Werkstatt-Ratgeber: Bremsflüssigkeit Flüssigkeitswechsel nach der Winterpause

Welche Bremsflüssigkeitstypen dürfen gemischt werden, was muss bei Kontrolle und Nachfüllen beachtet werden? Erster Teil des MOTORRAD-Werkstattratgebers "Pflege der Bremsanlage in der Winterpause".

Foto: Schermer

Bei Betätigung des Bremshebels wird vom Kolben im Hauptbremszylinder ein Druck auf die Bremsflüssigkeit aufgebaut, der auf die Bremskolben in den Bremssätteln weitergegeben wird. Diese Kolben fahren aus ihren Bohrungen und pressen die Bremsbeläge gegen die sich drehenden Bremsscheiben. Dadurch wird eine Reibkraft aufgebaut, das Rad bremst ab.

Um den Betrag, den die Bremsbeläge verschleißen, wandern die Kolben immer weiter aus ihren Bohrungen heraus. Dementsprechend läuft Bremsflüssigkeit nach. Damit sinkt auch der Pegelstand im Flüssigkeitsbehälter, weswegen der Bremsflüssigkeitsstand regelmäßig überprüft und ggf. nivelliert werden muss. Spätestens alle zwei Jahre muss die Bremsflüssigkeit gewechselt werden. Es gibt
sie in kleinen, preiswerten Gebinden. Zum Wechsel wird ungefähr
ein halber Liter benötigt. Alles zu diesem Thema wird in Teil 2 in
der nächsten Ausgabe von MOTORRAD beschrieben.

  • Generell wird heute Bremsflüssigkeit der Qualität DOT 4 verwendet.
  • Keinesfalls dürfen Verunreinigungen, Schmutz oder Wasser in die Bremsflüssigkeit gelangen.
  • Keine Flüssigkeiten anderer Art verwenden oder dazumischen und nie ältere Bremsflüssigkeitsreste einfüllen.


ACHTUNG: Bei den meisten Motorrädern ist Bremsflüssigkeit in den Qualitäten DOT 3 oder 4 vorgeschrieben: Im Neuzustand hat DOT 3 einen Siedepunkt von 205 Grad, DOT 4 liegt mit 230 Grad etwas höher, und DOT 5/5.1 hat 260 Grad.

Weil man DOT 3 und DOT 4 nicht mischen soll (Fachleute sagen, „es ist möglich, aber nicht zu empfehlen“), ist die heute für Motorräder angebotene Bremsflüssigkeit meistens mit „DOT 3/4“ ausgewiesen. Damit ist garantiert, dass die Bremsmanschetten, die in einer für DOT 3 freigegebenen Bremse eingebaut sind, sich nicht auflösen (bzw. „weich“ oder gar „bröselig“ werden), wenn DOT 3/4 eingefüllt wird. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass DOT 4 in eine ältere Bremsanlage, für die DOT 3 vorgeschrieben ist, eingefüllt werden darf.

Ganz generell ist die Verwendung von Bremsflüssigkeit der Qualität DOT 5.1 nicht nötig. Natürlich bestätigen  Ausnahmen die Regel, denn bei auf der Rennstrecke bewegten Supersport- und bei echten Rennmaschinen ist DOT 5 durchaus sinnvoll.

ACHTUNG: Generell sollte nur solche Bremsflüssigkeit in das Bremssystem eingefüllt werden, die auf dem Deckel des Ausgleichsbehälters vermerkt ist. Für höherwertige Bremsflüssigkeiten muss eine Freigabe des Fahrzeugherstellers vorliegen (Händler fragen!).

Wichtig: Eine Bremsflüssigkeit der Qualität DOT 5 auf Silikon-Basis ist für einige Maschinen vorgeschrieben, z. B. für Harleys. Diese Silikon-Bremsflüssigkeit darf mit keiner Bremsflüssigkeit eines anderen Typs gemischt werden, denn eine solche Mischung wird nach kurzer Zeit fest und krümelig und löst die Gummimanschetten innerhalb der Bremse sowie die Gummibremsschläuche auf!

WICHTIG: Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, sie zieht also Feuchtigkeit aus der Luft an, die sich mit der Bremsflüssigkeit vermischt. Dadurch sinkt der Siedepunkt, und die Temperaturbeständigkeit der Bremse wird schlechter. Deswegen soll auch zum Nachfüllen immer frische Bremsflüssigkeit aus einem neuen, ungeöffneten Behälter benutzt werden.

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Foto: Schermer

Bremsflüssigkeit kontrollieren

Bei heutigen Motorrädern (und Rollern natürlich auch) ist die Bremsflüssigkeit in Behältern, die nahe oder direkt an der Hand- oder Fußbremspumpe montiert sind, untergebracht. Diese Behälter sind entweder ringsum durchsichtig (transparent) oder haben ein durchsichtiges Kontrollfenster (Auge).

Zum Kontrollieren des Bremsflüssigkeitsstandes muss der Lenker so gedreht werden, dass der Vorratsbehälter so waagerecht steht wie möglich. Das ist besonders wichtig bei Maschinen ohne Mittelständer, die also nur auf dem Seitenständer abgestellt werden können: Man muss die Lenkung etwas nach rechts drehen, bis der Behälter so waagerecht steht, wie es nur eben geht.

Am Bremsflüssigkeits-Vorratsbehälter sind Markierungen angebracht:

  • MAX steht für den maximal erlaubten Stand.
  • MIN für den minimalen Stand.


Bei vielen Metallbehältern mit Auge ist oft nur der MIN-Stand
angegeben, der MAX-Stand ergibt sich aus dem oberen Rand des Auges.

WICHTIG: Im oberen Teil des Auges muss eine kleine Luftblase zu sehen sein. Sieht man diese nicht, ist der Behälter möglicherweise zu voll, was zur Folge haben kann, dass die im Behälter oben unter dem Deckel eingesetzte Gummimembran so stark auf die Bremsflüssigkeit drückt, dass die Bremskolben im Sattel nach einem Bremsvorgang nicht mehr in ihre Nulllage zurückgehen können und die Bremse deswegen schleift - oder ganz „fest“ bleibt.

Daher aufpassen beim Auffüllen:

  • Behälter mit MAX-Markierung nicht über MAX auffüllen.
  • In einem nicht transparenten Behälter ohne MAX-Markierung ist innen eine Markierung angebracht, die man erst sieht, wenn der Deckel abgenommen und die Gummimembran entfernt ist. Bremsflüssigkeit nur bis knapp an diese Markierung auffüllen.
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Foto: Schermer

Bremsflüssigkeit auffüllen

  1. Motorrad steht auf ebenem Untergrund auf Mittel- oder Heckmontageständer.
  2. Vorderrad in Fahrtrichtung, Bremsflüssigkeits-Vorratsbehälter am Lenker ist „im Lot“.
    - Stand der Bremsflüssigkeit darf nicht unter Markierung MIN stehen, sondern muss leicht darüber sein, aber bis maximal an die Markierung MAX.
    - Behälter NICHT überfüllen!
  3. Wenn Bremsflüssigkeit aufgefüllt werden muss, zuerst den Behälter mit einem weichen, saugfähigen Lappen umwickeln, damit eventuell ausschwappende Hydraulikflüssigkeit aufgesaugt wird und nicht an Lackteile kommt.
  4. Deckel vom Behälter abnehmen:
    - Deckel ist mit Schrauben befestigt: Schrauben lösen und ausdrehen, Deckel abnehmen, Stützscheibe und Gummimembran vorsichtig herausnehmen.
    - Schraubdeckel: Diesen fest mit der Hand anpacken und losschrauben, abnehmen. Stützscheibe und Gummimembran herausnehmen.
    - Sonderfall BMW: Bei den neueren BMWs sind Deckel mit Verriegelungsnasen montiert, zum Öffnen ist ein Spezial-Entriegelungswerkzeug (Teile-Nr. 32 1 511) vorgeschrieben. Wenn man das nicht hat, kann man die beiden Verriegelungsnasen überlisten: Beide Rastennasen des Stützrings mit Fingernägeln oder Schraubenzieher eindrücken und gleichzeitig den Deckel links herum zuerst auf- und dann ganz abdrehen
  5. Stützscheibe und Membran vorsichtig herausnehmen.
  6. Bremsflüssigkeit auffüllen: Entweder bis zum unteren Rand des Gewindes, der Markierung MAX oder der Unterkante der innen im Behälter angebrachten Markierung auffüllen.
  7. Membran mit sauberem, nicht fusselndem Lappen reinigen, in Form bringen und einsetzen. Stützscheibe aufsetzen.
    - Bei Stützscheiben mit Zapfen müssen diese in die dafür vorgesehenen Nuten eingreifen.
    - Deckel aufdrehen und handfest anziehen.


ACHTUNG: Eventuell herausgespritzte oder übergelaufene Bremsflüssigkeit mit reichlich klarem Wasser abspülen und gut abtrocknen.

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