Im Test: BMW C 600 Sport Neue Konkurrenz für Maxi-Roller

BMW überrumpelte die Konkurrenz mit seinem Supersportler S 1000 RR. Mit dem Maxi-Roller C 600 Sport wollen sie wieder aufs Podest. Gelingt ihnen das?

Foto: jkuenstle.de

Den Markt der der Reiseenduros beherrschen die Bayern seit Jahren mit der R 1200 GS. Seit Kurzem lassen sie sich dank der S 1000 RR auch bei den Supersportlern nicht mehr den Schneid abkaufen. Und jetzt Roller - ist das ihr Ernst? Vor mehr als zehn Jahren erfuhr man in München schmerzlich, was es bedeutet, nicht den Nerv der Zeit zu treffen: Der innovative C1 mit Sicherheitszelle floppte. Zumindest in Südeuropa sind sogenannte Maxi-Scooter seit vielen Jahren erfolgreich, das Konzept der stressfreien urbanen Mobilität geht auf. Neben dem Luxusmodell C 650 GT soll der C 600 Sport nun die dynamischeren Kleinradler überzeugen, auf den Großroller aufzuspringen.

Aber was heißt hier Kleinradler? Schon die Modellbezeichnung führt in die Irre. Denn der C 600 wird vom selben 647 Kubikzentimeter großen Twin angetrieben wie die GT-Version. Wo wir grade dabei sind: Der komplett neu entwickelte Zweizylinder leistet satte 60 PS, eine Variomatik kümmert sich um optimale Übersetzungsverhältnisse, und den Hinterradantrieb übernimmt eine im Ölbad laufende Kette. Wie von Blechkarossen im Stadtverkehr ausgebremst, setzt dort der Vortrieb leicht verzögert ein, erst auf freiem Landstraßengeläuf zeigt der Twin seine Spritzigkeit. Druckvoll geht es dann voran, und vor allem stabil: Vorn wie hinten sorgen die Federelemte sowohl für Komfort als auch für eine an Motorräder erinnernde Fahrstabilität. Beim Kurvengalopp macht dem BMW so schnell niemand etwas vor, bequem ist er außerdem. Die Konkurrenz hat einen Gegner mehr.

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Foto: Künstle

Technische Daten

Die Daten

Motor: Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum: 647 cm³
Kraftübertragung: Variomatik/Kette
Leistung: 44 kW (60 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment: 66 Nm bei 6000/min
Bremse vorn: Doppelscheibe (Ø 270 mm)
Bremse hinten: Scheibe (Ø 270 mm)
Reifen vorn: 120/70 R 15
Reifen hinten: 160/60 R 15
Federweg vorn/hinten: 115/115 mm
Tankinhalt: 16 Liter
Farben: Blau, Schwarz, Silber
Wartungsintervalle: 10 000 km
Preis: 11100 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte

Höchstgeschwindigkeit*: 181 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h: 6,8 sek
Durchzug 60−140 km/h: 9,4 sek
Gewicht vollgetankt: 252 kg
Zuladung: 193 kg
Verbrauch Landstraße: 4,3 l/100 km

*Werksangabe

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Foto: Künstle

Bewertung

In der Stadt

Roller und Stadt? Als ob sich das nicht von selbst erklärte. Flinkes Wuseln ist trotz der reichlichen Pfunde kein Kunststück für den neuen BMW. Der zögerliche Kraftschluss  der Kupplung beraubt den kräftigen Motor ein wenig seiner Spontanität. Das erweiterbare Helmfach erntet dickes Lob. 

 

Auf der Landstraße

Geht der Motor des C 600 in der Stadt zuweilen leicht verzögert ans Werk, so wendet sich bei höherem Tempo das Blatt: Vehement schiebt er den Fünf-Zentner-Scooter im Bereich zwischen 60 und 120 km/h dann voran. Viel Vertrauen schafft  die enorm hohe Lenkpräzision, mühelos pfeilt der BMW durch Kurven. 

 

Auf der Autobahn

Volle Kraft voraus! Erst bei stattlichen 180 Stundenkilometern bremst der Drehzahlbegrenzer das Speed-Sofa aus München ein. Zudem bietet die in drei Positionen einstellbare Scheibe beinahe perfekten Windschutz. Wer Heizgriffe und Sitzheizung mitbestellt hat, will vermutlich nie wieder anhalten.

Abschluss-Zeugnis BMW C 600 Sport

Motor:
Hält sich bei City-Tempo noch etwas zurück, um über Land dann die große Keule zu schwingen. Der Verbrauch liegt auf  Motorradniveau.

Fahrwerk:
Ein Roller, der wie ein Motorrad fährt? Dieser BMW ist schon nah dran. Gut ausbalanciert umrundet er Kurven jeder Art sehr präzise.

Foto: Künstle

Bremsen:
Dem starken Antrieb steht ebensolches Verzögerungswerkzeug zur Seite. Dank ABS beträgt der Bremsweg aus 100 km/h nur knapp 40 Meter.

Ausstattung:
Flexibler Stauraum, ABS serienmäßig, und verstellbarer Windschild sind klasse, weiteren Komfort gibt es gegen Aufpreis - wie gewohnt.

Komfort:
Trotz des „Sport” im Modellnamen verzichtet der Großroller nicht auf Bequemlichkeitselemente. Die Sitzhaltung vorn wie hinten gefällt.

Einsteigertauglichkeit:
Dank Variomatik können sich Anfänger voll aufs Fahren konzentrieren. Doch wenn es ans Rangieren geht, sind echte Muckis gefordert.

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