Zentralasien Das große Abenteuer

Ein Trip entlang der Strecken, die zur legendären Seidenstraße gehören, ist noch immer eine überaus spannende Angelegenheit. Mit der Pamir-Runde dürfte sogar eine Erstbefahrung gelungen sein.

Foto: Dr. Claus Possberg
Die weißen Riesen des Tien-Schan-Gebirges heißen uns im funkelnden Morgenlicht willkommen. Minuten später rumpelt der Jet über die Landebahn, dann befinden Claus und ich uns auch schon im Herzen Almatys, der größten Stadt Kasachstans. Reich wohnt neben Arm, Designer-Geschäfte reihen sich an Wellblechhütten, piekfeine Restaurants an schmutzige Garküchen. Und auf den verstopften Straßen rollen viele teure Autos aus zumeist deutscher Produktion. Lärm und Hektik rund um die Uhr.

Zwei Tage dauert der Stress im Zoll, bis die Beamten endlich unsere GS freigeben. Heilfroh enteilen wir dem Chaos, fliehen in die Weite der kasachischen Steppe in Richtung Taraz, gelangen problemlos an die Grenze zu Usbekistan, wo man uns überraschend zügig passieren lässt. Doch gleich im ersten Dorf folgt eine strenge Kontrolle der „Milizia“. Sie interessiert sich für jeden, der ihnen ungewöhnlich erscheint, und ausländische Motor- radreisende gehören nicht gerade zum Alltagsbild. Leider bleibt dieser nervige und zeitaufreibende Stopp kein Einzelfall. Die usbekische Hauptstadt Taschkent kommt in Sicht – internationale Firmen haben in der Metropole moderne Hochhäuser aus Stahl und Glas errichtet. Als wir in einer Bank im Zentrum 100 Euro umtauschen, händigt man uns eine Schuhschachtel voller Geldscheine aus. In dem Moment wird mir klar, warum sogar die Männer Handtaschen tragen: Es sind Geldbörsen.

Zwei Fahrtage später erreichen wir Samarkand mit seinem riesigen, türkis in der Sonne glänzenden Kuppeln. Obwohl hundemüde, zieht es uns durch diese ehemals legendäre Oase, einst ein zentraler Punkt an diesem Strang der Seidenstraße. Gleich drei überaus prunkvolle Medressen, wie die Koranschulen heißen, markieren das Zentrum der Altstadt. Und wieder begegnet einem auf Schritt und Tritt die wichtigtuerische Milizia. Während Claus recht gelassen reagiert, verderben sie mir schnell die Laune. Erst am Abend wandelt sich das Bild. Der Hauptplatz ist mystisch beleuchtet, ein Sprecher trägt Gedichte vor – und von der Milizia keine Spur mehr. Wir bummeln durch die engen Gassen, tauchen irgendwann in die „Stadt der Toten“ ein, ein langer, mit farbigen Kacheln verkleideter Korridor, in dem sich kunstvolle Mausoleen aneinanderreihen. Irgendwie fühlen wir uns in die Zeiten Timus zurückversetzt – der Enkel des grausamen Dschingis Khan hatte Samarkand 1370 zu seiner Hauptstadt auserkoren.
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Foto: Dr. Claus Possberg
Ab Karsi führt der Weg durch die gleichnamige Steppe. Heißer Nordwind aus der Kisilkum-Wüste brennt im Gesicht, bis die Oase Buchara inmitten von Dornengestrüpp und Salztümpeln auftaucht. Prompt verfahren wir uns in einem Netz enger Gassen, werden von vielen Kindern umringt, die uns alle ein Zimmer anbieten wollen. Anstatt eine Nacht in einer einfachen Lehmhütte zu verbringen, zieht es uns in ein Hotel. Wir haben eine Dusche und etwas Ruhe dringend nötig. Das Abendessen findet unter knorrigen, uralten Ulmen am Rande eines Wasserbassins statt, mit Blick auf die dunklen Umrisse der überaus prächtigen Kukeldash- und Nadir-Divanbegi-Medressen, die sich geheimnisvoll gegen den Sternenhimmel abheben. Bei einem Spaziergang entdecken wir den kleinen Laden eines Schmieds, voll mit Kostbarkeiten. Claus entscheidet sich sofort für ein Messer mit Dracheninkrustationen sowie für ein kleines Klappmesser, ich für einen wunderschönen Säbel, der gerade noch in einen Alukoffer passt.

Um vier Uhr morgens brechen wir bereits nach Chiwa auf, der kleinsten der prächtigen Städte entlang der Seidenstraße. Strecke machen steht an, um der enormen Hitze während des Tages zu entgehen. Doch schon kurz nach Sonnenaufgang wird es schon wieder glutheiß, und nur der breite Amu-Daria, der irgendwann parallel zur Straße verläuft, spendet ein wenig Kühle – wobei selbst rechts und links des Flusses die Wüste keinen Meter weicht. Später trennt uns eine schmale Eisenbahnlinie von der turkmenischen Grenze; für dieses Land haben wir jedoch keine Einreisegenehmigung erhalten.

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