Desmodromische Ventilsteuerung Desmodromische Ventilsteuerung

Das zwangsweise Öffnen und Schließen der Ventile von Viertaktmotoren (desmodromische Ventilsteuerung) ist untrennbar mit dem Namen Ducati verbunden. Nur diese italienische Firma baute und baut Motoren in Serie, deren Ventile zwangsweise geschlossen werden.

Das zwangsweise Öffnen und Schließen der Ventile von Viertaktmotoren (desmodromische Ventilsteuerung) ist untrennbar mit dem Namen Ducati verbunden. Nur diese italienische Firma baute und baut Motoren in Serie, deren Ventile zwangsweise geschlossen werden. Andere Firmen wie Norton, die einen Manx-Einzylinder ebenfalls zu Rennzwecken aufbauten, verbauten die Konstruktion nicht in Serienmaschinen.


Dabei sind die Vorteile unbestritten. Motoren, bei denen Schraubenfedern das Ventil am Nocken halten, haben nämlich eine natürliche Grenzdrehzahl. Oberhalb dieser Drehzahl werden die Massenkräfte des Ventils so groß, daß die Federkraft nicht mehr ausreicht, das Ventil in Kontakt zum Nocken zu halten - das Ventil flattert. Im Extremfall berühren sich Ventilteller und Kolben. Ein Motorschaden ist die Folge.

Einem desmodromisch gesteuerten Ventiltrieb à la Ducati kann das nicht passieren. Neben dem üblichen Öffnungshebel schließt ein weiterer Hebel, durch eine gesonderte Nocke betätigt, das Ventil zwangsweise. Selbst sehr große und somit schwere Ventile sind per Desmodromik zu beherrschen. Weil außerdem Nocken mit steilerem Anstieg und größerem Hub zum Einsatz kommen können (die Ventile öffnen und schließen dann schneller), füllt sich der Brennraum mit mehr Frischgas. Herkömmliche Schraubenfedern wären nicht in der Lage, die hohen Ventilbeschleunigungen aufzufangen. Das Ventil würde abheben. Nicht zuletzt sind die Reibungsverluste in einem desmodromischer Ventiltrieb deutlich geringer.


Diesen unbestrittenen Vorzügen stehen Nachteile entgegen. Eine desmodromische Ventilsteuerung ist aufwendig zu fertigen und bedarf hoher Präzision. Mehr noch stört die diffiziele Einstellung des Ventilspiels, das auf wenige Hundertstelmillimeter genau stimmen muß. Selbst geübte Mechaniker brauchen dazu mehrere Stunden.


Vier- und Fünfventilmotoren und leichte und hochfeste Werkstoffe haben die Vorteile der Zwangsventilsteuerung außerdem relativiert: Ventile moderner Motoren sind so klein und leicht, daß zusammen mit verbesserten Stählen für die Schraubenfedern extreme Drehzahlen möglich wurden.

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Foto:

Die Nockenwelle betätigt die Ventile über Öffnungs- und Schließhebel.

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