Grundlagen Bremsenkunde

Fest- oder Schwimmsattel, Sintermetall- oder Rennbelag: 2Räder sagt, was man über die Bremse wissen muss.

Foto: Jahn

Arbeiten an der Bremsanlage können für die Sicherheit von entscheidender Bedeutung sein, sind also nur etwas für erfahrene Schrauber. Anfänger sollten sie von der Fachwerkstatt erledigen lassen oder erste Schrauberversuche unter Anleitung eines Routiniers durchführen. Trotzdem ist es wichtig, einige  Grundkenntnisse über die Bremsanlage am Motorrad zu haben – etwa um beim Gebrauchtkauf den technischen Zustand des Motorrads beurteilen zu können, oder im Alltag bereits früh auf mögliche Probleme aufmerksam zu werden. Auf diesen Seiten erfahren Sie das Wichtigste über die Funktion von Fest- und Schwimmsattelbremsen, über den Aufbau von Bremsbelägen und die Aufgaben der Bremsleitung. Umbau- oder Tuningmaßnahmen an der Bremse sollten gerade bei älteren Motorrädern unbedingt mit dem Fachhändler besprochen werden. Generell ist es nicht verkehrt, zusätzlich noch eine zweite Meinung einzuholen.

Anzeige
Foto: Jahn

Bremsleitung
Entscheidendes Verbindungsstück zwischen Bremshebel (Bremspumpe) und Bremszange ist die Bremsleitung. In dieser befindet sich die Bremsflüssigkeit, die den Bremsbefehl des Fahrers an die rotierenden Räder weitergibt. Brandgefährlich: eine zu alte Bremsflüssigkeit im System. Bremsflüssigkeit nimmt nämlich mit der Zeit Wasser auf. Damit sinkt ihr Siedepunkt. Folge: Bei einer Dauerbremsung oder mehreren Vollbremsungen hintereinander, z. B. bei einer Passabfahrt, kann die Bremse ohne Vorwarnung plötzlich ausfallen, da die erhitzte Bremsflüssigkeit Dampf bildet, der keine hydraulische Wirkung mehr hat. Der Fachmann nennt das Fading. Wer auf der sicheren Seite sein will, wechselt alle zwei Jahre die Flüssigkeit. Die Bremsschläuche selbst altern auch und können durch Umwelteinflüsse porös werden. Beim Austausch empfiehlt es sich, hochdruckfeste Stahlflexleitungen zu nehmen.


Festsattelbremse
Beim Bremsen treten schon bei niedriger Geschwindigkeit hohe Kräfte auf. Deshalb muss die Bremszange (auch Bremssattel oder Radbremszylinder genannt) verdrehfest mit der Gabel (vorn) oder Schwinge (hinten) verbunden sein. Bei der Festsattelbremse ist die Bremszange starr mit der Radaufhängung verschraubt. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zur Schwimmsattelbremse: Von beiden Seiten pressen Kolben die Bremsbeläge an die Bremsscheibe. Betätigt der Fahrer die Hand- oder Fußbremse, drückt er durch die Bremsleitung Hydraulikflüssigkeit in den Bremssattel. Der durch die Bremsflüssigkeit übertragene Druck verschiebt die Kolben auf beiden Seiten in Richtung Bremsscheibe. Dadurch werden die Beläge gegen die Bremsscheibe gedrückt. Durch die Reibung zwischen Belag und Scheibe wird das Motorrad abgebremst. Löst der Fahrer den Druck auf den Bremshebel zieht der Dichtring den Kolben wieder zurück.


Schwimmsattelbremse
Schwimmsattelbremsen sind vom Prinzip her einfacher aufgebaut als Festsattelbremsen. Zwar ist auch hier eine verwindungsfeste Verschraubung mit der Radaufhängung (Gabel, Schwinge) notwendig. Allerdings muss der Bremssattel einer Schwimmsattelbremse parallel zur Radachse verschiebbar sein. Deshalb ist er auf zwei dauerhaft geschmierten Bolzen gelagert. Betätigt der Fahrer den Hand- oder Fußbremshebel, wirkt der Hydraulikdruck in der Bremsleitung gleichermaßen auf den Kolben wie auf das Gehäuse der Bremszange, in dem sich der Kolben bewegt. Dadurch entsteht eine gegenläufige Bewegung, wie die Pfeile im Bild zeigen: Der linke Bremsbelag wird über den Kolben gegen die Bremsscheibe gedrückt. Der rechte ist fest in das Gehäuse der Bremszange eingesetzt und wird gegen die Bremsscheibe gedrückt, indem sich die komplette Zange bei Druck auf den Bremshebel verschiebt. Da bei Schwimmsattelbremsen der zweite Kolben wegfällt, ist die Bautiefe – wie in der Funktionszeichnung gut zu sehen – deutlich geringer als bei einer Festsattelbremse.

Anzeige
Foto: Jahn

Bremsbelagkunde

Organisch
Organische Bremsbeläge bestehen meistens aus Bindeharz, Metallen sowie Schmier- und Schleifmitteln. Diese kommen häufig in Bremsanlagen älterer Maschinen zum Einsatz. Häufiger Kritikpunkt an organischen Belägen ist ihre meist nur durchschnittliche BremsIeistung im kalten Zustand und bei Regenfahrten. Organische Bremsbeläge gibt es bereits ab rund 15 Euro.

Sintermetall
Hauptbestandteile hier: Metallpulver sowie die notwendigen Schmier- und Schleifmittel. Sie garantieren sowohl im kalten wie heißen Zustand und bei Nässe konstant gute Bremswerte. Allerdings können ältere Bremszangen und Bremsscheiben durch den Einsatz von Sintermetallbelägen überfordert sein. Wichtig ist, dass die Beläge für das eigene Modell zugelassen sind.

Rennbelag
Rennbeläge können aus unterschiedlichsten Mischungen bestehen, beliebt ist die Kombination aus Kohlenstoff-keramischen Werkstoffen. Sie sind speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke konzipiert, wo beim Bremsen extrem hohe Temperaturen entstehen. Im kalten Zustand sprechen Rennbeläge nur zögerlich an. Auf öffentlichen Straßen sind diese Beläge verboten.

Qual der Wahl? Wichtig ist, dass der Bremsbelag gut mit der eigenen Maschine harmoniert und sich beim Bremsen ein gutes Gefühl einstellt. Sintermetallbeläge sprechen zwar bei Nässe besser an als organische Beläge, können die Bremse aber auch richtig giftig machen. Spezielle Rennbeläge sind im Straßenverkehr nicht zulässig.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel