Gabel-Dichtringe wechseln Gabel-Dichtringe wechseln

Ölverlust an der Telegabel ist nicht nur ein Schönheitsfehler, denn bei zu niedrigem Ölstand wird die hydraulische Dämpfung verschlechtert beziehungsweise sogar außer Kraft gesetzt.

Ölverlust an der Telegabel ist nicht nur ein Schönheitsfehler, denn bei zu niedrigem Ölstand wird die hydraulische Dämpfung verschlechtert beziehungsweise sogar außer Kraft gesetzt. Die Folge: Der Vorbau schwingt nach Bodenwellen stark nach, das Rad verliert auf schlechten Straßen den Bodenkontakt.


Besonders gefährlich wird es, wenn Öl auf die Bremsanlage gerät. Das muß nicht sein, denn mit einer Portion technisches Grundwissen läßt sich das Leck in Eigenarbeit abdichten.

Da hierfür "tragende" Teile der Gabel ausgebaut werden müssen, ist ein sicheres Hochbocken des gesamten Motorrad-Vorderbaus erforderlich. Wohl dem, der eine Maschine mit Hauptständer besitzt. Die anderen müssen sich geeignete Hilfskonstruktionen mit Motorunterbauten (zum Beispiel Brett und Hydraulik-Wagenheber) einfallen lassen.


Nach dem geglückten Ausbau und der Zerlegung äußerste Vorsicht: Die mit einer Hartchromschicht überzogenen Oberflächen der Standrohre sind empfindliche Bauteile, die in keinem Fall mit einer Wasserpumpenzange oder mit einem Schraubstock ohne Alu-Schutzbacken mißhandelt werden dürfen. Bereits eine leichte Beschädigung der Oberfläche im Hubbereich der Dichtringe ist nicht mehr reparabel, die einzige Lösung lautet dann: neu kaufen.


Auch kleine Macken von Steinschlägen genügen, um die empfindlichen Lippen der neuen Dichtringe innerhalb weniger Kilometer wieder zu zerstören. Daher sollten die Standrohre vor dem Einbau der neuen Dichtringe penibel untersucht werden.


Eine weitere Untersuchung an der zerlegten Gabel gilt den Lagerschalen zwischen Stand- und Tauchrohr, denn zuviel Spiel an dieser Stelle kann ebenfalls für leckende Dichtringe sorgen. Dann darf erst einmal geputzt werden, denn jetzt bietet sich eine günstige Gelegenheit, das Innenleben der Gabel mit Waschbenzin gründlich zu reinigen und Ablagerungen im Dämpfersystem zu entfernen.
Beim Zusammenbau muß auf spannungsfreie Montage und das vorgeschriebene Drehmoment geachtet werden. Upside-down-Gabeln reagieren unwillig, wenn die untere Gabelbrücke nicht mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen wird.

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Zuerst das Vorderrad mittels des Hauptständers oder durch einen geeigneten Motor-Unterbau entlasten. Dann die Gabelstopfen bei noch eingebauter Telegabel (aber schon gelösten Klemmungen der oberen Gabelbrücke) lösen und herausdrehen. Den Tank vorsichtshalber zum Schutz vor Kratzern mit einem großen Tuch abdecken.

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Um an die Federn heranzukommen, muß die Gabel etwas eingefedert, das Vorderrad also etwas angehoben werden. Dann die Federn langsam herausziehen, das mitkommende Öl mit einem Lappen abfangen. Für den späteren Zusammenbau Einbaurichtung der Federn und Reihenfolge der Hülsen und Scheiben merken oder besser: aufschreiben.

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Nach Demontage von Bremssätteln, Vorderrad, Schutzblech und Tachowelle sowie dem Lösen der Klemmungen an der unteren Gabelbrücke können die Gabelbeine unter leichten Drehbewegungen nach unten herausgezogen werden. Vor dem Abbau dieser Teile noch einmal den absolut sicheren Stand des Motorrads „vorn ohne" prüfen.

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Das Gabelöl in eine geeignete Wanne gießen. Damit auch wirklich sämtliches Öl aus der Gabel läuft, wird das Gabelbein am besten für einige Zeit über Kopf in den Behälter gestellt - „ein- und ausfedern" beschleunigt den Vorgang deutlich. Dabei nicht vergessen, die Ölablaßschräubchen unten am Tauchrohr zu öffnen.

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Um das Stand- vom Tauchrohr zu trennen, muß der Dämpfer losgeschraubt werden. Steht das entsprechende Spezialwerkzeug nicht zur Verfügung, kann man das Dämpferrohr auch mit zwei Verlängerungen und der passenden Nuß blockieren und dann die Innensechskantschraube außen am unteren Ende des Tauchrohrs lösen.

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Jetzt muß der Sicherungsring herausgefummelt werden. Erst wird der meist verschmutzte und angerostete Ring gereinigt, dann wird ein Ende mit einem kleinen Schraubendreher aus seiner Nut herausgehebelt, manchmal braucht man auch eine Seegerringzange. Vorsicht, daß der Ring beim Lösen nicht durch die Gegend springt.

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Bei Gabeltypen ohne Gleitbuchsen kann das Standrohr herausgezogen werden, ohne daß sich der Dichtring löst, der Ring muß anschließend vorsichtig rausgehebelt werden. Bei Typen mit Gleitbuchse kommt der Dichtring mit - das Tauchrohr hierzu an den Bremssattel-Befestigungen in einen Schraubstock mit Schutzbacken spannen.

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Vor dem Einbau des neuen Dichtrings werden seine Dichtlippen dünn mit etwas Fett bestrichen. Dann den Ring - je nach Gabeltyp - entweder mit einem Hammer und einer großen Nuß in seinen Sitz im Tauchrohr treiben oder zusammen mit dem alten Ring, den neuen zuerst, von oben auf das Standrohr schieben.

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Das Standrohr zum Schutz vor Beschädigung durch Hammerschläge mit Klebeband abdecken. Dann den neuen Dichtring mit einem Hammer und einem breiten Durchschlag eintreiben, indem auf den alten Dichtring geklopft wird. Anschließend den alten Ring, der ebenfalls ein Stück mit eingetrieben wurde, aushebeln und entfernen.

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Upside-down-Gabel: Meist arbeiten diese Gabeln mit einem Kartuschendämpfer. Die Demontage ist häufig nur mit Spezialwerkzeug möglich - vielleicht leiht’s der freundliche Händler aus? Auch bei der Upside-down-Gabel dürfen die Standrohre wegen der Verformungsgefahr nicht direkt in den Schraubstock eingespannt werden.

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Gabelstopfen und die Schraube am Tauchrohr lösen, solange die Gabelbeine noch in den Brücken verklemmt sind. Die eingeklebte Schraube will mit kräftigem Ruck gelöst werden - Achtung, es kommt Öl. Dreht sich dabei der Dämpfereinsatz mit, muß er gegengehalten werden (siehe Bild fünf oder eben Spezialwerkzeug).

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Nun die Gabelbeine ausbauen und das restliche Öl ausgießen. Sicherungsring entfernen, Tauchrohr einspannen (Schutzbacken) und mit kraftvollem Ruck das Standrohr vom Tauchrohr abziehen. Manche Upside-down-Gabeln haben ein kompliziertes Innenleben - im Zweifelsfall lieber die Gabelbeine komplett in der Fachwerkstatt abliefern.

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