Arbeiten an der Trommelbremse Nicht nur eine Scheibenbremse braucht Pflege

Sie sind komplett abgekapselt von der Außenwelt. Ihre Pflege und Wartung wird gern vernachlässigt. Dabei sind Arbeiten an Trommelbremsen leicht zu stemmen. Unsere Werkstattfolge zeigt, wie es geht.

Foto: jkuenstle.de

Trommelbremsen sind auch im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert noch weitverbreitet: als hintere Bremse an vielen älteren Youngtimern bis hin zu moderneren Mittelklasse-Bikes, Enduros und Rollern.

Funktion
Durch Betätigen des Hand- oder Fußbremshebels wird entweder ein Bowdenzug oder ein Bremsgestänge betätigt, welches auf den Radbremshebel wirkt, der auf der Bremswelle montiert ist. Der innere Teil der Bremswelle ist ein beidseitig abgeflachter Bremsnocken: Wird beim Bremsvorgang die Bremswelle um einen bestimmten Betrag gedreht, spreizt der Bremsnocken die Bremsbacken, die sich dann von innen an die Bremstrommel („Bremsring“) anlegen.

Regelmäßige Kontrollen

  • Hand- und Fußbremshebel müssen sich leicht bewegen lassen und beim Loslassen sauber in ihre Ausgangslage zurückkehren.
  • Das „freie Spiel“ am Ende des Bremshebels (bevor sich die Bremsbacken an die Bremstrommel anlegen) muss mindestens 10 bis 15 mm betragen und darf 25 mm nicht überschreiten.
  • Der Fußbremshebel darf beim Durchtreten keine Fahrzeugteile berühren, wie z. B. Fußrastenhalterung, Auspuffrohr oder Motorseitendeckel. Sollte dies der Fall sein, wie oft nach einem Sturz: Zunächst Bremshebel richten!
  • Verschleißbeurteilung von außen: An der Ankerplatte ist eine Verschleißanzeige angebracht, die den Verschleiß der Bremsbeläge in Abhängigkeit zur Stellung des Radbremshebels zeigt. Wenn die Bremsbeläge nahezu verschlissen sind, ist auch die Nachstellmöglichkeit des Bremsgestänges erschöpft.
  • Spätestens beim Radausbau zum Reifenwechsel sollten die Bremsbeläge auf ausreichende Dicke sowie unbeschädigte Oberfläche überprüft werden.
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Foto: MPS-Fotostudio

Reinigen/ Bremsprobleme / Kontrolle

Trommelbremse reinigen
Beim Ausbau der Räder, z. B. zum Reifenwechsel, sollte die Bremse gut gereinigt, die Bremswelle und Bremsbacken auf ihren Drehstellen auf guten Sitz und freie Bewegung überprüft werden. Dazu Bremsenreiniger verwenden (absolut tabu sind ölhaltige Sprays wie WD 40 oder MoS). Nach sorgfältigem Putzen die Dreh- und Kontaktstellen mit etwas Kupferpaste einschmieren. Achtung: Kein Fett oder Öl zum Schmieren der Bremsbacken-Drehpunkte verwenden!

Bremsprobleme
Bremsprobleme kündigen sich meist durch Quietschen beim Betätigen der Bremse und gehemmte Raddrehung an. Sie treten dann auf, wenn der Bremsnocken in seiner Lagerung in der Bremsankerplatte schwergängig oder nahezu festgefressen ist - häufige Ursache ist Korrosion. Ebenso problematisch: Der Bremshebel lässt sich nur schwer betätigen, bewegt sich beim Lösen nicht von alleinein seine Ausgangslage zurück und gibt die Bremsbacken nicht frei.

Das sind typische Fehler an einer Alltagsmaschine, die einige Jahre alt ist, lange keine Werkstatt mehr gesehen hat, ausschließlich zu Kurzstreckenfahrten in der Großstadt benutzt wurde und als Laternenparker auf dem Gehsteig ganzjährig allen Unbilden von Wind und Wetter ausgesetzt war.

Wenn also die Gefahr droht, dass die Bremse festläuft oder im schlimmsten Fall schon fest ist: Fahren Sie keinen Meter mehr, sondern kümmern Sie sich sofort um eine fachgerechte Behebung der Fehler. Eine defekte Bremse lässt sich reparieren, indem sie zerlegt, gereinigt und wieder sauber zusammengebaut wird.

Bremstrommel kontrollieren

  1. Die maximal zulässige Unwucht der Bremstrommel liegt bei 0,1 mm. Eine unrunde, verzogene Bremstrommel ist durch rhythmisches Flattern des Fußbremshebels zu spüren.
  2. Im Bremsring der Bremstrommel bilden sich im Gebrauch Riefen, die man mit dem Fingernagel spürt. Das ist bis zu einer gewissen Tiefe ganz normal. Wenn man allerdings bei der Fingerprobe von Riefe zu Riefe deutlich stolpert, ist die Bremstrommel verschlissen.
  3. Weist der Bremsring im Übergang zur Fläche, die nicht vom Bremsbelag berührt wird, also am äußeren und inneren Rand, tiefe Absätze auf, ist die Bremstrommel ebenfalls verschlissen und muss erneuert werden. Gut ausgerüstete Bremsenfachbetriebe (sind in den „Gelben Seiten“ unter „Bremsen“ gelistet) können Trommelbremsen ausdrehen und nachschleifen, wozu jedoch die Nabe ausgespeicht werden muss.
  4. Flugrost im Bremsring mit Schmirgelleinen entfernen.
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Foto: Schermer

Bremsbeläge wechseln

Bremsbeläge wechseln
Wenn die Bremsbeläge abgenutzt sind, werden die kompletten Bremsbacken erneuert. Die alte Methode, bei der die frischen Bremsbeläge aufgeklebt oder aufgenietet wurden, gibt es praktisch nicht mehr. Sollte es jedoch wider Erwarten keine neuen Bremsbacken für Ihre Maschine geben, müssen die alten Backen neu belegt werden. Wenden Sie sich dazu bitte an einen Motorradfachhändler oder einen Bremsenfachbetrieb.

  1. Rad ausbauen, Bremsankerplatte abnehmen und auf den Rücken legen.
  2. Bremsbacken zusammen mit den Federn von der Ankerplatte abnehmen. Beide Bremsbacken einfach gleichmäßig von Bremsnocke und Lagerstelle abkippen.
  3. Ankerplatte, Federn und Bremsnocken mit Bremsenreiniger und Druckluft reinigen. Vorsicht, Bremsenstaub ist giftig! Nur im Freien arbeiten, Staub nicht einatmen.
    3.1.
    Bremsnocken ausbauen: Radbremshebel abbauen, Bremsnocken aus seiner Lagerung ziehen.
    3.2.
    Lagerstellen mit Bremsenreiniger säubern.
  4. Bremsnocken einbauen:
    4.1.
    Lagerstelle in der Bremsankerplatte hauchdünn mit Kupferpaste einschmieren.
    4.2.
    Bremsnockenwelle in Lagerstelle einschieben, Verschleißanzeiger aufschieben, Bremshebel auf die Verzahnung aufstecken: Markierung dabei beachten, sie muss mit Klemmschlitz fluchten, Bremshebel festschrauben.
  5. Neue Bremsbacken einbauen:
    5.1.
    Federn in beide Bremsbacken einhängen.
    5.2.
    Auf die Lagerstellen der Bremsbacken und die Flächen des Bremsnockens etwas Kupferpaste geben.
    5.3.
    Beide Bremsbacken gemeinsam auf Lagerstelle und Bremsnocken setzen.
  6. Rad einbauen, Bremshebelspiel einstellen:
    Bei 10 bis 15 mm gezogenem Bremshebel muss es leicht „schleifen“, dann legen sich die Bremsbeläge gerade eben an den Bremsring an. Bei halb bis drei Viertel gezogenem Bremshebel muss die Bremse wieder kraftvoll zupacken.

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