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Vor allem auf Landstraßen führt der Weg durch viele Kurven. Doch grobe Lastwechselreaktionen können einem die flüssige Kurvenhatz vermiesen. Die Ursachen der Lastwechselreaktionen sind in den folgenden Bildern erklärt.

Grundlagen: Lastwechselreaktionen Tipps und Tricks für ein besseres Lastwechselverhalten

Grobe Lastwechselreaktionen vermiesen nicht nur die flüssige Kurvenhatz, sondern nerven auch im Alltag. 2Räder erklärt die Ursachen der Ruckelei und verrät, wie sie sich wirksam eindämmen lässt.

Im Grunde ist es sehr einfach: Ein Lastwechsel ist der Wechsel zwischen geöffnetem und geschlossenem Gasgriff. Darin liegt grundsätzlich keine Schwierigkeit, schließlich machen wir Motorradfahrer das Hunderte Male pro Fahrt. Was uns vor allem beim flüssigen Kurvenfahren zu schaffen macht, ist die so genannte Lastwechselreaktion. Sie bezeichnet den je nach Motorrad unterschiedlich starken Ruck, der beim erneuten Gasanlegen durchs ganze Bike geht und uns zuweilen die Linie verhagelt. Warum eigentlich? Anstatt das Hinterrad anzutreiben, wird der Motor bei geschlossenem Gasgriff vom Trägheitsmoment der Fahrzeugmassen am Laufen gehalten. Je nach Bauart bremst der Motor den Vortrieb mehr oder weniger stark: Fette Cruiser-Twins erzeugen dabei ein größeres Bremsmoment als ein kleinerer Vierzylinder (Bild 1).Bedeutsamer ist allerdings die umgekehrte Richtung. Legt der Fahrer das Gas wieder an, wechselt der Motor vom Schiebebetrieb auf Zugkraft und treibt das Hinterrad an. Bei vielen Motorrädern gelingt auch dieser Vorgang wenig geschmeidig und erzeugt abhängig von Drehzahl und eingelegtem Gang einen unterschiedlich starken Ruck. Unter Umständen ändert sich die Geschwindigkeit abrupt, Unruhe gelangt ins Fahrwerk, in Kurven sind Lenkkorrekturen nötig.

Doch nicht Motor und Gasgriff allein sind schuld am ungehobelten Benehmen: Es sind die vielen Beteiligten im gesamten Antriebsstrang, schließlich gelangt die Kraft des Motors ja nicht direkt zum Hinterrad. Durch das Spiel der involvierten Komponenten kann der Zündschlag regelrecht Schwung holen und dann das Motorrad mit Schmackes überraschend beschleunigen. Das Spiel dient aber auch dazu, die Wucht der übertragenen Kräfte zu dämpfen. Daher sitzen sowohl im Kupplungskorb (Bild 2) als auch im Hinterrad entsprechende Ruckdämpfer (Bild 6). Lassen sich letztere ohne Mühe ein paar Grad verdrehen, sind neue Gummis fällig. Um das Gasanlegen geschmeidiger zu gestalten, können beispielsweise progressiv wirkende Gasgriffe (Bild 3) verwendet werden. Das größte Spiel im Antrieb besteht im freien Verdrehwinkel der Klauen an den Getrieberädern (Bild 4), die sich je nach Gangstufe zwischen zehn und 30 Grad zueinander verdrehen lassen. Mit größerem Winkel verbessert sich zwar die Schaltbarkeit, die Lastwechsel werden jedoch ruppiger. Das notwendige Spiel der Antriebskette (Bild 5) ist ein weiterer Übeltäter, der aber durch penible Wartung in Schach gehalten werden kann. Addiert man nun all diese Faktoren, so steht der Kurbelwelle ein freier Verdrehwinkel von bis zu 180 Grad zur Verfügung - nicht schlecht, Herr Specht. Genug Gründe, sich unsere Tipps auf der rechten Seite zu Herzen zu nehmen - für weniger lästige Reaktionen.

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Tipps und Tricks

Sie müssen nicht erst in die Tiefen des Motors abtauchen, um Ihrem Motorrad Manieren beizubringen. Es reicht bereits, hier und da Feinarbeit zu leisten oder einfach mal aufs Bremspedal zu treten.

Spiel im Gaszug optimieren:
Lässt sich der Gaszug am Anfang mit zu viel Spiel betätigen, kann der Fahrer den "Druckpunkt" der Gasbetätigung nur schlecht aufspüren. Das Resultat: Er überfährt den "Druckpunkt" beim Gasgeben zu schnell und reißt damit die Drosselklappen entsprechend heftig auf. Ist das Spiel dagegen maximal knapp justiert, kann der Fahrer vom ersten Millimeter an die Drosselklappen fein dosiert aufziehen. Bei der Reduzierung des Spiels im Öffner-Gaszug unbedingt darauf achten, dass der Zug auch bei voll eingeschlagenem Lenker ein kleines Spiel aufweist. Eventuell muss bei der Verkleinerung des Spiels der Schließer-Gaszug entsprechend nachgestellt werden, um eine leichtgängige, reibungsarme Betätigung zu gewährleisten.

Antriebskette korrekt spannen:
Um festzustellen, wie stark sich die Kette spannen lässt, wird die Schwinge so weit eingefedert, dass Hinterachse, Schwingenachse und das Zentrum der Getriebeausgangswelle auf einer Linie liegen, besser geht die Kontrolle zu zweit. In diesem Zustand muss sich die Kette mit leichtem Druck (auf halbem Weg zwischen Ritzel und Kettenrad) etwa zehn bis 15 Millimeter nach oben oder unten bewegen lassen. Ist dieser Wert erreicht, wird das Hinterrad komplett entlastet und der Kettendurchhang am gleichen Messpunkt nochmals nachgemessen. Dieser Wert wird notiert und dient in Zukunft als Anhaltspunkt für eine optimale Kettenspannung, um auch mit dieser Methode den Lastwechselschlag zu verringern.

Hinterradbremse benutzen:
Besonders in Haarnadelkurven ist der Tritt aufs Bremspedal hilfreich. Bei der langsamen Kurvenfahrt hält man die Maschine mit leicht geöffnetem Gas unter Zug und reguliert die Geschwindigkeit, indem man die Hinterradbremse nur leicht betätigt - bei einem Tempo unter 50 km/h ist die thermische Beanspruchung von Scheibe und Belägen völlig unbedenklich. So vermeidet man das Schließen und Öffnen des Gasgriffs und die damit verbundene Unruhe im Fahrwerk.

Ruckdämpfer vorspannen:
Weisen selbst neue Gummidämpfer für das Hinterrad zu wenig Vorspannung auf, lässt sich hier das Spiel auf einfache Weise minimieren. Kleben Sie entsprechend dicke Alu-Bleche auf die Nabe, so werden die Gummis stärker vorgespannt.

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