So geht's: Bremsflüssigkeit wechseln Bremsflüssigkeit am Motorrad richtig wechseln

Die Bremsflüssigkeit nimmt den Druck vom Hand- oder Fußhebel auf und gibt ihn weiter an die Bremskolben. Damit sie das zuverlässig erledigen kann, muss sie gelegentlich getauscht und entlüftet werden. 2Räder zeigt wie es funktioniert die Bremsflüssigkeit beim Motorrad zu wechseln und die Bremshydraulik zu entlüften.

Foto: Schermer

Bremsflüssigkeit wechseln: Das ist zu beachten

Bei Bremsen gibt es keine Kompromisse:  Volle Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Bremsanlage müssen auf jedem Meter Fahrstrecke zur Verfügung stehen. Dazu gehört außer ausreichend dicken Bremsbelägen der regelmäßige Austausch der Bremsflüssigkeit: mindestens alle zwei Jahre. Man sieht es an der Farbe: Frisch ist sie meist hellgelb, kann aber je nach Hersteller und Typ auch beige, hellblau oder hellrot gefärbt sein. Mit der Zeit wird sie grau bis schwarz, dann ist sie verbraucht.

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Je älter Bremsflüssigkeit ist, desto mehr Wasser hat sie aus der Luft aufgenommen und desto niedriger liegt ihr Siedepunkt. Bei Hitze bilden sich Dampfblasen, und die Gefahr ist groß, dass die Bremse bei extremem Einsatz – etwa bei Passabfahrten, wenn sie sehr heiß wird – plötzlich versagt. Denn anders als die Flüssigkeit lassen sich Dampfblasen zusammendrücken, weswegen der vom Bremshebel aufgebaute Druck nicht an die Kolben weitergegeben wird. Der Hebel lässt sich fast leer durchziehen, die Wirkung ist gleich null. Schnelle Fahrer oder pässebegeisterte Biker wechseln die Bremsflüssigkeit sogar alle zwölf Monate, da sie durch den ständigen Wechsel von Erhitzen und Abkühlen besonders stark belastet wird. Wie das geht, kommt gleich. Erst noch ein paar Vorworte.

Erstens: Im Regelfall wird beim Wechsel die gesamte Bremsflüssigkeit erneuert, indem beim Durchpumpen der neuen Bremsflüssigkeit die alte ausgedrückt wird. Falls Sie un­sicher sind, ob das auch bei Ihrer Maschine so ist, fragen Sie Ihren Händler.

Zweitens: Ältere BMW-Motorräder mit ABS haben mehrere Bremskreise, nämlich den jeweiligen Radbremskreis und den zu-
gehörigen ABS-Bremskreis. Auch können die Bremsen vorne und hinten miteinander gekoppelt sein: zum Beispiel bei Hondas mit CBS. Besitzer solcher Maschinen sollten den Bremsflüssigkeitswechsel beim Markenhändler erledigen lassen, weil dafür Spezialwerkzeuge erforderlich sind, verschiedene Maßangaben und Abfolgen beachtet werden müssen und nach getaner Arbeit auch der Fehlerspeicher der Bordelektronik ausgelesen werden muss.

Anmerkung 3: An einigen Maschinen ist ein Entlüftungsventil an der Handbremspumpe angebracht; zum Beispiel bei modernen Maschinen mit Radialbremspumpe.

Anmerkung 4: Die Anziehdrehmomente der Entlüftungsventile in den Bremssätteln und der Handbremspumpe sind je nach Hersteller verschieden. Bitte besorgen Sie sich diese aus den Werkstatt-Handbüchern, bevor Sie mit der Arbeit anfangen.

Standardwerte sind:
• Entlüftungsventile im Bremssattel, Schlüsselweite 7 oder 8: mit 8 Nm festziehen.
• Entlüftungsventile mit Schlüsselweite 11 bis 15 mit 18 Nm festziehen.
• Das Entlüftungsventil in der Handbrems­pumpe wird mit 3 bis 4 Nm festgezogen.

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Anleitung: Bremsflüssigkeit wechseln und Bremshydraulik entlüften

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Bremsflüssigkeit wechseln

1. Vorn: Vom Bremsflüssigkeits-Vorratsbehälter den Deckel abschrauben, Stützplatte und Membran ausbauen

2. Alte Flüssigkeit aus Behälter absaugen, z. B. mit Einwegspritze. Behälter innen, Membran, Stützscheibe und Deckel mit sauberem, fusselfreiem Lappen reinigen.

3. Frische Bremsflüssigkeit einfüllen.

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4. Gummikappen von den Entlüftungsventilen an der Handbremspumpe und an jedem Bremssattel abziehen.

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5. Am Ventil der Handpumpe entlüften.
5.1. Exakt passenden Sechskant-Ringschlüssel auf das Entlüftungsventil aufstecken.
Keinen Zwölfkant-Ringschlüssel nehmen oder gar einen Gabelschlüssel! So etwas dreht die Ecken des Sechskants am Entlüftungsventil rund. Es können oben, vorn und hinten verschieden große Ventile angebaut sein.
5.2. Einen durchsichtigen Schlauch über das Ventil stülpen und mit Kabelbinder sichern. Anderes Ende in ein sauberes Gefäß.
5.3. Etwas Bremsflüssigkeit in das Gefäß geben, damit das Schlauchende keine Luft ansaugen kann.
5.4. Gefäß aufhängen, dass das Niveau der Bremsflüssigkeit höher steht als das Ventil.
5.5. Frische Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter geben. Einen Lappen darüberlegen, damit beim Pumpen nichts herausspritzt.

6. Einsteller im Handbremshebel auf maximalen Abstand einstellen.

 

Bremshydraulik entlüften

1. Handbremshebel einige
Male langsam (!) ziehen, bis ein Widerstand spürbar ist. Den Hebel zwischendurch immer einige Sekunden in Ruhestellung lassen, damit Bremsflüssigkeit luftfrei nachläuft

2. Nach dem 4. bis 5. Pumpen den Hebel anziehen und am Widerstandspunkt halten.
3. Entlüftungsventil eine Viertel- bis Drittelumdrehung öffnen, Hebel langsam ganz durchziehen, Entlüftungsventil schließen.

4. Hebel langsam wieder loslassen und einige Male pumpen. Hebel in Druckposition halten, Ventil aufdrehen und schließen.

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5. Schritte 1 bis 4 wiederholen, bis nur noch Bremsflüssigkeit ohne Luftblasen austritt.

6. Dazwischen immer nachsehen, ob im Vorratsbehälter genügend Bremsflüssigkeit ist: Der Pegelstand darf nicht unter die Minimum-Marke fallen. Rechtzeitig nachfüllen, damit keine Luft ins System gelangt.

7. Tritt am Entlüftungsschlauch nur noch frische Bremsflüssigkeit ohne Luftblasen
aus, den Bremshebel nochmals durchziehen, dabei das Ventil mit 2 Nm leicht anziehen.

8. Bei Doppelscheibenbremsen dann die Leitung zum zweiten Sattel vorn entlüften: Dazu die Schritte 1 bis 7 wiederholen.

9. Danach am zweiten Bremssattel entlüften.

10. Abschließend noch einmal am Entlüftungsventil der Handbremspumpe entlüften.

Da an der Fußbremspumpe kein Entlüftungsventil vorhanden ist, wird die hintere Bremse nur über das Ventil im Bremssattel entlüftet.

Danach die Umgebung der Entlüftungsstellen mit viel warmem Wasser und einem Schuss Spülmittel reinigen und trocknen. Anschließend etwas Silikonfett in das Entlüftungsventil geben und die Gummikappe aufdrücken. Am Ende den Flüssigkeitsstand erneut prüfen und ggf. bis zur Markierung auffüllen.

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