Besser fahren: Richtig überholen Tipps und Tricks für bessere Überholmanöver mit dem Motorrad

Man kann und sollte sich Zeit lassen mit der Entscheidung. Wenn man sich aber zum Überholen entschlossen hat, gilt nur noch eines: vorbei, und zwar möglichst rasch.

Foto: Jahn

Sicheres Überholen ist in mehr als einer Hinsicht ein Resultat guter Vorbereitung. Das gilt vor allem auf Straßen mit Gegenverkehr. Erster und wichtigster Schritt dieser Vorbereitung ist das Durchschauen der Verkehrssituation, die sich uns darbietet. Das klingt banal, doch im täglichen Verkehr lauern mehr Fallen, als selbst langjährige Motorradfahrer in ihrem Erfahrungsrepertoire haben.

Dass wir knapp vor einer Kurve oder Kuppe nicht überholen und danach erst, wenn wir die Senke bis zum Grund einsehen und den eventuellen Gegenverkehr in Entfernung und Fahrgeschwindigkeit einschätzen können, versteht sich von selbst. Komplizierter sind Kombinationen mehrerer ungünstiger Faktoren. Ein dunkel lackierter, niedriger Morgan +8 zum Beispiel, der in einer schattigen Passage entgegenkommt, während der zum Überholen ansetzende Motorradfahrer im gleißenden Sonnenlicht fährt. Oder ein entgegenkommender Motorradfahrer im Gegenlicht, der einen weiteren, ihm hinterherfahrenden akkurat verdeckt.

Beide Situationen sind dem Autor schon unterlaufen, zwangen zu schnellen Rettungsmanövern und bescherten eine wichtige Erkenntnis: Die größte Gefahr ist unsere eigene Ungeduld. Wir können sie nur dadurch ausschalten, dass wir gerade dann mit Bedacht ans Überholen gehen, wenn wir besonders heiß darauf sind, etwa um uns vor der nächsten Kurvenfolge freie Bahn zu schaffen.

Noch bevor die Entscheidung fällt, können wir schon einmal den richtigen Gang einlegen; meist müssen wir dafür zurückschalten. Ausreichender Abstand zum Vorausfahrenden vermeidet, dass dieser irritiert wird. Würde er aus Unsicherheit oder Zorn plötzlich bremsen, fiele diese Reaktion auf uns zurück: Wir müssten selbst verzögern, statt zu überholen.

Schon Sekundenbruchteile bevor der Weg frei wird, kann Gas angelegt und beschleunigt werden. Weiter beschleunigend wechseln wir auf die Gegenspur und ziehen den eigentlichen Überholvorgang rasch und energisch durch. Ganz wichtig: Beim Überholen wird weder Sprit gespart, noch der Hinterreifen geschont. Wer die Nähe des Gegenverkehrs unterschätzt hat und dies auch noch zu spät bemerkt, sollte sich nicht sklavisch ans Tempolimit halten, sondern weiter voll beschleunigen. Besser kurzzeitig zu schnell fahren, als einen mörderischen Frontalcrash verursachen.

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Foto: Jahn

Bei normalem Verlauf eines Überholmanövers tun wir gut daran, in großzügigem Abstand vor dem eben Überholten wieder nach rechts zu ziehen. Und wer als Erster einer Gruppe überholt, hat die verdammte Pflicht, erst dann wieder das Tempo zu reduzieren, wenn die nach ihm kommenden genügend Raum zum Wiedereinscheren haben. Ballen sich plötzlich sehr viele Fahrzeuge auf kleinem Raum, ist es eine kollegiale Geste, auf der eigenen Straßenseite ganz rechts zu fahren, dann können andere Motorradfahrer rasch in die Lücke schlüpfen.

Von besonders starkem Charakter müssen diejenigen sein, welche in einer Gruppe hinten fahren. Selten können alle in einem Zug überholen, dann müssen die hinteren sich dem Sog der Gruppe entziehen, bis auch sie sicher vorbei kommen.

Tipps und Tricks

  • Steht seitlich der Straße ein Bauer mit Trecker wartend auf seiner Rübenautobahn oder ein Autofahrer ist im Begriff, einen Waldparkplatz zu verlassen, verzichtet man besser aufs Überholen. Selbst wenn kein direkter Gegenverkehr herrscht. Durch die starke Beschleunigung sind überholende Motorräder für solche Seitensteher schwer einzuschätzen.
  • Im Überholverbot dürfen Autofahrer Motorradfahrer überholen. Umgekehrt gilt das nicht.

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