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Gebrauchte Rennmotorräder ab 2000 Euro Jetzt kaufen!

Hobbyracing hat Konjunktur. Nie gab so viele wundervolle Rennstrecken, nie mehr Möglichkeiten für Renntrainings, nie gab es bessere Rennreifen. Und niemals zuvor war das Angebot an guten und günstigen Rennmotorrädern größer: PS fand Schätzchen unter 2000 Euro.

Der Typ neben dir in der Box ist ein Frischling, man merkt es sofort: Er ist mitteilsam, höflich, hat Schweiß unter den Armen - beim Einräumen der Box. Und er ist aufgeregt, baut voller Stolz sein fein gepimptes Superbike neben dir auf. Geld hat der neue Nachbar - und Mut. Ein fast neues Straßenmotorrad kostet 15 000 Euro. Auf der Rennstrecke können die sich binnen Sekundenbruchteilen in einem Kiesbett atomisieren.

So kommt es auch. Unser Freund übersteht den Morgen seines ersten Renntrainings schadlos, hochmotiviert nimmt er den Nachmittag in Angriff. Etwas zu offensiv: Ein lupenreiner Highsider bestraft den Tatendrang und die falsche Reifenwahl. Die Originalbereifung des guten Stücks taugt sehr gut für die Straße, leidet aber auf der Rennstrecke schnell an einem Hitzeproblem. Zerknirscht kommt der Nachbar vom Rennarzt, bahnt sich den Weg durch die Schaulustigen, die ein Häuflein Elend begutachten, welches kurz vorher noch ein traumhaft schönes Motorrad war.

Unser Freund steht vor einer schweren Entscheidung: a) Er packt wortlos ein, verkauft den Kernschrott schnellstens an einen umtriebigen Teilehändler, verbucht das Erlebte als einmalige Erfahrung und fährt, da schwer traumatisiert, nie mehr auf eine Rennstrecke. Oder b): Er lässt sein Prachtstück teuer reparieren, stellt es in die heimische Garage und beherzigt einige der folgenden Ratschläge.
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600er-Supersportler

Wer mit dem Hobbyracing beginnt, muss sich über die Konsequenzen in allen Details im Klaren sein. Nichts ist schöner als ein perfekter Tag auf der Rennstrecke, und nichts kann grausamer sein. Die erste Grundregel lautet: Ein gelungener Einstieg braucht kein neues Rennmotorrad, sondern ein tipptopp vorbereitetes und perfekte Schutzbekleidung.

PS fand auf dem Gebrauchtmarkt Rennmotorräder für unter 2000 Euro, die für Einsteiger wie gemacht sind. Die netten, kleinen Supersportler spielen ein tragende Rolle in der Hobbyracing-Szene, denn schon vor 10 Jahren warteten 600er-Vierzylinder mit satt über 100 PS auf. Das ist reichlich genug für die ersten Fahrversuche auf der Rennstrecke.

Jetzt mag manch ein ganz Mutiger die Nase rümpfen. Schon klar, daheim steht eine 1000er für die Landstraße. Du bist der schnellste Hirsch im Landkreis, an jedem Eiscafé kennt man deinen Namen. Schön. Bitte lies diese Geschichte nochmal in Ruhe von vorn und denke dann über eine 600er nach, eine mit gut 100 PS und breitem Drehzahlband.

Die von PS empfohlene Suzuki GSX-R 600, Beiname SRAD, verfügte ab Modelljahr 1998 über ein samtiges Leistungsband ohne aggressive Spitzen, dazu über ein sehr stabiles Chassis, handelsübliche 17-Zoll-Räder und eine passable Brems- anlage. Der Motor gilt im Serientrimm als robust und anspruchslos. Auf dem Markt gibt es, wie für die meisten Modelle der GSX-R-Baureihe, Teile in Hülle und Fülle. Gleiches gilt für die Kawasaki ZX-6R (ZX600G, ab Modelljahr 2000: ZX600J). Sie ist eine feine Alternative zur Suzuki, ab Werk mit etwas mehr Druck gesegnet und ebenfalls ein solides, nach heutigem Maßstab großes und bequemes Motorrad.

Dieser Aspekt ist wichtig: Nur wer sich auf dem Motorrad wohlfühlt, traut sich, richtig am Gas zu ziehen. Profis benötigen vielleicht extreme Sitzhöhen und tiefe Lenkerhälften für ihren Fahrstil, ein Einsteiger tut sich aber mit einer seriennahen Ergonomie leichter. Deshalb braucht er auch nicht sofort schicke und sicher nützliche Zubehörfußrasten; die originalen tun auch. Und wenn die Rasten schleifen? Dann ist das ein gutes Zeichen. Womit wir auch gleich bei vermeintlich verheißungsvollen Signalen wären, von denen ältere Rennmotorräder besonders betroffen sind.
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Ehemalige Profirenner

ZX-6R, Ex-Profirennfahrer XY aus der WM-Saison 2001, garantiert echte 132 PS, Dimpelmoser-Fahrwerk, Titankolbenrückholfeder, alle Extras, Schnäppchenpreis. Solche Anzeigen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, finden sich immer wieder. Ein Rennmotorrad mit Historie, wow! Solche gibt es wirklich, aber man sollte sie nach dem letzten Rennen der Saison direkt aus dem Fahrerlager der WM oder IDM mit noch warmen Motorgehäuse abholen. Nur dann hat man die Garantie, dass alles für den Herrn Profi dran und drin steckt. 5 oder 10 Jahre später interessiert sowieso keinen mehr, ob ein Herr Teuchert oder ein Herr Nebel seinen Allerwertesten mal im Sattel hatte.

Die in Topklassen üblichen extremen Leistungsdaten erreicht man nur über massives Motortuning. Eine 600er mit 140 PS zu fahren, ist zwar ein tolles Erlebnis, aber extrem wartungs- und kostenintensiv: je mehr Tuning, desto kürzer die sogenannten Standzeiten. Bei einem zweitägigen Renntraining kommen leicht 600 Kilometer zusammen, was für ein waschechtes -Supersport-WM-Triebwerk eine Vollrevision bedeutet. Also lieber auf etwas Leistung verzichten und am Fahrstil feilen. Wir Hobbyfahrer verlieren eh die meiste Zeit auf der Bremse.

Wer einige Trainings erfolgreich absolviert hat und die Sache ambitionierter angehen will, also z. B. in Clubrennen, oder wer einfach etwas mehr Geld ausgeben möchte, für den hält der Markt fünf Jahre alte 600er für unter 4000 Euro parat. So etwas ist eine Traumbasis für erste Podiumsplätze. Diese Modelle besitzen alle eine Einspritzanlage, was die Abstimmung des Triebwerks mittels Powercommander und Konsorten deutlich leichter macht als bei den noch mit Vergaser bestückten -Vorgängern. Weiterer Vorteil: Die Serienfahrwerke dieser Motorräder waren meist mit deutlich mehr Reserven ausgestattet, sodass fürs Erste größere Umbaumaßnahmen entfallen. Bei Ex-Profi-Maschinen ist mitunter eher das Gegenteil der Fall: Deren Abstimmung ist für einen Hobbyfahrer komplett unfahrbar, da Profis häufig enorme Federraten und straff gedämpfte Motorräder lieben. Auch in diesem Fall lohnt der Weg zum Fahrwerksspezialisten.

Superbikes und Exoten

Natürlich reizt die Macht der 1000 Kubik, zumal auch hier Sonderangebote locken. Bestes Beispiel ist die Suzuki GSX-R 1000 (K1), ein um 160 PS starkes und robustes Urvieh. Preisgünstiger eröffnet sich einem die fantastische Superbike-Welt derzeit nicht. Der Ur-Kilo-Gixxer ist ein treues Arbeitstier, ideal für einen Aufsteiger, der mal in die große Klasse reinschnuppern will.

Ab 3000 Euro werden brauchbare Exemplare gehandelt, oft mit einem Teilefundus und einem zweiten Satz Räder dabei. Wenn so eine Wuchtbrumme den Kies umpflügt, ist nicht gleich ein Vermögen kaputt. Wer meint, mit so einer alten Möhre sei kein Gemüseeintopf zu gewinnen, der irrt. PS fuhr letztes Jahr beim 8-Stunden-WM-Lauf in Oschersleben mit einer GSX-R 1000 (K4) aufs Podium. Eine vier Jahre jüngere K8 wäre vielleicht gut eine Sekunde pro Runde schneller gewesen, aber die hätte nur ein Profi herausgekitzelt.

Wundervolle italienische Kreationen sind meist teuer und für Einsteiger ungeeignet - gar nicht einmal, weil sie unzuverlässig wären, sondern weil z. B. eine Ducati 999 mit ihren Möglichkeiten einen Einsteiger leicht überfordert. Löbliche Ausnahme ist die Aprilia RSV 1000, aber die ist ja auch kein echtes italienisches Rennmotorrad.

Auch nicht alle neueren Japaner sind für die Rennstrecke erste Wahl; die Yamaha YZF-R1 (RN09) und die 2000er-Honda Fireblade (SC50) beispielsweise. Sie sind heute noch wirklich tolle Landstraßenmotorräder, aber für die Rennstrecke beinahe zu schade. Einen Grenzfall stellt die Kawasaki Ninja ZX-10R (Modelljahr 2004) dar. Sie war die wildeste 1000er ihres Jahrgangs und ist bis heute auch die verrückteste ihrer Baureihe. Kurzum: Sie hat das Zeug zum Klassiker. Und ist Rennstreckenfahren nicht immer auch ein bisschen Materialmisshandlung?

Ob Klassiker, Exot oder Superbike: Wer einen leicht ondulierten Serienrenner sucht, den er sich zum Rennmotorrad umbauen möchte, wird bei den großen Anbietern mobile.de und motoscout24.de fündig. Dort sind auch Rennmotorräder inseriert. Im Kleinanzeigenbereich von racing4fun.de findet man ebenfalls welche; Vorteil dort: Mit etwas Klickaufwand lässt sich herausfinden, ob der Anbieter ein fairer Sportskamerad oder ein fieser Rosstäuscher ist.

Außerdem lohnen sich natürlich noch die guten, alten gedruckten Kleinanzeigenteile von PS und unserer Schwesterzeitschrift Motorsport aktuell. Im Schweizer Fachblatt findet man nach Ablauf der Rennsaison wöchentlich interessante Angebote.

Reifen und Reifenwärmer

Bitte auswendig lernen: Sportreifen für die öffentliche Straße, Rennreifen für die Rennstrecke. Einfach, oder? Ausnahmen: Temperaturen um den Gefrierpunkt an Ostern in Hockenheim. Dann ist beispielsweise der alte Michelin Pilot Power eine Macht, weil er bei diesen Bedingungen optimal funktioniert.

Wird es wärmer, überhitzen alle Straßenreifen und fangen mehr oder weniger kontrolliert das Schmieren an, was vor allem beim Beschleunigen zu Stürzen führen kann. Deshalb lohnen sich moderne Rennreifen schon für den allerersten Rennstreckenausflug.

Details kennt der große Rennreifentest in PS 6/2009, bei dem die Redaktionn atürlich auf Reifenwärmer vertraut: Mit neuen Reifen ab dem ersten Meter Gas geben zu können, ist einfach ein gutes Gefühl.

Fahrwerksumbauten

Neben Reifen das Topthema unter Rennfahrern und beinahe schon eine Religion: das Fahrwerk. Öhlins, Showa, Bitubo, WP, Wilbers und Co. bieten für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel feine Komponenten bis hin zur Upside-down-Gabel direkt aus der Superbike-WM an.

Braucht das ein Racing-Einsteiger? Natürlich nicht. Schön, wenn der gebrauchte Renner da-rüber verfügt, aber bei neuzeitlichen Supersportlern reicht das Serienfahrwerk für erste Erfahrungen auf der Rennstrecke. Hier greift der Grundsatz: So hart wie nötig, so weich wie möglich. Tipps zur richtigen Fahrwerksabstimmung folgen in einer der nächsten Ausgaben von PS.

Ob Zubehör- oder Serienfahrwerk: Wegen der harten Beanspruchung benötigen Federlemente regelmäßige Wartung durch Profis. Diese können die Komponenten gleichzeitig individuell überarbeiten und deutlich verbessern.

Merke: Fahrwerksspezialisten erlangen in der Szene oft eine Art Guru-Status. Für gute Umbauten bekannt sind unter anderem Sport Evolution, HH-Racetech, PT-Race, Zupin, GL-Suspension und SO-Products.

Schnäppchen und ihre Fallstricke

Rennstrecke bedeutet erhöhten Verschleiß für das Motorrad inklusive der obligatorischen Ausrutscher und Stürze. Der Kauf einer Gebrauchten ist deshalb immer mit besonderen Risiken verbunden.

Ob der Rahmen wirklich maßhaltig ist, kann im Zweifel nur das Vermessen bei einem Fachmann klären. Also diesen Vorbehalt im schriftlichen Kaufvertrag fixieren oder vom Verkäufer vorab ein Gutachten verlangen.

Ein Schnäppchen ohne Fahrzeugpapiere billig an einer Autobahnraststätte kaufen? Lieber nicht. Der Aufbau eines Renners mit sogenanntem Blankorahmen ist zwar nicht ungewöhnlich; ein seriöser Verkäufer wird den aber schlüssig erklären können. Oft entstehen solche renntauglichen Motorräder aus überschüssigen Ersatzteilen. Wichtig für den Käufer ist nur, dass es sich dabei nicht um Diebesgut handelt.

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