So geht's: Blickführung Die richtige Blickführung beim Motorradfahren

Motorradfahren ist ein Genuss für alle Sinne. Aufmerksamkeit und Konzentration sind zwei wesentliche Voraussetzungen dafür.

Die Freude am sicheren Fahren ruht auf vielen Säulen; ein gut sitzender Helm, ein großes Sichtfeld und ein sauberes Visier sind drei, aber sie reichen nicht: Der Fahrer muss seinen Blick bewusst lenken und sich von ihm leiten lassen. Nicht umsonst steht der Satz "Du fährst dahin, wo du hinsiehst" in jedem guten (und bestimmt einigen weniger guten) Ratgebern zu Kurventechnik und Fahrsicherheit.

Also: Nicht 15 Meter vors Vorderrad fokussieren, sondern weit voraus schauen. Der Blick nimmt die Fahrt des Motorrads vorweg, gleitet von Kurve zu Kurve. Vielen Fahrern fällt dies leichter, wenn sie den Kopf gegenläufig zur Schräglage neigen; dann steht der Horizont wieder annähernd waagerecht.

Der weit blickende Fahrer erkennt Stolperfallen wie Erdklumpen, Schlaglöcher und Bitumenflicken früh, kann den Fokus auf die intakte Fahrbahn daneben richten und Sekunden später lässig am Mini-Hindernis vorbeischwingen. Der weite Blick bietet einen zweiten Vorteil: Sieht man dynamische Gefahrenquellen länger - also alle anderen Verkehrsteilnehmer plus Tiere, Regenfronten und Erdrutsche - kann man präzise einschätzen, was als Nächstes passieren wird.

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Natürlich ist in der Ferne alles etwas kleiner. Dafür sieht man insgesamt mehr, kann Situationen vorher-sehen, sich auf Gefahren einstellen und handeln, statt nur zu reagieren. Anders gesagt: Was hilft es mir, wenn ich die TÜV-Plakette des Dreieinhalbtonners, der mich gerade zu einer Vollbremsung nötigt, deutlich lesen kann?

Nützlicher ist allemal, den Traktor mit links gesetztem Blinker in 250 Metern Entfernung wahrzunehmen, der einem entgegenkommenden Fahrzeug Vorrang gewähren muss. Klar, der Laster wird gleich auf den Traktor auflaufen, deshalb bremsen müssen. Also vergrößere ich schon mal den Abstand. Vielleicht kann ich, wenn der Traktor weg ist und die Straße frei, den Laster mit Schwung geschmeidig und gefahrlos überholen. 

Ziel muss sein, beim Fahren solche Planspiele um Gefahrenquellen und den positiven Umgang mit ihnen im Unterbewusstsein ablaufen zu lassen. Sobald man sich in Fahrt bewusst die Taktik für eine akute Verkehrslage zurechtlegt, überholt die Realität jeden Plan.

Noch besser, als sich aus einer kritischen Situation zu befreien, ist, gar nicht erst hineinzugeraten. Wer stets auf mehr als das Offensichtliche vorbereitet ist, fährt auf der sicheren Seite: Was, wenn hinter der nächsten Landstraßen-Kuppe ein Auto wenden will? 

Wenn nach einem Regen ein Hang auf die Straße gerutscht ist? Wenn auf der Autobahn gleichzeitig einer von links und einer von rechts auf die mittlere Spur wechseln wollen? Die Verkehrsregeln sind in solchen Momenten keine Hilfe. "Der durfte da aber nicht wenden!" wird Ihnen im Falle eines Falles nur schwache Genugtuung geben. Solche Überlegungen sollen Ihnen keinesfalls den Spaß am Motorradfahren verderben, im Gegenteil: Sie helfen, Panik zu vermeiden. 

Wenn Sie gedanklich auf kritische Situationen gefasst sind, reagieren Sie schneller und besser: Den Blick sofort vom Hindernis losreißen und auf die Lücke daneben richten. Kräftig bremsen, Fahrer von Maschinen mit ABS sind hier im Vorteil. In jedem Fall hilft Körperspannung, die Kontrolle über das Motorrad zu behalten. Und dann rechtzeitig zum Stehen kommen oder eben langsam am Hindernis vorbeifahren.

Es ist keinesfalls eine Schwäche, sondern zeugt von Reife und Verantwortungsbewusstsein, nach einem Schreck rechts ranzufahren und durchzuschnaufen. Danach sind die Sinne viel besser in der Lage, die Fahrt wieder aufmerksam und konzentriert zu genießen.

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Tipps für eine bessere Blickführung

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Der Blick lenkt die Fahrt: Weit in Kurven schauen. Nie mit dem Auge an Hindernissen kleben, sondern auf die Lücke daneben blicken.

Mit dem Schlimmsten Rechnen: Tote Winkel und uneinsehbare Kurven bergen Risiken. Stets innerhalb der Sichtweite bremsen können.

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Raus aus dem Teufelskreis: Wer sich unsicher fühlt, blickt zu kurz. Wer zu kurz blickt, fährt und fühlt sich unsicher. Durchbrechen kann man den Kreis nur, wenn man ihn erkennt.

Erfahrungen sammeln: Erschreckende und gefährliche Situationen nicht verdrängen, sondern bewusst nacherleben. Was ist passiert, warum ist es passiert, und wie kann ich vermeiden, dass es wieder passiert? Der Gedanke "Was hätte der andere besser machen können?" ist zwar legitim und menschlich, hilft aber nicht.

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