus die Truppen in Kabul versorgt. Ein Besuch bei den Piloten ist da fast schon Ehrensache, und sie revanchieren sich mit abenteuerlichen Geschichten über ihre Hindukusch-Überflüge in ihren betagten Transall-Transportmaschinen.
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Foto: Dr. Claus Possberg
Von Termiz ist es noch eine Tagesreise zur Grenze nach Tadschikistan. Zum Glück können wir neben den Visa ein Empfehlungsschreiben sowie eine Einladung vom Minister für Verkehr und Tourismus persönlich präsentieren – der gute Mann betreibt quasi nebenbei eine Reiseagentur in der Hauptstadt Dushanbe, bei der wir vor der Reise telefonisch um Unterstützung gebeten haben. Dennoch nehmen Papierkram und Gepäckkontrolle einige Stunden in Anspruch. In der nahen Hauptstadt lernen wir schließlich unseren Helfer persönlich kennen. Gafarov Khassim erweist sich als völlig motorsportbesessen und fragt uns, ob wir nicht – ganz im Stil der Dakar – eine Rallye im Pamir-Gebirge organisieren wollten, dem wohl entlegensten und unberührtesten Winkel ganz Zentralasiens. Es fällt schwer, dem guten Mann klar zu machen, dass wir die falschen Personen für so einen Job sind.

Weiter in Richtung Penjikent. Das heißt den 3372 Meter hohen Anzob-Pass überqueren, der durch eine wild gezackte Berglandschaft führt und uns gleich mehrere Reifenpannen einbrockt. Erst spät in der Nacht erreichen wir unser Ziel, müssen uns allerdings noch einmal gedulden, weil drei betrunkene Polizisten, die am Stadtrand unsere Pässe kontrollieren, völlig unfähig sind, die riesigen, eingeklebten Visa zu finden. Wir wollen nur noch schlafen.

Von Penjikent führt eine winzige Stichstraße weiter hoch ins Gebirge zu den so genannten „Seven Lakes“, sieben fantastisch gelegene Bergseen. Am letzten findet sich direkt neben einem Wasserfall ein traumhafter Platz für das Zelt. Die Ruhe hier oben tut gut. Endlich für eine kurze Zeit keine Polizisten und keine Kontrollen. Erst später erfahren wir, dass die Gegend während des Bürgerkriegs, der bis 1998 andauerte, aus der Luft mit Streuminen übersät wurde.

Bei perfektem Wetter geht’s zurück, bis ein Abzweig kurz vor dem Anzob-Pass zum Iskanderkul-See lockt. Die hochalpine Landschaft raubt einem schlicht den Atem. Ein Schotterweg führt um den türkisfarbenen See an der Datscha des Präsidenten vorbei, schlängelt sich in Ufernähe durch den Wald und endet in einer Bucht, die lieblich zwischen den Felsen liegt und neben einem Gletscherbach sogar über einen Strand verfügt.

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