Kurven sicher und flüssig fahren - Tipps für Einsteiger Einsteiger-Special: Kurven richtig fahren

Kurven sind das Schönste, was einem Biker unter die Räder kommen kann. 2Räder erklärt, wie man sie sicher und flüssig fährt.

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Kurven richtig fahren - Gute Tipps für Einsteiger.
Kurven richtig fahren - Gute Tipps für Einsteiger.

Anbremsen, einlenken und am Scheitelpunkt wieder Gas geben - Kurvenfahren hört sich ja so einfach an. Ist es im Grunde auch, wenn man sich einerseits der motorradeigenen Dynamik und der möglichen Fehler und Gefahren andererseits bewusst ist. Dazu gehört beispielsweise, dass ein bremsendes Motorrad nur schwer in Schräglage zu bringen ist. Auch der Mensch sträubt sich gegen sie, nur ungern neigt er sich um mehr als 20 Winkelgrade. Jedes weitere Grad Schräglage - bei aktuellen Reifen sind bis zu 50 Grad drin - muss antrainiert werden. Nicht falsch verstehen: Flottes Kurvenfahren ist keine Show-Übung für knieschleifende Hobby-Racer, sondern dient der eigenen Sicherheit. Der Fahrspaß steigert sich dabei von ganz allein, wenn die Schräglage von Kurve zu Kurve zunimmt und das Zweirad immer früher ans Gas genommen wird. Zum ersten Mal bekommen die jungfräulichen Randstreifen der Pellen Straßenkontakt, und irgendwann spürt man, wie die unter den Fußrasten montierten Angstnippel zart, aber hörbar über den Asphalt kratzen. So trainiert, stellen selbst enger werdende Kurven keine Herausforderung mehr dar: Der Bock wird einfach weiter abgewinkelt, und die panikbremsenden Kumpels staunen nicht schlecht.

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Die drei Phasen einer Rechtskurve

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Rote Phase: Anpassungsbremsung beim Einlenken.
Rote Phase: Anpassungsbremsung beim Einlenken.

Rote Phase: Anpassungsbremsung beim Einlenken. Dabei entsteht besonders bei breit bereiften Maschinen das sogenannte Aufstellmoment, bedingt durch die außermittig zur Lenkachse verlagerte Aufstandsfläche des Vorderreifens. Dieses Phänomen muss der Fahrer durch eine Gegenlenkkraft (blaue Pfeile) ausgleichen. Bei Fahrversuchen wurde eine Gegenlenkkraft von bis zu 25 Kilogramm bei rund 12 Grad Schräglage gemessen.

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Gelbe Phase: Schräglage in der Rollphase.
Gelbe Phase: Schräglage in der Rollphase.

Gelbe Phase: Schräglage in der Rollphase. In diesem Fahrzustand sind die Umfangskräfte am Vorderrad minimal, während am Hinterrad je nach Geschwindigkeit die Antriebsleistung einwirkt - bei konstant 100 km/h sind es zirka 8 PS. Die Reifen können jetzt hohe Seitenkräfte über-tragen, ermöglichen also eine enorme Schräglage des Motorrads. Sollte diese überzogen werden, verliert meist der schmalere Vorderreifen zuerst die Haftung. Man sollte deshalb versuchen, so früh wie möglich leicht zu beschleunigen, um ihn zu entlasten.

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Grüne Phase: Beschleunigen aus der Schräglage.
Grüne Phase: Beschleunigen aus der Schräglage.

Grüne Phase: Beschleunigen aus der Schräglage. Am Kurvenausgang wird sanft
das Gas aufgezogen, wodurch sich das Motorrad aufrichtet und sich der Kurvenradius vergrößert. Soll dieser Vorgang schneller vonstattengehen, hilft ein zusätzlicher Druck am kurvenäußeren Lenkerende. Abhängig von der Beschleunigung des Motorrads wirkt eine mehr oder weniger starke Umfangskraft auf den Hinterreifen, weshalb dieser weniger Seitenkräfte, also Schräglage, verkraften kann als der Vorderreifen, der in dieser Phase nur minimale Umfangskräfte übertragen muss.

Die häufigsten Fehler und Unfallursachen

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Schräglagenangst: Anpassungsbremsung (rot), Schräglagenangst (gelb).
Schräglagenangst: Anpassungsbremsung (rot), Schräglagenangst (gelb).

Die Angst vor Schräglage (Grafik ganz links) resultiert in zu großem Kurvenradius und damit im Gegenverkehr. Wer sich generell nur geringe Schräglagen zutraut, hat enorme Probleme, wenn sich eine Kurve zuzieht (Hundekurve).Man muss das Motorrad dann durch Lenkimpulse in Schräglage zwingen, etwa durch Drücken. Panikbremsungen passieren oft dann, wenn man vor der Kurve noch mal ordentlich am Kabel zieht und dann ob des zu hohen Tempos auf der Bremse einfriert. Das Motorrad lässt sich nicht ein- lenken, sondern fährt stur geradeaus weiter.

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Panikbremsung: Hohe Anfangsgeschwindigkeit (grün), Panikbremsung (rot).
Panikbremsung: Hohe Anfangsgeschwindigkeit (grün), Panikbremsung (rot).

Vorsicht auf der Straße bei:                                                                                                                                             

  • nicht einsehbarem Kurvenende - Linksabbieger blockieren eventuell die Straße
  • Benzin- und Dieselgeruch in freier Wildbahn, vermutlich ist die Fahrbahn verölt
  • Bitumen - sowohl bei Nässe als auch bei Hitze ist das Material extrem rutschig
  • Einmündungen auf der Landstraße; selbst wenn der Traktor schon lange weg ist, liegt noch der halbe Acker auf dem Asphalt
  • Wanderparkplätzen; von unaufmerksamen, weil müden Menschen bis hin zu stumpf rückwärts Ausparkenden gibt es hier alles
  • frischem Straßenbelag, der nicht selten mit Bitumen getränkt ist und damit so gut wie keine Reifenhaftung bietet
  • kalten Reifen, die sich wegen zu geringer Elastizität nicht mit dem Asphalt verzahnen können; mindestens 30 Grad Celsius (per Hand gefühlt deutlich wärmer als Körpertemperatur) brauchen die rotierenden Gummis
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Geschlängelte Kurven: Falsche Linie (gestrichelt), Bremsen (rot), Rollen (gelb), Beschleunigen (grün).
Geschlängelte Kurven: Falsche Linie (gestrichelt), Bremsen (rot), Rollen (gelb), Beschleunigen (grün).

Verführerisches Kurvengeschlängel mit großem Risiko. Weil der Straßenverlauf zum großen Teil nicht einsehbar ist, kann sich dort ein Auto oder Motorrad „verstecken“, das beim Schneiden der S-Kurve urplötzlich auftaucht. Deshalb ist auch in dieser Passage das Hinterschneiden die bessere Lösung, zumal man damit rechnen muss, dass der Gegenverkehr die S-Kurve ebenfalls schneidet und im schlimmsten Fall auf der falschen Straßenseite daherprescht. 

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Die klassische Kurve: Falsche Linie (gestrichelt), Bremsen (rot), Rollen (gelb), Beschleunigen (grün).
Die klassische Kurve: Falsche Linie (gestrichelt), Bremsen (rot), Rollen (gelb), Beschleunigen (grün).

Die klassische Kurve, die durch ihre Übersichtlichkeit eine fein zurechtgelegte Ideallinie und knackige Schräg- lage zulässt. Bereits bei der einfachen Kurvenversion ist zu erkennen, dass beim Anschneiden (gestrichelte Linie) das Motorrad am Kurvenausgang die größere Schräglage fahren muss, während der Fahrer beim Hinterschneiden (durchgezogene Linie) den Scheitelpunkt nach hinten verlegt (Pylone), in diesem Abschnitt schon wieder ans Gas geht und die etwas geringere Kurvengeschwindigkeit mehr als wettmacht.

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Zwei Kurven in kurzem Abstand: Falsche Linie (gestrichelt), Bremsen (rot), Rollen (gelb), Beschleunigen (grün).
Zwei Kurven in kurzem Abstand: Falsche Linie (gestrichelt), Bremsen (rot), Rollen (gelb), Beschleunigen (grün).

Folgen zwei Kurven in kurzem Abstand, kommt der Vorteil des Hinterschneidens noch mehr zum Tragen, weil es der spät gesetzte Scheitelpunkt erlaubt, die folgende Linkskurve von weit außen anzufahren. Den Fahrer auf der falschen Linie hingegen drängt es in Richtung Gegenfahrbahn, zudem muss er in die folgende Linkskurve von einer äußerst ungünstigen Position aus hart einlenken. Eine flüssig-runde Linie ist auf diese Weise nicht zu machen.

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