Grundlagen: Kleinanzeigen richtig lesen Dichtung und Wahrheit

Manche Biker dichten sich in Inseraten eins zurecht, dass sich die Balken biegen. 2Räder sagt Ihnen, wann ein Verkäufer offensichtlich schummelt und was eigentlich hinter dem Wort Frauenmotorrad steckt.

Foto: Archiv

34 PS eingetragen: Heißt im Klartext: Tatsächlich steht die offene Leistung zur Verfügung. Heißt auch: Der Verkäufer betrügt seine Versicherung. Möglicherweise nimmt er es auch Ihnen gegenüber nicht sehr genau mit ehrlichen Angaben zum Motorrad.

Einzelstück: Meist sind viele Originalteile durch nicht selten eigenwillige Zubehörteile ersetzt. Oder die Karre ist unumkehrbar verbastelt, zum Beispiel aufgrund gekappter Verkleidungsteile oder eines selbst geschweißten Hecks. Insgeheim hofft man, sowas kein zweites Mal sehen zu müssen.

Frauenmotorrad: Oder auch "von Frau gefahren" ist garantiert Schummelei. Denn allzu gern wird damit eine schonende Fahrweise des Motorrads beworben. Wer tatsächlich glaubt, Frauen würden ihre Bikes auch nur einen Deut weniger herzwiebeln als Männer, ist aber ordentlich auf dem Holzweg. Wahrscheinlicher sind eine abgepolsterte Sitzbank und gekürzte Federwege. Das wiederum wäre zumindest für kurzbeinige Biker nicht uninteressant.

Neu aufgebaut: Obacht! Dem Neuaufbau könnte ein mittelschwerer Crash vorausgegangen sein. Dessen Folgen werden gern mit geringen Bord- und Geldmitteln beseitigt, meist unter Verzicht auf Originalteile und Fachkompetenz. Werkstatt- oder Kaufbelege sind nur selten vorhanden.

Nur Langstrecke: Klar sind viele Kilometer am Stück besser als ständiges Kurzstreckenfahren. Bedeutet aber eventuell auch häufig hohe Drehzahlen und Fahren bei jedem Wetter.

Nur Umfaller: Es grenzt schon an Wunder, wie oft Motorräder im Stand umkippen, statt in voller Fahrt zu stürzen - zumindest dann, wenn die langgezogenen Kratzspuren am Auspuff einer Erklärung bedürfen. Überprüfen Sie, ob der Schaden tatsächlich so passiert sein kann. Falls nicht, überlegen Sie gut, wobei Sie der Verkäufer sonst noch belogen haben könnte.

Originalzustand:
Im besten Fall können Sie sich auf ein unverbasteltes Motorrad freuen. Kann aber leider auch bedeuten, dass seit dem Kauf rein gar nichts mehr an der Karre gemacht worden ist.

Preis Verhandlungssache: Der Verkäufer setzt auf schlecht oder gar nicht informierte Käufer. Beliebte Frage am Telefon: "Was würden Sie denn bezahlen wollen?" Seriöse Anbieter setzen eine Summe an und lassen dann vor Ort mit sich handeln. Im Gegenzug sind "Was ist der letzte Preis?“-Anrufe mindestens genauso unschicklich.

Sonderlack: Siehe auch "Neu aufgebaut". Hier werden häufig Schmauch- und Schleifspuren an Unfallopfern beseitigt. Oftmals in unmöglicher Farbkombination, bisweilen ganz grobschlächtig aus der Sprühlackdose und anschließend mit einer selbst zurechtgeschnittenen Marken- und Modellbezeichnung beklebt. Grenzt an ein Wunder, so ein Bike jemals wieder zu verkaufen.

Sportauspuff: Nicht selten eine billige Brülltüte vom renommierten Hersteller "One-in-Nothing“. Mit etwas Geschick kann man durch den Auspuff die Ventile einstellen. Die Betriebserlaubnis (EG-BE) für den Ersatzendtopf fehlt recht wahrscheinlich genauso wie der Originalschalldämpfer.

Tachostand: Achtung, Begriffsverwechslung! Der Tachostand ist etwas anderes als die Kilometerleistung. Klären Sie auf jeden Fall, ob die beiden Werte übereinstimmen.

Technisch okay: Der äußere Zustand des Bikes ist desolat, es fehlen garantiert etliche Teile. Deshalb fragt sich, wie es dann erst unter der Oberfläche, im Innern von Motor und Getriebe aussieht.

TÜV neu: Nur bedingt ein Qualitätsmerkmal. Besagt unter Umständen nur, dass das Licht funktioniert und die Reifengröße stimmt. Analog dazu: "Ohne TÜV" - den wird es für ein so angebotenes Motorrad dann weder schnell noch günstig geben.

US-Modell: Klingt manchmal reizvoll. Heißt jedoch im schlimmsten Fall: undurchsichtiger Eigenimport mit Meilentacho, nicht zugelassenem Schalldämpfer, falscher (weil nicht StVZO-konformer) Beleuchtung und weit-gehend wartungsfreier Vergangenheit.

Vorübergehend stillgelegt: Wenn das Wort "vorübergehend" schon einige Jährchen umfasst, sitzen mit Sicherheit alle Kolbenringe fest, klebt eine schwarze Pampe in der Ölwanne und überzieht Flugrost das Äußere. Wenn dem Verkäufer am Telefon das Wort "Patina" über die Lippen kommt, fahren Sie gar nicht erst zur Besichtigung.

Wegen Hobbyaufgabe zu verkaufen:
Gleich fragen: Wann hat man denn aufgegeben? Denn so lange liegen mit Sicherheit der letzte Reifenwechsel, die Ölkontrolle und das Schmieren der Kette zurück.

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